Burgen und Schlösser
Burgen und Schlösser Mittel-Erzgebirge
Modell Schloß-Pfaffroda
Einige Jahre haben wir uns mit Burgen und Schlössern im mittleren Erzgebirge beschäftigt.
Intensiv recherchirten wir, fotografierten, erstelltenVideos und sichteten in Archiven Material.
Die Anzahl der Objekte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Burgensagen
Burgensagen
Nidberg
1301
Spuk der Berggeister und Zwerge auf der Ruine Oberlauterstein
Die Burg Oberlauterstein ist im Hussitenkriege geschleift worden. In den noch längere Zeit gebliebenen Überresten wohnten die Berggeister und Zwerge, welche sich nicht miteinander vertrugen, sich stets zankten und des Nachts einen furchtbaren Lärm verursachten, so daß die Wanderer oft auf den Gedanken kamen, es donnere daselbst. Da kam aus dem Baierlande (Bayern) ein Geisterbanner, ein Feilenhauer von Profession, in diese Gegend. Er war ein langer, hagerer Mann mit zerlumpten Kleidern, als Geisterbanner gesucht hier und da, gefürchtet aber von jung und alt. Der Amtmann im Schlosse Niederlauterstem bat ihn, die Geister in der Ruine Oberlauterstein zu bannen, denn sie ließen auch ihn nicht ungeneckt. Der Feilenhauer versprach alles und hielt auch Wort. In einer finsteren Nacht nahm er seine Beschwörungen vor, pfiff dreimal ganz laut, und die unruhigen Geister krochen allzumal in den vorgehaltenen Ranzensack. Diese Geister trug der Mann in der folgenden Nacht im Ranzen, wie eine Partie junger Katzen, in die entferntere Ruine des Raubschlosses am Katzenstein, wo sie sich nun unter dunklen Fichten die Zeit mit Würfel- und Kartenspiel vertrieben. Als jedoch die Ruinen des Raubschlosses immer mehr zusammenbrachen, hatten die gebannten Geister nicht alle mehr Platz und zogen aus. Nicht selten zeigen sie sich jetzt noch in der Nähe des Oberlautersteins in feuriger Gestalt. (293)
1303
Wie das Schloß auf dem Burgberge wiedergefunden wurde
Anfang des 19. Jahrhunderts sollen einmal dem Schornsteinfeger Baumann mehrere glänzende Ritter erschienen sein, die von der Niederlautersteiner Ruine herauf nach dem Schloß auf den Burgberg geritten kamen und dort verschwanden. Diese Erscheinungen veranlaßten ihn, 1828 auf dem Schloßberg nach mutmaßlichen Schätzen zu graben. Er stieß dabei auf die Grundmauern des alten, ehemaligen Schlosses. (292)
1304
Das Raubschloß auf dem Lautersteine
1. Der erste Felsen unter Zöblitz, linker Hand unter der Pfarrwiese nach Lauterstein zu, heißt der Lauterstein, welcher gegen das alte Schloß Lauterstein liegt und vom roten Wasser aus, sehr hoch und jähe ist.
Dem Vorgeben nach soll auf diesem Felsen ein „Raubschloß", von welchem man gegen das, „dem Katzenstein an der Schwarzen Pockau gegenüberliegende „Raubschloß" Losung geben konnte, gestanden haben. Man bemerkte früher auf dem Felde noch einige Gräben. Das genannte Raubschloß lag am rechten Pockauufer im Walde, ungefähr eine Stunde von Zöblitz entfernt. Man fand daselbst viele alte Kriegsgeräte, Pferdezeug, Sporen und dergleichen vieles mehr. Ferner die Überreste einer unterirdischen Wasserleitung.
Nach der Volkssage soll das „Raubschloß" durch Kurfürst Johann Georg I. vom Katzenstein aus in den Grund geschossen worden sein. Wahrscheinlich wurde es bereits im Hussitenkriege zerstört.
2. Es hat sich einmal hier ein Ritter, der verfolgt ward, mit dem Rosse vom Felsen herabgestürzt. Das Pferd ist tot geblieben, der Reiter aber zwar mit dem Leben davongekommen, aber von seinen Feinden gefangen worden. (291)
1306
Die Schätze von Oberlauterstein
1. Ein Holzhauer aus Zöblitz arbeitete vor vielleicht dreihundert Jahren in der Nähe des Oberlautersteins.
Es war Abend geworden, und eben wollte er nach Hause gehen. Da trat aus einer verfallenen Burgmauer ein Mann in alter Rittergestalt hervor. Hinter ihm öffnete sich eine große Höhle, in dieser brannte ein helles Feuer, und deutlich sah der bestürzte Waldarbeiter eine Braupfanne voll rotglühendem Gold. Der alte Ritter winkte ihm freundlich und reichte dem Holzhauer einen ordinären Ziegelstein hin. Schüchtern griff der Mann danach. Sogleich geschah ein Donnerschlag; die ganze Erscheinung war im Nu verschwunden, und der Arbeiter stand im Finstern, den Ziegelstein in der linken Hand haltend.
Er ging nach Hause, aber da ihm der Ziegelstein zu schwer wurde und er sich nicht mit dem unnützen Gute herumtragen und zu Hause auslache lassen wollte, so warf er ihn ins Gebüsch. „Nun, Mann, wie siehst du nur aus?" fragte ihn zu Hause mürrisch und spottend die Frau, „du glänzt ja, als wenn du vergoldet wärst am Ärmel". Der Mann sah nach und erblickte den reinsten Goldstaub an den Händen und an seinen Kleidern. Nun erzählte er seine Geschichte am Schloßfelsen.
Am anderen Morgen suchte er bei guter Zeit nach dem weggeworfenen Steine mit Weib und Kindern. Allein umsonst: den edlen Stein hat niemand wieder gesehen.
2. Am Silvestertag, nachts zwölf Uhr, wenn die Glocken zu Zöblitz das neue Jahr verkünden, erhebt sich mit dem ersten Glockenschlage der hohe Fels des Oberlautersteins, und ein Zuschauer kann vom Tal aus die Braupfanne voll Gold betrachten und mittels eines wackeren Geisterbanners heben. Mit dem letzten Glockenschlage verschließt sich die Höhle wieder, und die Braupfanne sinkt in die Tiefe. (294)
Nonnenfelsen
1820
Zeichen auf dem Katzenstein
Bei Pobershau, am linken Ufer der Schwarzen Pockau, erhebt sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Obenauf findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere gehauen sind, und es soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem Stein gefrühstückt haben. Neben unleserlichen Inschriften sollen auf dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messern und Gabeln zu sehen gewesen sein. Früher will man noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben. (225)
1890
Die Teufelsschleuse
Die Teufelsschleuse ist ein kahler Streifen, der sich seit vielen Jahren vom Schwarzwasser aus quer durch den Kriegswald zieht. Bis zum heutigen Tag wollen dort weder Bäume noch Sträucher gedeihen. Es geht die Sage, daß dem Teufel die Niederlage am Katzenstein sehr zu schaffen machte. Alle seine Mittel hatten versagt, die Burg war gefallen, und er hatte sich ungeheuer blamiert. Um Gras über die Geschichte wachsen zu lassen, zog er sich für einige Zeit aus dem Katzensteingebiet zurück. Aber Wut und Enttäuschung waren so groß, daß sein Abflug einem furchtbaren Unwetter glich. Der Himmel verfinsterte sich, ein heftiger Sturm peitschte, über dem Schwarzwassertal schien die Hölle los zu sein. Am nächsten Morgen konnte man genau sehen, welchen Weg der Teufel genommen hatte. In seiner Spur waren alle Bäume umgeknickt, die Erde war umgepflügt, und alles sah entsetzlich und wüst aus. (228)
Pfaffroda
3310
Wappensage
In Kalabrien, nahe am Toskanischen Meere, liegt eine kleine Stadt mit einem Bergschlosse, Belmonte genannt. Dahin kam 600 Jahre vor Christus Geburt mit den ersten Rhätiern zur Zeit des Römischen Königs Tarquinus Priscos eine Familie, die sich zu hohen Ehren und Würden erhob. Diese Herren von Belmont übersiedelten in der Folgezeit nach Chur in Graubünden, verdeutschten ihren Namen und nannten sich von Schönberg. Sie waren im Jahre 775 unter denjenigen Grafen und Herren, mit welchen Karl der Große nach der Eroberung der Feste Brunsbergerrath, wie und wo er Gott zu danken und ehren ein Benediktiner Kloster erbauen möchte. Aus der Schweiz verbreiteten sie sich nach Hessen und hausten da selbst an der Diemel in ihrem Schlosse Schönenberg, an welchem noch an heutigem Tage die Trümmer zu sehen sind. Auch am Rheinstrome breiteten sie sich aus und kamen von dort nach Meißen, Sachsen, Böhmen, Schlesien und der Lausitz. Ihr Wappenschild zeigt einen springenden Löwen, der zu obern Hälfte rot, zur untern Hälfte grün ist. Es soll nämlich einmal ein Ritter aus dieser Familie im gelobten Land am Ufer eines Flusses, der sehr morastig und mit Schilf bewachsen war, von einem Löwen überfallen worden sein. Als ihn nach langem und beschwerlichem Kampf der Ritter erlegte, fand es sich, daß der Löwe zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und deshalb grün aussah.
(aus: Geschlechts-Namen und Wappensagen des Adels deutscher Nation, G. Schönfelds Verlagsbuchhandlung, Dresden, 1876).
3311
Vom Namen des Ortes Pfaffroda
Zur Zeit des Faustrechts besaßen eine Anzahl Raubritter im Erzgebirge mehrere gemeinschaftliche Burgen.
Auf der zu „Frauenstein" wohnten ihre Frauen, auf der „Rechenberger-" hielten sie Abrechnung bei Teilung des Raubes, die „Purschensteiner-" beherbergte ihre Knechte und „Pfaffroda" schließlich soll ihren Pfaffen als Wohnsitz gedient haben.
Schon allein im Hinblick auf die immerhin beträchtlichen Entfernungen der aufgezählten Burgen zueinander in damaliger Zeit- und Wegberechnung erscheint diese Deutung weniger glaubhaft, dafür ist aber die Auslegung mit den rodenden Pfaffen möglich und zutreffend, welche übrigens auch im Gemeindesiegel schon seit langem vorzufinden ist. (204)
3320
Die blaue Frau
Bei Festlichkeiten der Schönberger Feudalherren auf Schloß Pfaffroda wurde stets ein Gedeck mehr aufgelegt. Die Gäste wunderten sich zwar darüber, aber niemand wagte nach dem Grund zu fragen.
Bald stellte sich bei solchen Festen eine junge Frau ein, die stets im gleichen Kleid erschien. Sie mischte sich schweigend unter die Herrschaften und saß auch mit zu Tische. So schnell und unvermittelt sie kam, so plötzlich und unbemerkt verschwand sie wieder. Niemals wurde von jemand darüber gesprochen. Zu spüren war nur, daß die Herrschaft stets mit ihrem Erscheinen rechnete. Einer der Schloßherren, die auch die Herren über Dörnthal waren, habe aus der dortigen Wehrkirche den Leichnam einer längst verstorbenen jungen Frau in die Begräbnisstelle des Pfaffrodaer Schlosse überführen lassen. Sie sei noch im Tode sehr ansehnlich gewesen und habe ein blaues Kleid getragen. Auf diese Frau soll die unheimliche Erscheinung zurückgehen. Seitdem soll sie sich gezeigt haben und wurde von der Herrschaft stets mit tiefer Unruhe erwartet. (205)
3321
Von unterirdischen Gängen
Von manchen Burgen, Schlössern und Klöstern wird erzählt, dass unterirdische Verbindungsgänge von einem Feudalsitz zum anderen führten. Diese hätten in Zeiten der Gefahr zur Flucht gedient, zum Teilen und Aufbewahren von Beute, als Weg für geheime Besuche und zu vielem anderen mehr.
Ein solcher Gang soll vom Rittergut Olbernhau zum Schloß Pfaffroda über sieben Kilometer weit - geführt haben. Von der Burg Rauenstein zur Burg Lauterstein habe es ebenfalls einen solchen Gang gegeben. Zwischen den Burgen und Schlössern Frauenstein, Rechenberg, Purschenstein und Pfaffroda sei sogar ein ganzes Netz von diesen Stollen angelegt worden, mit unterirdischen Kreuzungen und Abzweigen.
(Nach Sagenbüchern von Größe und Köhler, nach Berichten von Paul Roder
Diese Gänge Existieren nur in der Phantasie des Volkes. Offenbar wurde die Einigkeit der Feudalherren in Fragen der Unterdrückung des Volkes damit erklärt. Die mittelalterliche Bergbautechnik ermöglichte noch keinen so weit- reichenden Streckenvortrieb, man hätte Jahrzehnte dazu benötigt - ein selbst für sehr reiche Feudalherren zu kostspieliges Unternehmen. Hingegen können an vielfältigen Burgen und Wehranlagen kurze Fluchtstollen nachgewiesen werden.
Diese Gänge Existieren nur in der Phantasie des Volkes. Offenbar wurde die Einigkeit der Feudalherren in Fragen der Unterdrückung des Volkes damit erklärt. Die mittelalterliche Bergbautechnik ermöglichte noch keinen so weit- reichenden Streckenvortrieb, man hätte Jahrzehnte dazu benötigt - ein selbst für sehr reiche Feudalherren zu kostspieliges Unternehmen. Hingegen können an vielfältigen Burgen und Wehranlagen kurze Fluchtstollen nachgewiesen werden.
Quelle: “Die Blume von Schlettenberg“ unter Mitarbeit von und Günther Arnold, Olbernhau, Jürgen Hänel, Lengefeld, und vielen anderen)
Ullersdorf
3800
Die Ortschaft Ullersdorf
Im Schwarzwassertal, unterhalb von Kühnhaide, lag Vorzeiten die Ortschaft Ullersdorf. Die Bewohner übten das Flößerhandwerk aus. Damit das Schwarzwasser beflößt werden konnte, legten sie einen Stauteich an, den sogenannten Ullersdorfer Teich, von dem man heute noch den bewachsenen Teichdamm sehen kann.
Eines Tages hielt die Pest in Ullersdorf Einzug. Sie wütete so grausam, daß man unterhalb des Ortes einen Pestilenzfriedhof anlegen mußte. Tagtäglich forderte der Schwarze Tod viele Opfer. Schließlich starb Ullersdorf aus, und die Häuser verfielen. Niemand weiß genau zu sagen, wo der Ort gestanden hat. Erhalten geblieben sind nur die Bezeichnungen Ullersdorfer Teich, Ullersdorfer Teichbächel, Pestilenzfriedhof und die Sage, daß Ullersdorf einst ein schöner und großer Ort gewesen sein soll. (90)
Quelle: “Die Blume von Schlettenberg 1983, 1987, 1995
4801
Das Mörbitz-Männel
Um 1700 herum war in der ganzen Gegend die Erzählung von einem geisterhaften Männel, das in der Mörbitz sein Unwesen trieb, im Umlauf. Der Volksmund erging sich in grenzenloser Phantasie und dichtete ihm allerhand Böses an. So kam es, daß selten einmal ein Wanderer allein den schmalen, durch die Mörbitz nach Waldkirchen durchgehauenen Kohlenweg ging.
Einmal war ein beherzter Wanderbursche den Weg gegangen, doch kaum war er ein Stück in den Wald hinein, da sah er am Dickichtrande ein kleines, häßlich verstelltes Manuel sitzen, das sich bei seinem Näherkommen erhob und auf ihn zuging. Den Burschen packte das Grauen, er kehrte um und floh in das Städtchen Schellenberg.
Lange Zeit wagte sich niemand mehr durch die Mörbitz, bis wieder einmal zwei Wanderburschen den Weg gingen, die aber nichts von dem Männel wußten. Kaum waren sie an der sumpfigen Stelle, an der heute die Ziegelei steht, da trat ihnen das Manuel entgegen und begann sogleich, ihnen sein schweres Leid zu klagen. Es sei eine verstoßene Seele, die um Erlösung flehe. Die beiden Burschen hörten zuerst beherzt zu, als aber das Männlein sagte, daß es wegen eines Brudermordes verflucht sei, da packte sie das Grauen, und sie flohen auch vor der entsetzlichen Grimasse des Männchens.
So ging wieder eine lange Zeit hin, und wenn einmal irgend eine Untat in der Nähe geschah, so schob man das dem Mörbitzmännel zu. Eines Tages mußte ein armer Bauer durch den unwirtlichen Wald.
Immer dachte er an das Männel, aber er hatte den Entschluß in sich, nicht davor auszureißen. So sehr er aber vor und hinter sich ausspähte, er bekam das Männel nicht zu sehen.
4802
Erst als er wieder heimwärts durch den Wald ging, kam ihm aus einer Felsspalte die häßliche Gestalt entgegen. Der Bauer fuhr erschrocken zusammen und wollte fliehen, doch er faßte sich ein Herz und ließ das Manuel neben sich gehen.
Dasselbe fing wieder sein Klagen an und bat den Bauer mit weichem Flehen, es zu erlösen, indem er drei Vaterunser beten sollte.
Der Bauer überlegte nicht lange, kniete am Waldrande nieder und betete voller Innigkeit und ungeachtet der neben ihm kauernden Schreckgestalt. Kaum hatte er das letzte Wort des dritten Gebetes über die Lippen, da brach ein gewaltiges Donnern durch den ganzen Wald, und wie sich der Bauer umsah, sah er gerade noch das Männel in den rauschenden Baumkronen entschweben. Im Fortschweben rief ihm das Männel zu: „Bete hier an dieser Stelle, und du wirst immer deinen Lohn haben!"
Lange dauerte es, bis sich der Mann von seinem Schreck erholte, dann besann er sich, was das Männel gesagt hatte. Er betete nochmals, und als er fertig war, sah er vor sich einen großen Stein in pures Silber verwandelt. Mit Freude brachte er den Schatz heim, und manche Sorge konnte er damit fortan von sich bannen.
Als der Schatz aufgezehrt war, ging er wieder an die Stelle in der Mörbitz, betete dort und fand wieder einen Stein in Silber verwandelt. So war sein und seiner Kinder Leben immer ohne Sorgen.
Von dem Mörbitzmännel aber hat niemand wieder etwas gesehen oder gehört. (269)
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1995, nach Heimatklänge 1934, Nr. 122
Röthenbach
5801
Der letzte Knecht von Röthenbach
Der Röthenbach und der Forstflügel Röthenbach, beide im „großen, stillen“ Wald zwischen Lippersdorf und Borstendorf gelegen, erinnern noch heute an ein verschollenes Dorf gleichen Namens.
Es geht die Sage, dass Röthenbach durch Kriege und infolge der Pest ausgestorben sei. Nur ein Knecht war noch übrig. Der ging in das ebenfalls entvölkerte Borstendorf, heiratete die einzige überlebende Magd und sorgte mit seiner Nachkommenschaft dafür, dass Borstendorf erhalten blieb. Röthenbach dagegen verfiel, und nur Eingeweihte sollen noch wissen, wo die Röthenbacher Mühle lag. (13)
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1995, nach Horst Schreiter Borstendorf
Niederlauterstein
6320
Die Schätze der Burg
1. In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein sollen drei Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem anderen Kessel liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein aus Prag gekommen, in schwarzen Kleidern, klein von Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen.
Die Gewölbe schlössen sich, und von ihren Kleinodien sowie von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.
2. Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Türe offenstand. Neugierig stieg sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen konnte. Freudevoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben hatte, gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind.
Jammernd und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine. Sie verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja - ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es jahrelang.
Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken, nach Hause.
Als sie den Berg hinunterging und sich umschaute, war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier eine Grafschaft, gründete ein Kloster und tat von ihren Schätzen den Armen viel Gutes. (173)
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1983, 1987, 1995
6330
Die Burg der Zauberin
Tief im Tale der Pockau stehen die Trümmer der einst stattlichen Burg Niederlauterstein. Von derselben soll in der grauen Vorzeit auf dem felsigen Hügel ein böhmischer Ritter oder eine Edelfrau, welche die Sage zu einer Zauberin macht, eine kleine Burg gehabt haben. (174)
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1987, 1995
6340
Die Schätze der Burg
1. In den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein sollen drei Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem anderen Kessel liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft. Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein aus Prag gekommen, in schwarzen Kleidern, klein von Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen.
Die Gewölbe schlössen sich, und von ihren Kleinodien sowie von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.
2. Einst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Türe offenstand. Neugierig stieg sie hinauf, setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen konnte. Freudevoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben hatte, gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind.
Jammernd und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine. Sie verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja - ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es jahrelang.
Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken preßte sie es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken, nach Hause.
Als sie den Berg hinunterging und sich umschaute, war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier eine Grafschaft, gründete ein Kloster und tat von ihren Schätzen den Armen viel Gutes. (173)
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1983, 1987, 1995
Wolkenstein
7301
Der Wolkensteiner Priestersturz
In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felswand, welche an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren früher ein Kreuz und ein Kelch in Stein gehauen. Diese beiden Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit.
Nämlich im Jahre 1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern würde. Der fromme festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.
Das in den Fels gehauene Zeichen des Kreuzes mit Kelch sucht man heute leider vergebens, da der Felsen im 19. Jh. zur Erweiterung des Zschopaugrabens weggesprengt wurde.
Quelle: Die Wunderblume vom Schlettenberg 1995
Burg Greifenstein
9301
Die Sage der Burg Greifenstein
Auf den Greifensteinen soll sich einst ein Raubschloss befunden haben, über dessen Ursprung man sich folgende Geschichte erzählt:
Im 11. Jahrhundert soll der Ritter Otto von Greifen am Hofe des Herzogs Wratislaw von Böhmen gelebt haben. Er entführte vom Hofe des Herzogs ein Fräulein und zog mit ihr in den damals nur von wilden Tieren bewohnten Freiwald von Thum. Hier soll er die Burg Greifenstein erbaut haben.
Die beiden lebten glücklich und widmeten sich vor allem der Erziehung ihres einzigen Sohnes.
Die beiden lebten glücklich und widmeten sich vor allem der Erziehung ihres einzigen Sohnes.
Eines Tages brachte der Ritter von einem seiner Jagdausflüge ein kleines Mädchen von etwa zwei Jahren mit nach Hause. Die Kleine wurde nun mit dem Rittersohn zusammen erzogen. Beide liebten sich wie Geschwister.
Als sie aber in das Erwachsenenalter getreten waren, wurde aus der geschwisterlichen Liebe eine tiefe Zuneigung, wie sie nur zwischen einer Frau und einem Mann sein kann.
In einer unbewachten Stunde vergaßen sich die Liebenden und nach Verlauf einiger Monate fühlte das Mädchen, dass es Mutter würde. Zwar hoffte sie, es werde ihren Geliebten gelingen, seine Eltern dazu zu bewegen, dass sie ihre Zustimmung zu einer Verheiratung mit der Pflegeschwester gewähren, aber es fand sich keine passende Gelegenheit.
Nun begab es sich, dass ein benachbarter Ritter in Streit mit seinen Feinden geriet. Da er auch mit dem Ritter von Greifen befreundet war, sah es der junge Ritter als eine Ehre an, dem Nachbarn zu helfen. Schweren Herzens verließ er die väterliche Burg und seine Geliebte.
9302
Bald sah man der jungen Frau an, dass sie ein Kind unter ihrem Herzen trug. Der Ritter von Greifen geriet außer sich vor Wut und ließ sie in das tiefe, dunkle Gefängnis der Burg werfen.
Eines Nachts erschien dem Ritter eine Gestalt im Traum und sagte ihm, wer das Kind ist, das unten im Verließ geboren wurde. Reuig eilte er in den Keller hinab, doch er fand nur noch die Leichen von Mutter und ihrem neugeborenen Kind.
Er ließ beiden ein prächtiges Begräbnis ausrichten.
Am nächsten Tag kehrte der Sohn als Sieger von seiner ersten Waffentat zurück. Voller Freude eilte er der Burg seines Vaters entgegen. Er hatte einen Raubritter gefangen, der ihm erzählte, dass seine Geliebte, die er damals als Kind im Freiwald aussetzte, das Töchterchen der entführten Gemahlin des Ritters von Scharfenstein sei. Er hoffte nun nichts sehnlicher, als das die Eltern die Einwilligung zu einer Verbindung mit dem Mädchen geben würden.
Böses ahnend sah er die Trauerfahne vom Schlossturm wehen. Er sprengte in den Schlosshof, wo ihm der Leichenzug entgegen kam. Einen furchtbaren Fluch gegen seine hartherzigen Eltern ausstoßend, sank er in eine tiefe Ohnmacht, aus der er nur wieder aufwachte, um für immer in geistiger Nacht zu leben. Seine Eltern überlebten diese furchtbare Katastrophe nicht lang. Der Sohn wurde auf Lebenszeit in einem Kloster untergebracht.
Herzog Wratislaw übergab die Burg Greifenstein als erledigtes Lehen einem anderen böhmischen Ritter, der sie aber auch nicht lange behielt: Da er mit seinen Nachbarn in ständiger Fehde lebte, vereinigten sich seine Feinde gegen ihn und berannten, eroberten und zerstörten die Burg Greifenstein.
9311
... Sagen der Gegend
Über ein etwa mannshohes Loch, welches man am Fuße eines Felsens erkennen kann wird berichtet, dass einst eine Magd da hinuntergestiegen sei, um einer anderen Magd zu Hilfe zu eilen. Die beiden hatten sich ausgemacht, dass die eine Magd der anderen hilft, sobald diese nach ihr ruft. Als sie schließlich gerufen wurde und hinunterging, soll sie einen großen Goldschatz erblickt haben, der von einer Art Höllenhund bewacht wurde. Sie füllte sodann schnell ihre Schürze mit Gold, doch als sie die Höhle verlassen wollte, verengte sich der Eingang und der Hund fiel über die Magd her. Deshalb blieb ihr keine andere Möglichkeit, als das Gold zurückzulassen. Zwar konnte sie noch aus der Höhle fliehen, doch starb sie wenige Tage später an ihren Ängsten.
Ein anderes mal soll einem bettelarmen Hauer in einer Silvesternacht der Berggeist dort erschienen sein. Er berichtete dem Hauer, seine Frau habe soeben drei Söhne zur Welt gebracht, und er würde so gern die Patenschaft übernehmen. Als der Berggeist zur Taufe erschien, war er in Hauerkleidung gehüllt und beschenkte den Vater mit einem Eisen und einem Schlegel. Die Werkzeuge gewährten ihrem Besitzer fortan immer einen reichen Lohn und machten aus dem bettelarmen Hauer einen wohlhabenden Mann.
9321
Die Geyerschen Stadtpfeifer erblasen sich einen Schatz vom Greifenstein
Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer Ratssaal bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem der Reigen beendet war, den Heimweg an. Als sie in die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob diese in einem besonderen Licht erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag, zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt, so getan!
Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine des Mondes große, wie Zinn glänzende Stufen am Wege liegen, Sie meinten, der letzte heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und Kinder der Stadtpfeifer am anderen Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte die Frauen reichlich.
Quelle: Deutsche Heimatsagen, Band I von Dr. Harry Trommer, Kinderbuchverlag Berlin 1954, nach Dr. Alfred Meiche, Sagenbuch des Königreichs Sachsen Leipzig 1903
Älteste Burg im Erzgebirge gefunden!
Älteste Burg im Erzgebirge gefunden!
Deistergeist Interessant, DANKE für den... 22.07.2004, 22:51
Tarzan Hallo ! Gibt noch reichlich... 23.07.2004, 02:41
Mario Na aber hallo ! Wusste... 25.07.2004, 02:37
jlandgr Naja, die Entdeckung bzw.... 25.07.2004, 12:04
22.07.2004, 22:23
#1
Mario
Ratsherr
Registrierdatum: Dec 2002
Ort: Marienberg / Erzgebirge
Beiträge: 261
Älteste Burg im Erzgebirge gefunden!
Die verschollene Festung im Dunkelwald
Die erste Spur war eine krakelige Randnotiz auf einer mittelalterlichen Urkunde, 62 lateinische Worte. Die Mönche des Klosters Hersfeld beschrieben die Grenzen eines Landstrichs, den sie im heutigen Erzgebirge beanspruchten. Vom Fluss Striegis war die Rede, von der Mulde, der Zschopau, der Pockau - und von einer Burg. Einer Burg, die keiner kannte. Neidberg. Ein archäologisches Rätsel von Bedeutung, denn das Pergament war alt, geschrieben Mitte des 12. Jahrhunderts. D.h.: Die Burg musste noch älter sein. "Eine der ersten Befestigungen, die im Erzgebirge gebaut wurden", sagt Archäologe Volkmar Geupel. Das Erzgebirge war damals von Urwald bedeckt und wurde Miriquidi genannt, Dunkelwald. Freiwillig mochte keiner hier leben. Kaiser Barbarossa wollte das Gebiet trotzdem besiedeln. Die Erbauer der Burg Neidberg gehörten zu den ersten, die seinem Ruf folgten. Aber wo lag die Festung? An der Pockau aufwärts, schrieben die Mönche.
Das Rätsel der Scheune
Die zweite Spur waren ein paar mittelalterliche Scherben. Sie wurden um 1920 beim Roden gefunden, in einem Waldstück nahe Zöblitz im Landkreis Marienberg. Dort gibt es einen Fels, der seiner Form wegen Löwenkopffelsen genannt wird, und die Grundmauern einer alten Scheune. Seltsame Grundmauern: Sie sind zwei Meter dick. Keine Scheune braucht so starke Mauern. "Als wir so weit waren, benötigten wir nur noch eine halbe Std. Arbeit, um das Rätsel zu lösen", erinnert sich Volkmar Geupel, der im archäologischen Landesamt für die Ausgrabungen im Regierungsbezirk Chemnitz zuständig ist. Mit einem Bagger zogen die Altertumsforscher einen Graben über die Wiese am Löwenkopffelsen. Der Boden gab Scherben, Pfeilspitzen und Teile einer Mauer frei. Außerdem wurden 2 zugeschüttete Burggräben entdeckt. Das seltsame Scheunenfundament entpuppte sich als Überrest eines Turms. Geupel ist überzeugt: "Wir haben Neidberg geunden." Es war keine beeindruckende Burg. Ein hölzerner Wehrturm, der von seinem Felssporn aus ins Land blickte, eine Mauer, zwei Gräben, mehr gab es nicht. Später kam ein zweiter Turm hinzu (das Scheunenfundament), und nach 30 oder 40 Jahren war alles vorbei. Neidberg verlor seine Bedeutung an die Burg Niederlauterstein, deren Ruinen heute noch besichtigt werden können. Von Neidberg blieben nur Bruchstücke im Erdreich. Aber der Fund half den Archäologen, ein zweites Rätsel zu lösen. Es ging um Kuhlen im Wald. Sie liegen gegenüber dem Löwenkopffelsen an der Pockau und wurden lange Zeit für Pingen gehalten - Löcher die zurückbleiben, wenn oberirdisch Erz geschürft wurde oder alte Stollen einbrechen. Der Hagen: Bei Untersuchungen durch die Bergakademie Freiberg stellte sich heraus, dass es hier nie Erz gegeben hatte.
Eine Stadt im Wald
Dann kam der Zufall zu Hilfe. Forstarbeiter schleiften gefällte Bäume aus dem Wald, die Stämme rissen den Boden auf. In der Furche lag uralte Keramik. Zusammen mit der Burg ergaben die Scherben einen Sinn: Im Wald befand sich eine Siedlung, ein sogenannter Burgflecken, der Anfang einer Stadt. Kein Dorf, wie Archäologe Geupel betont: "In einem Dorf leben Bauern. Bauern legen Felder an. Hier gab es keine Felder." Dafür war kein Platz. An drei Seiten war die Siedlung von Wasser eingeschlossen, außerdem gab es einen Graben. In der Mitte der Anlage stand ein Backofen, spuren von Metallverarbeitung wurden entdeckt. "Hier lebten Handwerker", sagt Geupel. Und die Kuhlen? "Das waren mal Grubenhäuser." Statt in die höhe zu bauen, haben sich die Siedler in die Erde gegraben. Der beste Schutz gegen die Kälte im Erzgebirge, wo es schon damals selten Sommer wurde. Eher aus der Siedlung eine Stadt werden konnte, wurde sie aufgegeben. Die Bewohner packten zusammen, hängten die Türen aus und siedelten sich am Rand des Dorfes Zöblitz an. Warum, weiß keiner. Aber ihr Abzug war friedlich. Die Archäologen fanden weder vergrabene Wertsachen, noch Waffen, keinen Brandschutt. "Die Leute ließen bloß ihren Müll zurück", meint Geupel. Der Siedlungsplan im Dunkelwald war gescheitert. Aber nur an dieser Stelle, am Löwenkopffelsen.
MfG MF
Quelle: Freie Presse, Donnerstag 22. Juli 2004 von Mario Ulbrich
__________________
Man hat´s nich leicht, aber leicht hat´s einem !
Man hat´s nich leicht, aber leicht hat´s einem !
Zuletzt bearbeitet von Mario am 22.07.2004 um 22:31.
Begriffen von A bis Z
Begriffen von A bis Z
Ablaß:
einem Gläubigen wird nach Reue und Sündenbeichte nach Zahlung eines bestimmten Geldbetrages ein Teil seiner auf Erden sowie vor allem im Fegefeuer abzuleistenden Sündenbußen erlassen. Die Ablässe waren für den Papst, die Kirche und später auch die weltlichen Herrscher, die sich in das Ablaßgeschäft eingeschaltet hatten, eine sehr ergiebige Geldquelle.
Bannrecht:
zuerst das Recht der Obrigkeit, insbesondere des Königs zu gebieten und zu verbieten, dann die Strafe, die bei Verletzungen des Bannrechtes eintritt.
Bauer:
"Unter einem Bauern ist ein Landwirt zu verstehen, der in eigener Person mit Hilfe von Familienangehörigen und Gesinde einen Bauernhof bewirtschaftet und dabei nicht nur die Wirtschaftsführung leitet, sondern auch selbst bäuerliche Arbeiten verrichtet." (in: Hans K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter, Bd. 2, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1986, S. 72)
Bruderschaft:
Verband mit überwiegend religiös-karitativen Zielen, personelle Zusammensetzung berufsunspezifisch und ständeübergreifend.
Eigenkirche:
eine auf privatem Grund und Boden stehende, im Eigentum des Grundherrn befindliche Kirche, deren Geistlichen er einsetzte und deren Nutzungen ihm zufielen. Außerdem war er der Vogt der Eigenkirche.
Exkommunikation:
Ausstoßung aus der Gemeinschaft der Christen; im Spätmittelalter bedeutete sie schließlich nur noch den Ausschluß aus der Kirche auf Erden, das endgültige Urteil über einen Menschen konnte nur noch Gott am Jüngsten Tag fällen.
Fehde:
in ihr wird in legitimer und geregelter Weise Gewalttätigkeit ausgeübt, um einen Rechtsstreit zu entscheiden. Nach dem germanischen Recht stellt sie das zwischen Verbrecher und Verletzten bestehende Verhältnis der Feindschaft dar, das die Grundlage erlaubter Rachehandlungen bildete.
Fohlen:
Folterinstrument zur Streckung der Glieder, das die Form eines Pferdes aufweist. Vom ihm leitet sich das deutsche Wort "Folter" ab.
Freie Erbleihe:
bei dieser Leiheform, bei der man nur geringen oder keinen Zins leisten mußte, konnte man relativ frei über den geliehenen Boden verfügen und ihn auch an seine Söhne weitervererben.
Fuder:
früher benutztes Hohlmaß, das nicht mehr bestimmbar ist.
Gemarkung:
siehe Mark
Geschlecht:
umfaßt alle Personen, die sich in direkter männlicher Linie auf einen gemeinsamen Stammvater zurückführen lassen.
Gilde:
eine Vereinigung, deren Mitglieder in der Mehrzahl dem Kaufmannsstande angehörte.
Graf:
ein Beamter, der wahrscheinlich aus der königlichen Hausherrschaft und Dienstmannschaft hervorgegangen ist und der im Auftrage des Königs bei den Thingversammlungen für die Durchsetzung des dort besprochenen Rechts zu sorgen hatte.
Großfamilie:
eine mehrere Generationen umfassende Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft unter einem patriarchalischen Familienoberhaupt. Die erwachsenen Söhne bleiben auch nach ihrer Verheiratung im Hause der Eltern.
Grundherrschaft:
Verfügungsgewalt über Grund und Boden und Herrschaftsrecht über Bauern, die auf diesem Grund und Boden sitzen und diesen Boden bebauen.
Grundhold:
andere Bezeichnung für den hörigen Bauern
Haushaltsfamilie:
eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft, die sich nicht nur aus Eltern, Kindern und Blutsverwandten zusammensetzt, sondern zu der auch die Knechte, Mägde, Gesellen, Lehrlinge und Dienstboten im Haus gehören. Sie alle unterstehen der Gewalt des Hausherrn.
Herzog:
in altgermanischer Zeit ein für den Kriegsfall gewählter Anführer einer Völkerschaft, später der militärische Anführer seines Herzogtums
Hofrecht:
Sonderrecht einer Grundherrschaft
Hufe:
seit dem 8. Jh. wird die bäuerliche Wirtschaftseinheit aus Haus, Hof, Acker- und Wiesenland und Allmendnutzungsrechten Hufe bezeichnet. Dienste und Abgaben lasteten auf ihr und nicht auf der Person des Bauern. Bereits gegen Ende des 8. Jhs. wurde die Hufe auch zur Maßeinheit, jedoch von unterschiedlicher Größe. In der Regel scheint man mit 30 Morgen pro Hufe gerechnet zu haben.
Immunität:
die Insassen einer Immunität waren der Macht der Grafen, besonders deren Steueransprüchen, entzogen
Jacquerie:
die Revolte nordfranzösischer Bauern im Jahre 1357, genannt nach dem Spitznamen für die Bauern: Jacques Bonhomme
Kanoniker:
in Gemeinschaft lebender Kleriker
Kapitel:
Versammlungs- und Beratungsraum der geistlichen Würdenträger und Mönche
Klausur:
abgegrenzter Klosterraum
Kleinfamilie:
eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft von Eltern und Kindern
Kleriker:
Angehöriger des katholischen Priesterstandes
König:
von "kuning", was wahrscheinlich soviel wie "Mann aus edlem Geschlecht" bedeutet
Königsbann:
Banngewalt des Königs
Konzil:
Versammlung der höheren katholischen Geistlichen; höchste Instanz in Fragen, die die Lehre oder Verfassung der katholischen Kirche betreffen. Bis ins 12. Jh. hinein wurden die Konzilien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation noch vom König einberufen, geleitet und durchgeführt. Behandelt wurden zu dieser Zeit geistliche und staatliche Angelegenheiten. Im Hochmittelalter verlangte der Papst das alleinige Recht der Einberufung und den Ausschluß von weltlichen Würdenträgern.
Kurie:
seit dem 11. Jh. Bezeichnung für das päpstliche Kabinett und den päpstlichen Hofstaat mit besonderen Gerichtshöfen
Lassen:
anderes Wort für Aderlaß
Lehen:
aus der germanischen Gefolgschaft entstandenes Leiheverhältnis höherer Ordnung. Der Lehenempfänger mußte dem Lehnsherrn, der ihm Grund und Boden oder Rechte auf Lebenszeit zugestand, persönliche, jedoch nicht bäuerliche Dienste leisten.
Leihezwang:
rechtliche Verpflichtung des deutschen Königs, Fürstenlehen, die durch den Tod des Lehnsmannes oder auf andere Art und Weise in seine Hand zurückgefallen waren, binnen Jahr und Tag wieder auszugeben. Diese Pflicht bestand eigentlich für jeden Lehnsherrn!
Mark:
umfaßt den gesamten Wirtschafts- und Rechtsbereich einer Siedlung, mit Haus und Hof und Zugehör, mit Ackerland, Wiesen und Weiden, Plätzen, Wegen und Brücken, mit Wald und Heide, Ödland und Gewässer bis hin an die Gemarkungsgrenzen
Marktfrieden:
Vergehen innerhalb des Marktes unterliegen einer besonders hohen Bußpflicht
Meier:
hat als Vertreter des Grundherrn die Bauern und Unfreien auf dem Salland zu beaufsichtigen, Abgaben einzuziehen und den Vorsitz im grundherrlichen Hofgericht einzunehmen.
Orden:
Mitglieder, die feierliche Gelübde ablegen und in Klöstern leben.
Pfründe:
Kirchengut oder -recht, dessen Ertrag oder finanzieller Gewinn dem Pfründeninhaber zugute kommt.
Prälat:
katholischer Würdenträger wie Priester, Bischof, Erzbischof und Kardinal
Purgieren:
anderes Wort für Aderlaß
Quatemberfasten:
kirchlich vorgeschriebenes Fasten, durch das man den Anfang jeder Jahreszeit heiligen wollte. Das Frühlingsquatemberfasten liegt in der ersten Fastenwoche nach Aschermittwoch, das Sommerquatemberfasten in der ersten Pfingstwoche, das Herbstquatemberfasten in der dritten Septemberwoche und das Winterquatemberfasten in der dritten Dezemberwoche. In diesen Wochen mußte man sich am Mittwoch, Freitag und Samstag fastengemäß ernähren.
Regalien:
nutzbare Hoheitsrechte z.B. die Erhebung von Zöllen, das Prägen von Geldmünzen, das Abhalten von Märkten usw. Wenn der König Regalien verlieh, erhielt er dafür von dem, dem diese Rechte zugestanden wurde, einen Zins.
Regalienrecht:
das dem Kirchenherrn, besonders dem König zustehende Recht, während einer Sedisvakanz (Nichtbesetzung eines hohen geistlichen Amtes) die Einkünfte des verstorbenen Bischofs oder Erzbischofs einzuziehen und freie niedere geistliche Lehen zu vergeben.
Reichsacht:
Ausschluß aus der Rechts- und Friedensgemeinschaft, nach Jahr und Tag folgte der Bann.
Sachsenspiegel:
von Eike von Repgow um 1235 erstellte Aufzeichnung des in Nordostdeutschland geltenden Rechtes
Scheffel:
alte Maßeinheit, die heute nicht mehr bestimmbar ist
Schwertleite:
Aufnahme in den Ritterstand. Schlag mit flachem Schwert auf den Nacken der knienden Edelknappen
Simonie:
käuflicher Erwerb geistlicher Weihen, Ämter und damit verbundener Pfründe
Sippe:
Verwandtenkreis, der über die Familie im engeren Sinne hinausreicht und in dem die gleichberechtigten Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet waren. Man unterschied die feste und offene Sippe. Die feste Sippe umfaßte alle Personen, die in männlicher Linie miteinander verwandt waren, die offene Sippe zudem auch die Verwandten der weiblichen Linie.
Spolienrecht:
der Kaiser und deutsche König durfte als Lehnsherr der Kirchenfürsten bei deren Ableben oder Versetzung, bevor deren Nachfolger erschien, die Einkünfte des Bistums oder Erzbistums für sich beanspruchen (Regalienrecht). Das Spolienrecht betraf speziell den beweglichen Nachlaß verstorbener Bischöfe, Äbte und Erzbischöfe. Der Herrscher war berechtigt in deren Todesfall alles bare Geld, die Hausgeräte, das Vieh, die Wagen, das Getreide usw. für den Fiskus einziehen zu lassen
Stift:
im Kirchenrecht eine ursprünglich zu religiösen Zwecken bestehende autonome Anstalt mit einer Stiftsverfassung
Thing:
öffentliche Gerichtsversammlung
Vogt:
ursprünglich ein Laie, der einen Geistlichen, eine Kirche oder ein Kloster in weltlichen Angelegenheiten nach außen vertrat, vor allem vor Gericht, aber auch das Kirchengut verwaltete
Walken:
das Einlaufenlassen von Stoffen. Tücher werden in Walktrögen mit Erde und Wasser gestampft. Dabei verfilzt der Stoff und wird wasserundurchlässig. Anschließend werden die Tücher aufgespannt und geschoren, in dem die Knubbeln abgeschnitten werden.
Weistum:
Auskunft über das praktizierte Recht
Wittum:
da die Ehefrauen im Früh- und z.T. noch im Hochmittelalter nicht die Erbinnen ihrer Gatten waren, mußten sie im Falle eines frühen Todes ihrer Männer eine eigene materielle Absicherung erhalten. Das Wittum bestand aus Liegenschaften (Burgen, Städten, Dörfern, Herrschaftsrechten), Vieh oder Geld.
Zehnte:
der zehnte Teil der Erzeugnisse aus der Arbeit eines Mannes, begründet in den mosaischen Gesetzen; gegen Ende des 8. Jhs. Pflichtabgabe im Frankenreich
Zunft:
genossenschaftlicher Verband im Bereich des Handwerks und des Gewerbes einer Stadt. In einer Zunft konnten die Angehörigen eines oder mehrerer Berufszweige zusammengeschlossen werden
Wüstungen im Mittleren Erzgebirgskreis
Wüstungen im Mittleren Erzgebirgskreis
Zu den zahlreich erhaltenen hoch- und spätmittelalterlichen Bodendenkmalen im Kreisgebiet gehören neben Altstraßen, frühen handwerklichen Produktionsstätten, historischen Dorf- und Stadtkernen sowie überbauten Wehranlagen auch die Wüstungen. Als solche werden aufgelassene (aufgegebene) Orte, Ortsteile, Einzelhöfe und andere Gebäude, wie Mühlen oder Kapellen, bezeichnet. Der Mittlere Erzgebirgskreis verfügt über eine jahrzehntelange Tradition der lokalen und regionalen Heimatgeschichtsforschung und -schreibung und auch über die publizierten Ergebnisse der ab 1974 vom damaligen Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden (heute Landesamt für Archäologie) durchgeführten archäologischen Untersuchungen bedeutender Anlagen. Aus dieser mit zahlreichen Geländebegehungen verbundenen Arbeit resultierten viele Anregungen für die Wüstungsforschung. Weil sich dabei die Interessen von archäologischer Denkmalpflege und Heimatforschung begegnen, gleichen sich im Wesentlichen auch die Forschungsmethoden, bis auf eine Ausnahme - die nur dem Archäologen vorbehaltene Möglichkeit der Ausgrabung.
Gibt es nun aufgrund mündlich oder schriftlich überlieferter Zeugnisse für einen bestimmten Flurabschnitt Hinweise auf eine vermutete Wüstung, empfiehlt sich zunächst die Durchsicht des im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden vorliegenden Flurnamenverzeichnisses der jeweiligen Gemarkung. Ebenso unverzichtbar ist die Auswertung kartografischer Unterlagen. Sie beginnen meist gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit dem „Ur-Oeder" und setzen sich u.a. über die Sächsischen Meilenblätter (1780 -1806) und den um 1840 entstandenen ersten Flurkarten bis zu den bekannten Messtischblättern fort. Gerade diese und die Flurkarten lassen Unregelmäßigkeiten im Verlauf der Gemarkungsgrenzen wie Flurverzahnungen und -ausstülpungen erkennen, die eventuell auf abgelaufene Wüstungsvorgänge hinweisen. Neben der Kartografie trägt auch die der Erfassung von Quellenbelegen dienende Akteneinsicht (vorrangig im Hauptstaatsarchiv) zu gesicherten Erkenntnissen bei. Eine große Hilfe bietet hier das vom früheren Direktor dieses Archivs, H. Beschorner, handschriftlich verfasste und nach Amtshauptmannschaften geordnete Wüstungsverzeichnis von Sachsen. Neben einer kurzen Beschreibung werden auch entsprechende Verweise auf schriftliche Quellen gegeben, die sich dadurch der Einsicht schneller zugängig machen. Am wichtigsten ist und bleibt jedoch das häufige Begehen einer verdächtigen Wüstungsflur selbst. Die günstigsten Erkundungsmöglichkeiten bestehen naturgemäß im unbebauten Gelände, auf Äckern, Wiesen und im Wald, der die Relikte einer abgegangenen Siedlung über Jahrhunderte konservieren kann. Für Flurbegehungen ist vor allem das Frühjahr geeignet, weil zu dieser Zeit wüstungstypische Merkmale wie Hausgrundrisse, Teichdämme oder durch Hohlen markierte alte Wegeführungen am besten erkennbar sind. Besonderes Augenmerk gilt dabei eventuell auftretenden Oberflächenfunden wie Keramikscherben, die bei entsprechender Häufigkeit einen zeitlichen Ansatz erlauben. Das Spektrum der Bodenaufschlüsse, die derartige Funde enthalten können, reicht vom gepflügten Acker bis zum Wurzelteller eines umgestürzten Baumes, vom Maulwurfshaufen bis zu sich über den Waldboden hinziehenden Spur eines Forstfahrzeuges und ist damit noch keineswegs vollständig.
Die Frage nach den Entstehungsursachen von Wüstungen beschäftigt die Forschung seit langem und bedarf tiefgreifender komplexer Untersuchungen, um überhaupt verwertbare Anhaltspunkte zu gewinnen. Daher können entsprechende Möglichkeiten nur angedeutet werden.
Einerseits sind naturgegebene Faktoren wie ungünstige klimatische Verhältnisse oder schlechte Bodenbeschaffenheit, die Missernten zur Folge hatten, durchaus denkbar. Doch auch die Auswirkung von Epidemien wie der Pest, die zwangsläufig einen Bevölkerungsrückgang mit sich brachten (in Sachsen liegt die Hauptwüstungsperiode nach 1350), waren „wüstungsfördernd". Nicht zu unterschätzen sind andererseits die Konsequenzen territorialpolitischer Vorgänge im hohen und späten Mittelalter, die oft genug kriegerische Ereignisse einschlössen. Im Gegensatz dazu ist das Wüstfallen eines Ortes als Folge des Dreißigjährigen Krieges - auch wenn es die Sage anders behauptet - nicht belegt, sieht man einmal von der Zerstörung der Burg Lauterstein oder des Vorwerkes Geiselroda (nordöstlich von Niederlauterstein) ab. Im Mittleren Erzgebirgskreis sind die bisher bekannten Wüstungen relativ ungleichmäßig verteilt, wobei sich - auch forschungsbedingt - die größte Dichte im Bereich zwischen Großrückerswalde, Zöblitz und Rübenau abzeichnet.
Am bekanntesten ist dabei sicher der wüstliegende Burg – Siedlungs - Komplex an der Schwarzen Pockau, der aus der Wehranlage auf dem steil aufragenden Löwenkopffelsen bei Zöblitz und der gegenüber am flachen Talhang anzutreffenden Siedlung im Areal des Schwedengrabens besteht.
Die Existenz dieser um 1150 im Zusammenhang mit dem alten böhmischen Steig Rochlitz - Rübenau urkundlich als „Nidberg" bezeichneten Wehranlage wurde archäologisch für den Zeitraum von der 2. Hälfte des 12. bis zum 13./14. Jahrhundert bestätigt. Damit steht ihre Errichtung am Beginn der Besiedlung des erzgebirgischen Kammgebietes.
Auch für die aufgelassene Siedlung im Gelände des Schwedengrabens ist diese Datierung zutreffend. Doch steht die topografische Art ihrer Anlage mit dem umlaufenden, fast vollständig erhaltenen Graben im Gegensatz zur Flurform einer bäuerlich orientierten Gründung. Vielmehr sprechen die ergrabenen Befunde wie eingetiefte Häuser oder der Nachweis von Metallverhüttung und -verarbeitung für eine „frühstädtische" Anlage. Ihre Aufgabe bestand möglicherweise in der Nahmarktfunktion für die auf dem Steig ankommenden Siedler, die hier sicher auch Aufnahme fanden. Da dieser vorkoloniale Verkehrsweg als „Leitlinie" der Besiedlung gelten kann, muss der Wehranlage auf dem Löwenkopf die Überwachung von Straße und Siedlung zugeordnet werden. Nach 1300, die Besiedlung war längst abgeschlossen, entwickelte sich die Burg Lauterstein zum Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft. Gleichzeitig verlor der „Nidberg" seine Funktion. Die Siedlung im Tal wurde aufgegeben und an die Nordseite des Waldhufendorfes Zöblitz verlegt, das nunmehr die Nahmarktversorgung für das Umland einnahm.
Diese Aufwertung drückt eine Urkunde von 1323 aus, die das „stetechen" Zöblitz in Verbindung mit einer Zollstelle nennt, ebenfalls wird hier „... daz dort SIetyn mit allen andern wüsten dorfstethen ..." aufgeführt. Diese Formulierung zeigt, dass damals bereits dörfliche Wüstungen bestanden. Da sie 1323 jedoch nicht namentlich erscheinen, lassen sie sich kaum mit den heute vorhandenen Siedlungsrelikten verbinden.
Zu diesen gehört auch die Wüstung Ullersdorf, dessen einstige Ortslage sich im Kriegwald am Mittellauf des Teichbächels, einem rechtsseitigen Zufluss der Schwarzen Pockau, befand. Ließ bereits die Bezeichnung „Ullersdorfer Bach", kartografisch vom Ende des 16. Jahrhunderts überliefert, den Verdacht auf eine Wüstung im Einzugsbereich des böhmischen Steiges aufkommen, brachten erst mehrere Begehungen Gewissheit. Neben der Feststellung wüstungstypischer Geländemerkmale konnten auch Scherben geborgen werden, die das Bestehen von Ullersdorf zwischen ca. 1200 und dem 14. Jahrhundert belegen. Die Datierung legt eine Verbindung zur unweit entfernten, als lokaler Stützpunkt im Siedelgeschehen interpretierten Burg Liebenstein nahe und zeigt, dass die Kolonisation um 1200 den Gebirgskamm bereits erreicht hatte. Doch könnten gerade in den klimatischen Verhältnissen der Höhenlage von mehr als 700 m über NN die Ursachen für die Auflassung des Ortes, der selbst urkundlich nicht belegt ist, zu suchen sein. Schon länger bekannt ist Wüstenschletta, das sich im Westen der heutigen Marienberger Stadtflur linksseitig der Straße nach Großrückerswalde am Schlettenbach erstreckte. Mit der Bezeugung von „SIetyn" 1323 dürfte es auch bei einzigen unmittelbaren Erwähnung als bestehendes (Bauern-)dorf geblieben sein, denn 1384 ist es wüst. Dieser Zustand wird 1481 nochmals bestätigt, doch bereits 1501 sind im Türkensteuerregister wieder 14 „besessene Mann" angeführt. Mit dem Auftreten der ersten Silbererzfunde wird 1519 in Wüstenschletta ein Bergmeister eingesetzt, ebenfalls können sich ansiedlungsbereite Bergleute niederlassen.
Schletta besaß ebenso eine für die Besiedlungszeit typische Waldhufenflur wie das südöstlich gelegene Dörfchen Hilmersbach, das zwischen den Rätzteichen und Rätzens Brettmühle lag. Der Name der einstigen Siedlung ist nur aus der gleichnamigen Bachbezeichnung zu erschließen, denn auch hier liegen unmittelbare schriftliche Belege - wie bei Ullersdorf - nicht vor. Nur die Karte von Oeder-Zimmermann und die ihr vorausgehende Konzeptkarte von 1616 stellen den Wüstungsbereich als „Hilmersdorffer Brand" dar, was eine Verwechslung von Hilmersbach mit Hilmersdorf nordwestlich von Marienberg deutlich macht. Bei Begehungen konnten u.a. Hohlwege festgestellt, aber auch ein Scherbenkomplex gesichert werden, mit dessen Datierung die Existenz von Hilmersbach vom Ende des 12. bis in das 13./14. Jahrhundert bestimmt wird.
Bei Zschopau, südlich der Verbindungsstraße von Hohndorf nach Börnichen, ist im Grenz- oder Haubachtal die ehemalige Ortslage von Berthelsdorf zu suchen. Die erste (und einzige) direkte Erwähnung des Ortes datiert von 1369. Das damals zur Herrschaft Rauenstein gehörende „Bertoldesdorph" bestand 1452 nachweislich nicht mehr, doch lassen die wenigen, bisher aufgefundenen Scherben keine sichere Datierung zu. Im umfangreichen Flurnamenbestand verdient der Name „(Am) Kirchhof" besondere Beachtung, wobei der Nachweis und die Lokalisierung eines möglichen, sich darauf beziehenden Sakralbaues unsicher und umstritten ist.
Die bereits mehrfach genannten wüstungsrelevanten Relikte sind auch hier vorhanden und werden durch einen alten Steinbruch, dessen Verbindung zur Wüstung zumindest topografisch offensichtlich ist, ergänzt.
Das Flurbild lässt eine Waldhufenflur erkennen, deren nördlicher Teil in die Krumhermersdorfer Gemarkung einbezogen und von hier aus mit bewirtschaftet sein muss. Der Zeitpunkt und die Hintergründe dieses Vorganges sind noch nicht bekannt.
Der südliche Teil der Berthelsdorfer Flur verfiel der Wiederbewaldung. Neben verstreuten Aktenhinweisen auf die Wüstung selbst kommt es von der Mitte des 16. bis in das 18. Jahrhundert in den schriftlichen Quellen zur Häufung der Forstbezeichnung „Berthelsdorfer (Wald)". Das massive Auftreten des Namens zeigt deutlich die Einbeziehung der wiederbewaldeten Wüstungsflur in die sächsische Forstwirtschaft.
Zusammen mit Berthelsdorf erfährt auch „Rotenbach" im Copialeintrag von 1369 Erwähnung. Die im Kreisgebiet am nördlichsten gelegene Wüstung im Forst zwischen Borstendorf und Lippersdorf, der sich nicht umsonst bis heute „Röthenbacher Wald" nennt, ist am namensgleichen Bachlauf, der bei Wünschendorf in die Flöha mündet, zu finden.
Nähere Forschungen stehen bisher aus. Jedoch sind im überlieferten kartografischen Material, in handschriftlichen und gedruckten Unterlagen viele Ansatzpunkte enthalten, um die Wüstungsforschung zu Röthenbach und darüber hinaus im Mittleren Erzgebirgskreis erfolgreich fortzusetzen.
H.Bauer
Fragen von Athur Beier beantwortet
Sehr geehrter Herr Beier,
gern will ich Ihre Anfrage beantworten und gehe dabei am besten in der Reihenfolge Ihrer Auflistung vor:
Pfaffroda: Das Schloss steht auf mittelalterlichem Burgengrund und gehörte im Mittelalter zur Herrschaft Sayda-Purschenstein, einer Kolonisationsherrschaft des böhmischen Adelsgeschlechtes der Hrabischitze, die sich nach der Mitte des 13. Jh. nach ihrer zwischen 1246 und 1250 nördlich von Ossegg errichteten Riesenburg nannten. Die Entstehung der Rodungsherrschaft Sayda-Purschenstein kann mit dem Wirken der ab 1180 in Urkunden auftretenden Brüder Grabissa II. (l180-1207), Slauko I. (1188-1226) und Borso I. (l188-1209) verbunden werden. Archäologischen Funde in Purschenstein -der Name heißt „Stein (= Burg) des Borso" und weist auf Borso I. hin - und Sayda sowie die urkundliche Ersterwähnung des Zolles in Sayda 1207 lassen darauf schliessen, dass Burgenbau und Kolonisation im Prozess der Herrschaftsbildung der Hrabischitze in den ersten Jahrzehnten des 13. Jh. abgeschlossen waren. Die Folgezeit ist durch zunehmende Einflussnahme der Markgrafen von Meißen im Gebiet der Hrabischitze-Herrschaften Rechenberg und Sayda-Purschenstein gekennzeichnet; 1398 erwarben die Wettiner die beiden Herrschaften endgültig. Pfaffroda bildete wie Sayda eine weitere Burg neben dem Herrschaftsmittelpunkt Purschenstein. Der Name weist auf die kolonisatorische Tätigkeit der Ossegger Mönche. Das Kloster Ossegg war 1193 von Slavko I. (= Slauko) als Hauskloster der Hrabischitze gegründet worden. - Der letzte Besitzer des Schlosses war Alfons Diener v. Schönberg, der auch als rühriger Geschichtsforscher hervorgetreten ist. In seiner „Geschichte des Saydaer Berglandes" finden Sie weitere Einzelheiten zum Schicksal des Schlosses.
Forchheim: Das Herrenhaus des ehem. Rittergutes steht wohl auf dem Grund einer einstigen Wasserburg, sichere Hinweise darauf gibt es aber nicht. 1299 ist der Herrensitz in Verbindung mit den Herren von Erdmannsdorf urkundlich erwähnt. Die von Erdmannsdorf waren pleißenländische Reichsministeriale, die sich aktiv am Landesausbau im Erzgebirge beteiligten. So ist der in der Hersfelder Grenzbeschreibung als Erbauer des Neidberges (= Nidberges) bei Zöblitz genannte Werner Angehöriger des Geschlechts. Ihre Stammburg im erzgebirgischen Ausbaugebiet war Erdmannsdorf bei Augustusburg. Nach dem die Erdmannsdorfer im frühen 13. Jh. eine Rückwendung in das sächsische Niederland vollzogen und hier vor allem für den Markgrafen von Meißen als Urkundenzeugen auftreten, erscheinen sie nach der Wiederherstellung des Reichslandes Pleißen 1290 durch Rudolf von Habsburg wieder im Erzgebirge. Sie vertreten führend die Burgmannschaft in Zschopau (ab 1299) und sitzen auch in Lauterstein (1304).
Rauenstein: Die Burg erscheint erstmals 1323 urkundlich, und zwar als Besitz der Reichsministerialen von Schellenberg, die seit 1206 im Pleißenland urkundlich nachweisbar sind. Ihre Stammburg lag auf dem Berggipfel von Augustusburg und wurde im Zuge der Hofneupflasterung vom Landesamt für Archäologie 1996 teilweise ausgegraben (Bericht hierzu in Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen 4/1996, S. 249-253). Rauenstein war wohl von Anfang an mit der Herrschaft Schellenberg verbunden und bildete einen örtlichen Stützpunkt des schellenbergischen Landesausbaues. 1286 und 1292 sind militärische Expeditionen der Markgrafen in den Herrschaftsbereich Schellenberg bezeugt, ausgelöst durch Streitigkeiten der Schellenberger mit dem wettinischen Hauskloster Altzelle. 1304 begleiten die Schellenberger das vom König übertragene Amt des Landrichters im Pleißenland. 1323 verlieren die Schellenberger das Gebiet um Lauterstein, 1324, der Reichsacht anheimgefallen, ihre gesamte Herrschaft an den Markgrafen von Meißen. Rauenstein ging zunächst an die Herren von Waldenburg über.
,,Nonnenfelsen": Die wüste Burgstelle ist anonym. Sie gehörte mit dem Burgbezirk Lauterstein zum Herrschaftsbereich Schellenberg. Funde und Befunde finden Sie in den Erzgebirgischen Heimatblättern 17, Heft 5, 1995, S. 12-15 veröffentlicht.
Liebenstein: Die Burgstelle ist wie die Anlage beim „Nonnenfelsen" anonym. Funde und Befunde sind veröffentlicht in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 27/28,1984, S. 289-307.
Lauterstein und Neidberg (= Nidberg): Da Ihnen die Publikation in den „Feldforschungen" vorliegt, kann ich mir hier Ausführungen sparen, Sie finden dort das Wichtigste. - Die vier letztgenannten Burgen sind zusammenfassend in dem Artikel „Die mittelalterlichen Burgen an der Pockau im Erzgebirge". In: Burgenforschung aus Sachsen 5/6 (1995), S. 65-84, vorgestellt.
Wolkenstein: Die Burg war Mittelpunkt einer von den Herren von Waldenburg kolonisierten Herrschaft. Die Waldenburger waren pleißenländische Reichsministeriale, deren Ahnherr Hugo v. Wartha (= Herkunftsort, eine Wüstung bei Bad Bibra in Thüringen) der erste Landrichter im Reichsland Pleißen war. Mit Rudolf v. Brand errichtete er zwischen 1165 und 1172 den Stammsitz im Erzgebirgsvorland, nach welchem - ihrer „Burg in den Wäldern" - sich das Geschlecht in der Folgezeit nennt Die Waldenburger gehörten zu den bedeutenden reichsministerialischen Geschlechtern. Sie kolonisierten auch in den Herrschaften Rabenstein (bei Chemnitz) und Greifenstein.
Zschopau: Die Anfänge von Zschopau liegen im Dunklen. Die Burg steht am Flussübergang eines gebirgsüberschreitenden Fernweges, der Bedeutung für die Kolonisation im Gebiet um Zöblitz -Niederlauterstein hatte. Anonym bleibt auch die den Bau der Burg tragende Kraft. Die Ausdehnung des Archidiakonats Zschillen (- Wechselburg) bis in die Gegend von Zschopau scheint auf Beziehungen zum (seit 1143) wettinischen Rochlitz zu weisen, andererseits wird Zschopau 1292 als Zubehör des bis zum Ende des 10. Jh. zurückreichenden Besitzes des Klosters Hersfeld erwähnt. Man geht heute davon aus, dass Zschopau in der Besiedlungszeit des Erzgebirges zum pleißenländischen Reichsterritorium gehörte. 1299 tritt die Burg mit einer von den Herren von Erdmannsdorf in Zschopau ausgestellten Urkunde in das Licht der schriftlichen Überlieferung. Die sich vorwiegend aus ehem. reichsministerialischen Herrschaftsträgern rekrutierende Burgmannschaft widerspiegelt zu dieser Zeit aber einen sekundären Zustand, der vor dem Hintergrund der Wiederherstellung des Reichslandes Pleißen durch Rudolf von Habsburg 1290 und den Aktionen der Könige Albrecht und Adolf gegen Friedrich den Freidigen zu verstehen ist. - Im vergangenen Jahr hat das Landesamt für Archäologie den Neuaufbau der Hofdecke in Schloss Wildeck begleitet. Dabei trat an zwei Stellen die ehem. Ringmauer zutage (dazu erscheint ein Bericht in Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen 6).
Scharfenstein: Auch über Scharfenstein wissen wir wenig. Die Burg taucht erst in der Mitte des 14. Jh. in der schriftlichen Überlieferung auf und stellte eine zweite Burg in der Herrschaft Zschopau dar. Die herrschaftsbildenden Initiativen der Herren von Waldenburg sind offenbar nicht in der Siedelzeit des Erzgebirges verhaftet. Die vom Landesamt in der Vergangenheit begleiteten Baumaßnahmen erbrachten keine frühen Funde (12./13. Jh.).
Gehringswalde: Die kleine Wasserburg stellte bestenfalls einen dörflich-grundherrlichen Sitz dar, sie ist aber mit keinem Namen verbunden. Man müsste einmal das Flurkroki analysieren, ob es sich überhaupt um einen Herrensitz handelt oder ob die Wasserburg eine bäuerliche Anlage war. Für Limbach im Vogtland oder Oberdorf bei Stollberg, wo vergleichbare Anlagen auf Bauernland, in Oberdorf z.B. auf dem Anger, liegen, scheint das der Fall zu sein.
Weitere Einzelheiten zu einem Teil der genannten Burgen finden Sie auch in dem Buch von G. Billig und H. Müller: Burgen - Zeugen sächsischer Geschichte 1998.
Siedlung Zschopau
Zschopau
Die Siedlung Zschopau ist
wahrscheinlich um 1170 durch Waldrodungen entstanden und war zunächst ein
deutsches Bauerndorf, das sich erst nach 1200 Stadt nennen durfte. Die erste
urkundliche Erwähnung findet sich 1291 unter der Bezeichnung de Schapa.
Ihren Namen hat die Stadt von dem Fluss Zschopau, der bereits 1226 das erste
Mal unter dem Namen Scapa in den Büchern erscheint. Die Ursprünge des
Namens an sich sind leider nicht so leicht zu erklären. Die Gebrüder Grimm
leiten ihn zum Beispiel vom kaukasischen Wort zschoppei ab, was soviel
wie Felsengipfel bedeutet. In der Chronik von Chemnitz führt man ihn
auf das polnische Wort czop zurück, was Zapfen oder Spund
bedeutet. Nach einer dritten Meinung soll es vom ebenfalls polnischen Wort czopowe
stammen und würde damit soviel wie Zapfengeld oder Getränkesteuer
bedeuten. Versucht man Zschopau auf das slawische zurückzuführen,
kommt man zu dem Wort scepawa, was so viel wie Spaltung oder Talgrund
bedeutet. Oder aber man nimmt das germanische Wort skap als Wurzel.
Hier wäre die sinngemäße Übersetzung etwa mit einem scharfen Werkzeug
schneiden oder spalten. Allerdings gelten alle diese Erklärungen
heute als zu weit hergeholt oder unlogisch, sei es wegen ihrer Bedeutung oder
wegen ihrer Herkunft – so ist zum Beispiel nicht bekannt, dass Germanen auf
diesem Gebiet gesiedelt haben. Die Erklärung, die für am wahrscheinlichsten
angesehen wird, kommt aus dem Tschechischen und führt den Namen auf die
weibliche Adjektivform sapava zurück, was soviel wie die Reißende,
Zischende oder Sprühende bedeutet. Wenn man bedenkt, dass die
Zschopau früher ein viel größerer und reißender Fluss war, erscheint diese
Deutung durchaus einleuchtend. Und auch die Tatsache, dass früher die
Schreibweisen schapa (1292), Czschape (1449) und dann
Schopau (1471) verwendet wurden, scheint diese Theorie zu untermauern.
Autoren: Kathrin
Höfke und Christian Franzke
Der Beitrag wurde am
Mittwoch, den 22. November 2006 um 09:48 Uhr veröffentlicht und unter der
Kategorie Städtenamen abgelegt. Wenn Sie
möchten, können Sie einen Kommentar
schreiben.
Eine Reaktion zu “Zschopau”
- Dr. Renate Wißuwa
Am 8. Dezember 2006 um 10:37 Uhr
Sehr geehrte Autoren,
ich bin auf die Seite gestoßen, auf der Sie über die Geschichte von Zschopau schreiben. Da ich hier Fehler entdeckt habe, die nicht so stehen bleiben sollten, gestatte ich mir dazu einige Hinweise:
- erste urkundliche Erwähnung ist 1286; Schapha wird als Ort in einer Urkunde genannt
- wichtiger ist jedoch das Jahr 1292, denn da wird Zschopau das erste Mal als “civitas”, d.h. als Stadt mit ihren Besitzungen in einer Urkunde erwähnt
- Zscchopau ist nie ein Dorf gewesen und als solches auch nicht gegründet worden
- es befand sich am Fuße der Burg im 12. Jahrhundert eine Furt (=Flußübergang) für einen Fernhandelsweg nach Böhmen, einem sogenannten Böhmischen Steig
- an der Furt entstand eine Burg, die wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut wurde, im Umfeld der Burg siedelten sich Handwerker, Kaufleute usw. an; es entstand eine Siedlung, die sich später zur Stadt entwickelt hat; umliegende Dörfer entstanden auch in der 2. Hälfte des 12. Jh.
Viele Grüße
Dr. Renate Wißuwa
PS: Ich stehe gern für weitere Fragen zur Verfügung.
Tel.: 531-31221
ich bin auf die Seite gestoßen, auf der Sie über die Geschichte von Zschopau schreiben. Da ich hier Fehler entdeckt habe, die nicht so stehen bleiben sollten, gestatte ich mir dazu einige Hinweise:
- erste urkundliche Erwähnung ist 1286; Schapha wird als Ort in einer Urkunde genannt
- wichtiger ist jedoch das Jahr 1292, denn da wird Zschopau das erste Mal als “civitas”, d.h. als Stadt mit ihren Besitzungen in einer Urkunde erwähnt
- Zscchopau ist nie ein Dorf gewesen und als solches auch nicht gegründet worden
- es befand sich am Fuße der Burg im 12. Jahrhundert eine Furt (=Flußübergang) für einen Fernhandelsweg nach Böhmen, einem sogenannten Böhmischen Steig
- an der Furt entstand eine Burg, die wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut wurde, im Umfeld der Burg siedelten sich Handwerker, Kaufleute usw. an; es entstand eine Siedlung, die sich später zur Stadt entwickelt hat; umliegende Dörfer entstanden auch in der 2. Hälfte des 12. Jh.
Viele Grüße
Dr. Renate Wißuwa
PS: Ich stehe gern für weitere Fragen zur Verfügung.
Tel.: 531-31221
Greifensteine - Burg
Liebenstein - Raubschloß (Wüstung)
Hexenkraut
Fegeweib vom Katzenstein
Lauterstein - Burgruine
Sage zu Georg Berbersdorf
Pfaffroda - Schloß
Sage - Die Blaue Frau
Schloß-Rauenstein
Der Link zu Wikipedia führt zum Schloß Rauenstein und zur weiteren allgemeinen Nutzung.
Video - Schloß Rauenstein: ungeordneter Rohschnitt
Herdersruh
Video - Schloß Rauenstein
Freiherr von Herder hatte in den 1990er Jahren das Schloß Rauenstein wieder erworben, um darin tw. seinen Lebensabend zu verbringen. Schon seine Kindheit erlebte er dort.
Nach dem 2. Weltkrieg hatte er sich in Rosenheim (Chiemsee) ein "Kinoimperium" aufgebaut.
Für Carl-Wilhem von Herder drehten wir ein Video. Den recht persönlichen Kontakt hatten wir im Verlaufe der Bergbau-ABM hergestellt.
Scheinbar konnte keiner in seinem alten und neuen Umfeld mit dem "grantigen" alten Adligen warm werden. Seinen früheren und auch aktuellen Lebensweg konnten wir jedoch mit der gebotenen Achtung unseren Respekt entgegen bringen.
Fotoalbum-Fam. v. Herder
Sage vom grauen Männel
Schloßmodell
Buch-Lengenfeld
Umbauten - Tunnel
Karte
Rauenstein - 2000 - 2001
Sage von der Katze
Album-Rauenstein (Hessen)
Sage vom Schloßkaplan
Album-Forchheim
Der Brückenpfennig
Marmorschaale
Sammlung
Sage vom "Judenstein"
Album 1935
Herdersruh
Verlies
Sammlung-Herder
Fam. Herder
Scharfenstein - Schloß
Sage - Mühlgraben
Die weiße Frau
Wolkenstein - Burg
Schloß und Ort Wolkenstein
Zschopau - Schloß
Sage - Der Geiger von Wildeck
Waldkirchen - Blaufarbenwerk