Textilhistorie
Im Landesverband zur Pflege der Historie der sächsischen Textilindustrie e.V.
begannen wir im Jahr 2000 ein multiemediales Projekt zu erstellen.
Mehrere Jahre rechrchierten wir in verschiedensten Einrichtungen
-Archiven, Museen, Verwaltungen, Medien, Unternehmen-
Die Vielzahl an Material sichteten und gestalteten wir im Projekt.
HISTEX - Historie der sächsischen Textilindustrie
Projektmappe-Textilstraße I
Erarbeitet im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative RETEX der Europäischen Union und des Freistaates Sachsen im Projekt „Qualifizierung zum Tourismusmanager sächsische Textilindustrie – HISTEX“
Projekt Nr. RX/C99/0089
Träger:
GLOBAL Gesellschaft für globale Wirtschaftskommunikation mbH, Chemnitz
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Mitarbeiterinnen im Projekt
Petra Heeger
Gudrun Hetzel
Iris Klausnitzer
Elke Koppatz
Elke Löschner
Annelie Münch
Annemarie Nitzsche
Silvia Radziwill
Heike Siegel
Silvia Schmutzer
Ingrid Schulze
Kerstin Steuke
Inhaltsverzeichnis Seite
Vorbemerkung 5
Standorte an der „Sächsischen Textilstraße 6
Hainichen 8
Mittweida 21
Frankenberg 32
Flöha 39
Oederan 47
Augustusburg und Umgebung 59
Zschopau 71
Venusberg 79
Herold 81
Marienberg 84
Grobkonzept zur inhaltlichen Gestaltung
des Webereimuseums in Oederan 91
Allgemeines 93
Zielgruppen 97
Gestaltungsvariante 3 100
Öffentlichkeitsarbeit 109
Anlage Maschinenfolge 112
Alte Traditionen und moderner Tourismus im Einklang 114
Einleitung 116
Berufe, Gilden, Zünfte 119
Handwerksbräuche 122
Stationen der Meisterreise 139
Stationen des „Historischen Textillehrpfades“ 149
Vorbemerkung
In dem Projekt HISTEX – Historische Textilindustrie – welches ein über 12 Monate gefördertes Projekt des Freistaates Sachsen und der ESF ist, wurde in Trägerschaft der Firma Global GmbH Chemnitz die Geschichte der Textilindustrie der Region erforscht.
12 Mitarbeiterinnen recherchierten in Archiven, Bibliotheken und sprachen mit Stadthistorikern und Unternehmern. In der Region, die begrenzt war zwischen Mittweida und Marienberg, östlich von Chemnitz, soll die Grundlage für die Entstehung einer „Sächsische Textilstrasse“ geschaffen werden.
Das Ziel besteht darin, die touristische Vermarktung dieses ehemals bedeutenden Industriezweiges auszubauen. Ausgangspunkt dafür bildet die Recherche zu den zahlenmäßigen Vorkommen der existierenden Textilbetriebe, beginnend im Mittelalter über den Zeitraum der Industrialisierung bis in die heutige Zeit, mit allen Höhen und Tiefen der geschichtlichen Entwicklung.
Mit der Recherche zum Brauchtum und den Denkmalen der Industriegeschichte soll die textile Komponente eine Erweiterung des Tourismus für die Region werden. Den bereits bestehenden Sehenswürdigkeiten von Bergbau und Holzindustrie soll ein weiterer glanzvollen Punkt hinzugefügt werden. Denn von altersher waren der Bergbau und die Holzindustrie mit der Textilindustrie verbunden.
Im Ergebnis dieser Arbeit wurden folgende Unterlagen geschaffen:
Ø Ortsmappen, in denen alle im Ort gefundenen textilen Standorte dokumentiert sind, einschließlich der geschichtlichen Entwicklung
Für folgende Orte liegen die Dokumente vor: Hainichen
Mittweida
Frankenberg
Flöha/Falkenau
Oederan
Augustusburg und Umgebung
Zschopau
Marienberg/Venusberg/Lengefeld/Herold
Ø Dokumentation kulturhistorischer Textilindustriedenkmale
Ø Erste Konzipierung der „Sächsischen Textilstraße“ mit Vorschlägen zur touristischen Vermarktung in den jeweiligen Orten
Ø Dokumentation über Textiltechnologien als Grundlage für die Schaffung eines „Historischen Textillehrpfades“
Ø Entwicklung von Logos für die „Sächsische Textilstraße“ und den „Historischen Textillehrpfad“
„Sächsische Textilstraße“ „Historischer Textillehrpfad“
Ø Kleines Textillexikon
Ø Grobkonzept zur inhaltlichen Gestaltung des Webereimuseums in Oederan
Ø Alte Traditionen und moderner Tourismus im Einklang - die Möglichkeit der touristischen Vermarktung des Brauchtums am Beispiel einer „Meisterreise“.
Ø Faltblätter für die Orte Hainichen
Mittweida
Frankenberg
Oederan
Zschopau und
Marienberg
mit Vorschlägen der Einbeziehung textiler Geschichte.
STATIONENEN AN DER
„SÄCHSISCHEN TEXTILSTRASSE“
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Die nachfolgenden Ausführungen geben einen kurzen Überblick über die bedeutendsten Textilstandorte.
Neben den Fabrikbauten unterschiedlicher Bauepochen, als wichtigste Zeitzeugen, wurden auch die unmittelbar mit der Produktion im Zusammenhang stehenden Gebäude, wie Arbeiterwohnhäuser, Unternehmervillen mit dazugehörigen Gärten oder Parks sowie Fabrikschulen in die Dokumentation einbezogen. Auch Innungshäuser, ebenfalls eng mit der textilgeschichtlichen Entwicklung verbunden, fanden Berücksichtigung. Bei einer Vielzahl der denkmalgeschützten Bauten erfolgte die Untermauerung mit Fotografien und Detailaufnahmen.
Die Textilindustrie nahm innerhalb der Region der „Sächsischen Textilstraße“ einen hohen Stellenwert ein. Das spiegelt sich auch in der Fülle der zusammengetragenen denkmalgeschützen Gebäude dieses Industriezweiges wider, deren Bedeutung für nachfolgende Generationen bewahrt werden sollte.
Einige Fabriken produzieren gegenwärtig noch, andere liegen brach und sind dem Verfall preisgegeben, manche wurden saniert und einer neuen Nutzung, z. B. als Baumarkt oder Freizeitcenter, zugeführt.
Die folgenden Seiten geben Einblicke über Baujahr, Bauweise und Nutzung der jeweiligen Gebäudes sowie über die Firmenentwicklungen.
Diese Dokumentation erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Projektmappe-Textilstraße II
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
HAINICHEN
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HAINICHEN – eine Leineweber- und Tuchmacherstadt
Die Herstellung von Textilien läßt sich in Hainichen nachweislich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Seit jener Zeit war das im Ort heimisch gewordene Tuchmacherhandwerk eng mit der Entwicklung der Stadt verbunden und verhalf ihr zu Ruhm und Wohlstand.
Anhand einiger wesentlicher geschichtlicher Etappen ist die Entwicklung der Textilindustrie von Hainichen nachfolgend darstellen:
1481 erhielten die Hainichener Tuchmacher ihre Innungsartikel von Caspar von Schönberg.
Die Leineweberinnung erhielt ihre Unterlagen wenig später.
Einweihung des Meisterhauses der Tuchmacherinnung
1787 die erste nachweislich im Ort gegründete Tuchfabrik von J. G. Stein, Neumarkt 4
1794 Gründung der Tuchfabrik G. F. Leonhardt
1817/18 Hainichen ist der Ort Sachsens, der die meisten gedruckten Flanelle liefert
1850 Infolge der Bedrohung durch die Industrie verbündeten sich die beiden Innungen.
1852 Gründung einer Webschule, Poststraße 8, die gemeinsam von den Innungen der Leineweber und Tuchmacher genutzt wurde
1941 am 01.10. endet offiziell die 460 jährige Geschichte der Tuchmacherinnung Hainichens, nachdem bereits 1940 die IHK zur Auflösung der Innung riet. Die letzten Vertreter übergeben die Innungslade mit Akten dem hiesigen Heimatmuseum und das Barvermögen dem Rat der Stadt mit dem Wunsch, fleißige Webschüler damit zu beschenken.
Von 1750 bis heute gab es entsprechend der Recherche 108 Betriebe im Ort und 159 Betriebe in der Umgebung.
Johann Gottfried Stein – Gründer der ersten Tuchfabrik in Hainichen
1787 gründete Johann Gottfried Stein die erste Tuchfabrik in Hainichen in seinem Wohnhaus, Neumarkt 4.
1852 brannte das Gebäude ab und wurde in veränderter Form wieder aufgebaut.
1865 wird das Gebäude von Stein`s Erben verkauft und die Firma in den Ortsteil Crumbach, Mittweidaer Straße 52 verlagert.
1887 Der neue Besitzer des Hauses Neumarkt 4 stellt einen Antrag auf Ladeneinrichtungsgenehmigung für Drogerie, Weine, Farben und Kolonialwaren.
1900 Unter der Firmierung J. G. Stein (Tuchfabrik) arbeitet das Unternehmen am Standort Mittweidaer Straße 52 als Spinnerei, Weberei, Appretur und Färberei.
1925 Spezialisierung der Produktion auf Herren-Ulsterstoffe u. Paletotstoffe bester Qualitäten; Herren-Anzugstoffe: Herren-Loden u. wasserdichte Kamelhaarstrichloden sowie Damentuche
1932 „Hollandsche Bank voor de Middellandsche Zee“ in Amsterdam ist Eigentümer
1935 Abbruch von Fabrikteilen (Weberei, Färberei, Appretur, Kessel- und –maschinenhaus) durch den Eigentümer und Einbau von 17 Arbeiterwohnungen
Friedrich Gottlob Lehmann – bedeutender Industrieller
Zu den Persönlichkeiten der Stadt Hainichen zählt der Tuchmacher und spätere Fabrikant Friedrich Gottlob Lehmann.
Lehmanns Geburtshaus, Brauhofstr. 8 Türstock - Brauhofstr. 8
Er wurde 1805 in der Brauhofstraße 8 geboren. Nach Reisen in die Rheinlande, Belgien, Hamburg und Berlin kehrt er 1826 in seine Heimatstadt zurück. Hier begann er im Hintergebäude seines väterlichen Wohnhauses ein Geschäft zur Fertigung weißer Flanellwaren mit zunächst 6 Webstühlen. In den Folgejahren beschäftigte er je nach Auftragslage bis zu 15 Weber in Heimarbeit. Die Produkte verkaufte er vorwiegend auf der Messe in Leipzig. Nach 1829 baute F. G. Lehmann eine große Textilfabrik in Böhrigen. Am 6. Juli 1869 starb Friedrich Gottlob Lehmann in Böhrigen.
In den Jahren 1826 bis 1830 schrieb er ein Tagebuch. Diese Tagebuchaufzeichnungen sind erschienen in der historischen Reihe Band 1 und 2 unter dem Titel: „Lehmanns Tagebuch 1826 – 1828, Aufzeichnungen des Tuchmachers und In-dustriegründers F. G. Lehmann aus Hainichen“ und „Lehmanns Tagebuch 1828 – 1830, ...“. Er gibt darin einen sehr konkreten Einblick in seine Welt und in die Welt seines Denkens und Empfindens. Auf diese Weise lassen sich Fragen beantworten wie wirkten die ökonomischen, sozialen, familiären, technischen und geistigen Bedingungen seiner Zeit auf ihn ein, mit welcher Haltung, mit welchen Fähigkeiten und Ideen begegnete er ihnen und ging mit ihnen um.
In F.G. Lehmanns Geburtshaus, das heute noch steht, jedoch leer und stark sanierungsbedürftig ist, befanden sich bis 1943 Webereien. Das Haus wurde 1996 als barockes Kleinstadtwohnhaus mit einem Türstock von 1768 unter Denkmalschutz gestellt.
Dieses Tagebuch in Verbindung mit dem noch stehenden Geburtshaus, könnte zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Hainichens werden.
Bedeutende Textilstandorte – noch arbeitende Firmen
Hainichen, August-Bebel-Str. 1
1886 Bau des Fabrikgebäudes und Gründung der
Mechanischen Weberei und Appretur, „A. Glaser Nachf.“, für Mohairplüsche, Möbelstoffe, Chenille, Portieren und Tischdecken
1900 Spezialisierung auf: Herstellung der Mohairplüsche auf mechanischen Webstühlen als Massenfabrikation
1910 Übernahme der Firma durch Rudolf Thümer aus Chemnitz und Umwandlung der Firma in „Mechanische Plüschweberei GmbH“
1945 Schaden durch Bombenabwurf (Färberei und Appretur)
1952 Betrieb wurde in Volkseigentum überführt
1992 Privatisierung des Unternehmens in „Sachsen Plüsch GmbH“
mit 15 Beschäftigten
Branche: Weberei, Textilveredlung, sonstiges Konfektionieren
Produkte: Schaft- und jacquardgemusterte Plüscherzeugnisse als Meterware für die Möbelindustrie, den Fahrzeugbau, die Spielzeugindustrie, für Konfektionsbetriebe; techn. Plüsche sowie für den Heimtextilienbereich in Form von abgepassten Erzeugnissen; Doppelplüschweberei
Hainichen, Gellertstraße 4
1802 Gründung des Unternehmens „F. G. Beyer“
1893 hatte das Unternehmen 80 Beschäftigte
1909 Flanellfabrik, Streichgarnspinnerei, mechanische Weberei, Färberei und Appretur; In der eigenen mechanische Strickerei ist das Markenzeichen „Kamelako“ gesetzlich geschützt (krumpffreier Stoff für zweckmäßige Unterkleidung)
1914 eine Streichgarnspinnerei als Zweigwerk der Firma befindet sich im Ortsteil Crumbach, Falkenauer Str. 15
1947 das Unternehmen ist eine Flanelltuchfabrik
1960 Umwandlung der OHG in eine KG
Am 01.Juli 1960 ist Geschäftsbeginn der Gesellschaft mit staatlicher Beteiligung.
Die Firma ist einziger Hersteller in der DDR für Luftfiltergewebe aus Baumwolle und Zellwolle sowie Mitläuferstoffen in den Breiten 200 – 240 cm.
1967 ist der VEB Filz- und Filtertuche Rodewisch als staatlicher Gesellschafter in die Firma eingetreten
1972 Herstellung technischer Gewebe, Appretur und technische Konfektion
Produktionsprogramm: Filtertuche in Baum- und Zellwolle, Zwirnkalmuck für Dampfmangeln, Mitläufergewebe bis 240 cm Fertigbreite, Gewebe für Kinotechnik und Fotochemie
Weitere Spezialisierungen sind Staubbeutel für alle Staubsaugertypen, Filter- und Plansichterschläuche, Filterbezüge, Produktfilter, Quarksäcke,
1991 Privatisierung des Unternehmens „F. G. Beyer GmbH“ mit 4 Beschäftigten
Geschäftsführer ist Herr Klaus Keller
Branche: Konfektionieren technischer Textilien
Hainichen, Ziegelstraße 29
1886 Gründung der Firma „Max Kermes“
Verbandstoffweberei, Kämmerei, Bleicherei
1913 Einzug in den Fabrikneubau Ziegelstraße 29,
Bauherr war „Max Kermes GmbH“ – Fabrik medizinischer Verbandstoffe
1915 Spezialisierung: Verbandwatten, Binden, Gazen, chirurgische Nähseiden sowie alle Neuheiten in Verbandmitteln, Bandagen-Frieße-Filze-Moleskins, Gummiwaren, Artikel zur Krankenpflege
1938 hatte die Firma 185 Beschäftigte, die Arbeitszeit betrug 10 ¼ Stunden
1972 das Unternehmen ist „VEB Verbandmittel Hainichen“
1975 ist VEB Vliestextilien Lößnitztal Rechtsnachfolger
Produktionsprogramm: Verbandwatte, Verbandzellstoff, Verbandmull-erzeugnisse
1992 Privatisierung als „KERMA Verbandstoff GmbH“ mit 30 Beschäftigten
Geschäftsführer ist Herr E. Rüdiger
Branche: Nähwirkerei, Vliesstoffherstellung, Watteherstellung, sonstiges Konfektionieren
Produkte: Herstellung, Konfektionierung und Vertrieb von Verbandstoffen und Hygieneartikeln
Das Fabrikgebäude, Gifthäuschen und Einfriedung der Verbandstofffabrik stehen unter Denkmalschutz.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Hainichen, An der Mühle 5
Lage im Ort: zentral in Marktnähe
Baujahr: 1784
Kurzbeschreibung: ehemaliges Meisterhaus der Tuchmacher
Das stattliche Fachwerkhaus mit Handweberei in offener
Bebauung ist durch ländlichen Barockstil geprägt.
Das Erdgeschoß besteht aus Bruchsteinmauerwerk,
das Obergeschoß wurde in Skelettbauweise (Fachwerk) ausgeführt.
Seit 1851 ist das Krüppelwalmdach mit Ziegel gedeckt.
Der Türstock des Tuchmacherhauses trägt folgende Inschrift:„Das Mstr. Hauß eines Löbl. Tuchmacher Handwerks“.
Im ehemals vergoldeten Schlußstein sind die plastische Darstellung der bekrönten Innungsinsignien und das Entstehungsjahr des Hauses eingemeißelt. Das Original wurde 1950 durch eine Kopie ersetzt.
Seit April 2000 ist das Gebäude nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit zugänglich.
Es wurde eine Schauwerkstatt der Handweberei eingerichtet.
Hainichen, Brauhofstraße 10
Lage im Ort: zentral in Marktnähe
Baujahr: 1768 abgebrannt, 1797 wieder aufgebaut,
1832 teilweise abgebrannt und wieder errichtet
Kurzbeschreibung: 1852 Webschule im Leinewebermeisterhaus,
zugehörig zur ehemaligen Firma F. A. Breyer,
Weberei, Spinnerei, Appretur
Wohnhaus in Kopflage und geschlossener Bebauung
mit Innungszeichen
Es ist geplant, das Gebäude als Wohnhaus zu nutzen.
Hainichen, Gellertstraße 88
Lage im Ort: Ortseingang an der Hauptzufahrtsstraße von Berthelsdorf
Baujahr: 1842
Kurzbeschreibung: Wohnhaus mit Vordergarten und Einfriedung in offener Bebauung
1870 – 1908 Firma F. Emil Ehrhardt, Appreturanstalt,
1910 – 1937 Holzfabrik Otto Größler,
danach Carl R. Großlaub, Patent-Roßhaarstoff-Weberei
Hainichen, Gellertstraße 90
Lage im Ort: Ortseingang an der Hauptzufahrtsstraße von Berthelsdorf
Baujahr: 1899
Kurzbeschreibung: Roßhaarweberei: Zwischenbau mit Tordurchfahrt und südlich angebautes Fabrikationsgebäude
1900 – 1972 Carl R. Großlaub, Patent-Roßhaarstoff-Weberei,
1972 – 1990 VEB Einlagegewebe Hainichen, Roßhaarstoffweberei,
Produkte: Schulterpolster, Unterkragenmaterial, Einlagegewebe für die Konfektion. Herstellung von Rosshaarzwirn, Ziegen- und Rosshaare wurden mit Baumwolle umzwirnt, auf den Kettenwirkmaschinen arbeitete man mit Seide
1990 – 1996 Einlagegewebe GmbH, Haarstoffweberei,
nach Sanierung Wohnhaus
Hainichen, Georgenstraße 24
Abb. links oben: Blick von der Georgenstraße
Abb. links unten: Blick von der August-Bebel-/ Ecke Georgenstraße
Abb. rechts oben und unten: Fabrikgebäude der Filzfabrik
Lage im Ort: Nähe Bahnhof
Baujahr: um 1900
Kurzbeschreibung: Filzfabrik - Gebäudekomplex mit Fabrikations- und Verwaltungsgebäuden
1924 – 1972 Filzfabrik E. Höpfner GmbH,
1972 – 1974 VEB Filzfabrik Hainichen,
Produktion: Filze und Filzwaren, speziell Sohlenfilze und techn. Filze
1975 – 1976 VEB Technische Filze Wurzen,
1976 – 1987 VEB Einlagegewebe Hainichen, Roßhaarstoffweberei,
danach Einlagegewebe GmbH, Haarstoffweberei
1998 Weuro Handels GmbH
Abbruch: Industrieschornstein, alte Staubkammer, 2 Lagerräume, 1 Lagerschuppen, Heizhaus
2000 Das Hauptgebäude steht unter Denkmalschutz, am Gebäude noch zu sehen: Firmenname: Filzfabrik Höpfner,
Hainichen, Markt 3, 5, 7
Lage im Ort: zentral, am Markt
Baujahr: Markt 3: um 1833
Markt 5, 7: um 1835
Kurzbeschreibung: Markt 3: Wohnhaus mit Hausterrasse in Ecklage
mit geschlossener Bebauung
Markt 5: Wohnhaus mit Seitengebäude und
Hinterhaus in geschlossener Bebauung
Markt 7: Wohnhaus mit Hintergebäuden und
Hofpflasterung in geschlossener Be-bauung
bis 1890 Sitz der Firma G. F. Leonhardt, Flanell- und Wollwarenfabrik, Spinnerei, Weberei, Walkerei, Appretur,
Markt 3: 1924 noch Kontor und Appretur
Hainichen, Poststraße 8
Lage im Ort: Nähe Bahnhof
Baujahr: nach 1884
Kurzbeschreibung: Webschule/ Schulgebäude in Ecklage
1928 Fachschule für Textiltechnik (Ausbildungsstätte für Streich-, Kammgarn-, Möbelstoff-, Plüsch- und Roßhaarweberei der heimischen Textilindustrie),
1948 Textilfachschule Hainichen,
gehört heute zum Gymnasium
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
MITTWEIDA
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MITTWEIDA
Die Stadt Mittweida stand von jeher in gutem Ruf als Weber- und Tuchmacherstadt. Aus kleinen industriellen Anfängen heraus entwickelte sie sich zu einer Stadt der Textilindustrie.
In Mittweida zählten die Tuchmacher und die Leinenweber zu den ältesten Innungen. Erstere färbten und rahmten auf dem Rahmberg bzw. Rahmenberg, der heute noch unter diesem Namen bezeichnet ist. Diese dort befindlichen Rahmenplätze gehörten der Kommune und wurden den Tuchmachern gegen einen Zins überlassen. Auch die Weberstraße erinnert an diese Zunft.
Die Tuchmacher erhielten schon Anfang des 15. Jahrhunderts ihr Innungs-Privileg. Aus ihrem Gewerbe entwickelte sich eine für die damalige Zeit sehr hochstehende Handweberei, die nach der Schafwolle später auch Leinen und Baumwolle verarbeitete. 1849 zählte die Weberinnung in Mittweida immerhin 447 Meister und 359 Gesellen, die Stadt Mittweida selbst hatte damals ca. 6000 Einwohner.
Weitere wesentliche geschichtliche Etappen der Entwicklung der Textilindustrie in Mittweida sind nachfolgend dargestellt:
1816 Erste Spinnfabrik, eingetragen als Großmühle i. F. Müller & Co., Auf dem Niederen Steinweg, der heutigen Hainichener Straße
1854 Erste Dampfmaschine in der Baumwollstückfärberei und Appretur der Firma Wilhelm Dehnert
1857 am 29. Mai wurde die erste Druckmaschine in Sachsen (benannt nach dem Schweizer Erfinder Perrot, mit dem Maschinennamen Perrotine) durch die Firma Richard Kirchhübel in Mittweida in Betrieb genommen
1861 Aufstellung der ersten Heißluft- und calorischen (Wärme-, Hitze-) Maschine ebenfalls durch die Firma Kirchhübel. Erste mechanische Weberei der Firma Richard Kirchhübel auf der Weberstraße 9 in Mittweida
1864 in etwa dieser Zeit richtete der Kardner Carl Arnold und spätere Rauhereibesitzer die erste Dampfrauherei ein, die eng verbunden war mit der Entwicklung der mechanischen Weberei
1865 dritte mechanische Weberei der Firma Emil Backofen in Mittweida; Backofen betrieb auch eine private Gasanstalt und kam so der Stadt zuvor
1967 wurde eine völlig neue Spinntechnologie mit Rotorspinnmaschinen vom Typ BD 200 aus der CSSR im Werk Weißthal der Baumwollspinnerei Mittweida zum Einsatz gebracht.
1971 Erprobung, dann Ausstattung des Großen Websaales des VEB Wäscheunion Mittweida mit neuesten pneumatischen Düsenwebmaschinen bis 155 cm Arbeitsbreite, ein internationales erstes Großprojekt mit Düsenwebmaschinen
1983 erste Spinnspulautomaten vom Typ Autocoro im Werk Mittweida des VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien (VEB VBSZ) aufgestellt; damit eröffneten sich völlig neue Dimensionen für Produktivität und Qualität
Heute gibt es wieder acht produzierende Textilbetriebe, angefangen von der Spinnerei, der Vliesstoffherstellung bis zur Konfektion von Haushalt- und Leibwäsche, Spezialkleidung und anspruchsvoller Oberbekleidung.
Bedeutende Textilstandorte – noch arbeitende Firmen
Mittweida, Hainichener Straße 66
1816 wurde im oberen Stock der Großmühle die erste Spinnmühle für Baumwolle eingerichtet.
Die Inbetriebnahme der Spinnfabrik im aufgestockten Mühlengebäude erfolgte durch Uhlemanns Sohn.
1885 Eintragung der Aktienspinnerei "Baumwollspinnerei Mittweida",
Errichtung eines Neubaus, die Produktion wurde auf 80.000 Spindeln erhöht.
1890 Besuch des Königs Albert von Sachsen in der Baumwollspinnerei
1894/95 Errichtung eines 3. Spinnereigebäudes
1889/1913 Fertigstellung des 4. Und 5. Produktionsgebäudes
Damit war sie die drittgrößte Baumwollspinnerei in Sachsen. Absatzgebiet war nur Deutschland.
1946 Betrieb wird in Volkseigentum überführt.
1990 am 1.7. Umwandlung in Baumwollspinnerei Mittweida GmbH
1991 hatte der Betrieb noch 150 Beschäftigte
1995 Verkauf an den privaten Investor Dr. Kühn und Frau. Die Firma nennt sich „Sächsische Baumwoll-Spinnerei GmbH“ zu ihr gehören die Werke Venusberg und Hohenfichte. 1997 kommt die Zwirnerei in Falkenau noch dazu.
Mittweida, Weberstraße 46 – 48
1828 gründete Johann Gottfried Backofen eine Weberei
1864 erfolgte die erste Erweiterung und der Übergang zur mechanischen Weberei
1868 Bau einer dreistöckigen Fabrik
1887/88 wird eine zweite größere Fabrikanlage errichtet. Die Anzahl der Webstühle erhöht sich auf 350.
bis 1908 wurde die Anzahl der Webstühle auf 800 vergrößert.
1913 brach im Dachgeschoß des ersten Fabrikgebäudes ein Brand aus. Das Gebäude wurde dabei völlig zerstört und nicht wieder aufgebaut. 211 Webstühle wurden bei diesem Brand vernichtet.
1946 Enteignung des Unternehmens durch Volksentscheid
1950 Zusammenschluß des „VEB Weberei Mittweida“ mit der „Weißthaler Spinnerei“.
Der Betrieb hatte eine Belegschaftsstärke von 1330 Personen und 1116 Webstühle.
1963 erfolgte der Zusammenschluß der Werke Mittweida (Weberstraße 46, Bahnhofstr. 70, Hainichener Str. 60), Oederan, Frankenberg und Frohburg. Der Betrieb wurde zum Sitz der Zentralen Leitung des „VEB Vereinigte Baumwollwerke Mittweida“.
1971 Gründung des „VEB Wäscheunion Mittweida“ mit Sitz in Mittweida. Der Zusammenschluß umfaßte den VEB Vereinigte Baumwollwerke Mittweida, VEB Damastweberei Oberoderwitz und VEB Textilwerke Elsterberg.
1974 Rekonstruktion des Betriebes
1990 Neufirmierung „Techtex GmbH Vliesstoffe“
1993 Privatisierung des Unternehmens und später Umzug in die Viersener Str. 18
Altmittweida, Hauptstraße 87
1909 Gründung der Firma Max Schwarzbach in Niederzwönitz
1910 Firma wird nach Altmittweida verlegt.
1972 erfolgt die Verstaatlichung der Firma in „VEB Vereinigte Grobgarnwerke Kirschau, Werk Pappendorf, Produktionsstätte 52 Altmittweida
1989 Reprivatisierung der Firma
Die Tochter des Herrn Schwarzbach hat einen Teil des Gebäudes übernommen und führt eine kleine Firma unter den Namen „Envitex textile Industrieprodukte GmbH“. Geschäftszweck ist die Herstellung von Schlauchfilter für die staubproduzierende Industrie, z. B. Futtermittelwerke, Kieswerke
Weitere produzierende Textilfirmen in Mittweida:
Smart-Textil GmbH Oberrossau,
ehemals Firma Jacob Wäschefabrik Mittweida,
dann VEB Bekleidungswerke Falkenstein,
heute Hersteller von Berufs- und Schutz-
kleidung für die Krankenpflege
Rossauer Matratzen GmbH,
neu entstandener Betrieb für
Matratzenherstellung
Lobe Wäsche Altmittweida, 1952
gegründet, vom Quereinsteiger
Elektronikingenieur Peter Andreas Kunze
1994 übernommen, Spezialisierung
auf Konfektion von Bett- und Haushaltwäsche
Erler Fashion Altmittweida,
ehemals Modelly, dann
VEB Bekleidungswerk Werk III,
bekannt für anspruchsvolle
Damenoberbekleidung
Rudolph & Wunsch OHG Mittweida,
ehemals Wäschekonfektion Lößnitz,
heute produziert das Unternehmen
Spezialkleidung, z. B. Hemden für
den Armeebedarf
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Mittweida, Gartenstraße 24
Lage im Ort: zentral, in Marktnähe
Baujahr: 1883
Kurzbeschreibung: Weberinnungshaus im Stil des Historismus
bis zum Erlöschen der Weberinnung im Jahr 1917 Innungshaus mit der noch heute existierenden Gaststätte „Eintracht“
Mittweida, Weberstraße 13
Lage im Ort: Stadtzentrum, südlich vom Markt
Baujahr: 1774
Kurzbeschreibung: Leinewebermeisterhaus mit Wappen und Schlußstein
heute teilweise als „Bistro a la carte“ mit Weinkeller genutzt
Mittweida, Hainichener Straße 60
Lage im Ort: Nähe Gewerbegebiet Ost
Baujahr: um 1895
Kurzbeschreibung: Fabrikgebäude in Stilformen des Historismus bzw. Funktionalismus
ehemaliger Firmensitz der Baumwollweberei AG Mittweida,
1953 – 1964 VEB Weberei Mittweida, Werk II,
1964 - 1971 VEB Vereinigte Baumwollwerke Mittweida, Werk II,
1971 – 1990 VEB Wäscheunion Mittweida, Produktionsstätte 1/ 2 des Werkes I im Teilbetrieb 1,
1990 – 1992 Wäscheunion GmbH Mittweida Werk II,
danach Umrüstung in „Musikfabrik“ mit Café,Sauna, Sportstätten und Einrichtungen des Großhandels
Mittweida, Bahnhofstraße 70
Lage im Ort: Nähe Bahnhof
Baujahr: vor 1850
Kurzbeschreibung: Verwaltungs- und Produktionsgebäude in Stilform des Neobarock
1806 – 1960 Firma J. G. Rüdiger & Söhne,
1960 – 1972 Firma J. G. Rüdiger & Söhne mit staatlicher Beteiligung,
1972 – 1974 VEB Kunstledergewebe Mittweida, Teilbetrieb1, Werk 1,
1974 - 1992 VEB Wäscheunion Mittweida, Teilbetrieb 1,Werk 1
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
FRANKENBERG
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FRANKENBERG
Mit dem Rückgang der Silberfunde waren die Menschen gezwungen, sich einem anderen Erwerbszweig zuzuwenden. In Frankenberg entwickelte sich die Weberei.
Im 15. Jahrhundert spricht man schon von den Webern und der Gründung einer Innung im Jahre 1464. Es war auch das Jahrhundert, in dem die Tuchmacher und die Leineweber in der Stadt in Streit gerieten, der sich auf weitere Orte ausweitete. Die Leineweber beendeten diesen als Sieger, und von da an entwickelte sich ihre Zunft in rasanter Geschwindigkeit.
Aus Quellen des Stadtarchives Frankenberg war zu erfahren, daß im Jahre 1653 in der Stadt nur noch 11 Tuchmacher, 130 Leineweber, 2 Schwarzfärber, 3 Schneider und ein Seiler arbeiteten.
Es ist belegt, daß die Frankenberger Leinewand in einem fast 100jährigem Zeitraum, von etwa 1478 bis 1568, in Chemnitz (Bleichrecht) gebleicht wurde.
1533 ließ Caspar von Schönberg auf Sachsenburg ein neues Rittergut errichten. Britta von Schönberg erwarb sich nach dem Tod ihres Mannes, Wolf von Schönberg, größte Verdienste um die Förderung der Weberei und Färberei. 1585 schickte sie den Meister Thomas Rockard nach Braband, um das Färben und Grobgrünmachen zu erlernen. Grobgrünmachen (körniges Gewebemuster) war bis dahin in Deutschland unbekannt, und durch die Einführung der Zwirnmühle wurde ein neuer Industriezweig begründet.
Weitere wesentliche geschichtliche Etappen:
1686 begannen die Weber Uhlig und Vogelsang als erste in ganz Sachsen mit der Weberei halbseidener Stoffe, eines Modeartikels der damaligen Zeit.
1710 erhielt Johann Friedrich Höppner, der in den Niederlanden die Schönferberkunst und die Kattundruckerei erlernte, die landesherrliche Konzession, eine Färberei einzurichten.
1712 beginn der Kattundruckerei im Ort.
1778 gründet C. F. Böhme die erste Druckerei.
1815 wurden die Druckereien J. Klein und Gärtner gegründet, welche heute die Firma Uhlemann & Lantzsch GmbH ist.
bis 1990 war die Textilindustrie ein Haupterwerbszweig für die Einwohner.
Im Zeitraum von 1750 bis heute konnten insgesamt 328 Textilunternehmen in Frankenberg und Umgebung recherchiert werden.
Bedeutende Textilstandorte – noch arbeitende Firmen
Frankenberg, Mühlenstraße 7
1794 – 1805 Gründung durch Gottlob Gärtner, von Beruf Zeugweber am Viehweg, später Gartenstraße
1805 Verlagerung in die Kirchgasse
1815 Kauf des Doppelhauses Ecke Badergasse/Baderberg und Gründung einer Druckerei
1826 Gründung der Gärtner & Co. OHG, Teilhaber Gärtner´s Sohn und Schwiegersohn Carl Friedrich Uhlemann (Sohn des Bleichermeisters Carl Gottlieb Uhlemann in Gunnersdorf, bei dem Gärtner bleichen ließ.)
1828 wurde die Firma Uhlemann & Lantzsch gegründet. Durch den Tod des jungen Gärtner trat der gelernte Kaufmann Carl Gotthelf Lantzsch in die Teilhaberschaft ein. Stiller Teilhaber und Eigentümer des Grundstückes und der Einrichtungen blieb Gottlob Gärtner.
1831 trat Carl Moritz Rau aus Zittau als Lehrling in die Firma ein.
1832 Kauf der ehemaligen Ranft´schen Bleiche
1844 wurde C. M. Rau Prokurist und 1849 Teilhaber.
1847 heiratete Carl Moritz Rau die Tochter von Carl Friedrich Uhlemann.
1869 Carl Moritz Rau und Hermann Uhlemann sind Inhaber der Firma, Lantzsch ist stiller Teilhaber.
1893 wurde Carl Rau, Sohn von Carl Moritz Rau, alleiniger Inhaber.
1905 Bau eines neuen Druckereigebäudes
1962 wurde die Firma in eine KG umgewandelt mit ständig steigender staatlicher Beteiligung.
1972 erfolgte die Enteignung und nannte sich „VEB Wirkwarendruck Frankenberg“.
1990 wurde das Unternehmen reprivatisiert und eine GmbH gegründet,
„Uhlemann & Lantzsch GmbH“
Frankenberg, Hammertal 5
1892 gründete William Zipper im Frankenberger Hammertal am Mühlbach seine Firma als Bleicherei, Färberei und Appreturanstalt. Das benötigte Wasser wurde aus dem Mühlbach entnommen.
Konkurs der Firma William Zipper
1904 Neugründung einer GmbH. Geschäftsführer ist Richard Zipper, der Bruder von William Zipper. Der Betrieb firmierte unter Frankenberger Bleicherei, Färberei und Appretur GmbH.
1922 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Hauptsächlich veredelte das Unternehmen in Lohnarbeit.
1928 wurde der Betrieb ein Zweigwerk der Christian Dierig AG, Langenbielau.
1948 Der Dierigkonzern wurde wegen kriegsunterstützender Produktion enteignet und der Betrieb als VEB Hammerbleiche Frankenberg weitergeführt.
1964 erfolgte die Zuordnung zur Weberei Mittweida als Werk 3 und 1971 die Eingliederung in den Großbetrieb Wäscheunion Mittweida.
Die Hammerbleiche Frankenberg wurde zur größten und modernsten Bleicherei der DDR-Baumwollindustrie ausgebaut.
1990 erfolgt die Privatisierung des Großbetriebes. Der Betrieb gehört zunächst zur Wäscheunion GmbH Mittweida.
1992 erfolgt die Aufspaltung der Wäscheunion GmbH Mittweida. In Frankenberg gründete sich die „Color-Textil Veredlungs GmbH“
Etwa 130 Beschäftigte veredeln heute textile Flächen für Bett- und Haushaltswäsche, Heimtextilien und Oberbekleidung. Eine eigene Stoffkollektion für Bettwäsche und Oberbekleidung wird angeboten.
Frankenberg, Altenhainer Straße 50
1899 wurde die Firma August Hoffmann Söhne erstmals in der Altenhainer Straße 25 als Webwarenfabrik erwähnt.
1903 übernimmt Alfred Pfefferkorn das Unternehmen als Frankenberger Teppichfabrik.
1919 die Firma Pfefferkorn ist erloschen. In die Gebäude zieht die Firma Bernards, Schmidt & Wenschuh OHG ein, die bereits 1909 in Frankenberg die Firma als Kattundruckerei und Teppichweberei auf der Sachsenstraße gegründet hatte.
1937 sind als Inhaber der Firma im Handelsregister eingetragen:
Alfred Witzschel (Schwiegersohn von H. A. Schmidt), Heinrich Schmidt, Charlotte Gläser geb. Wenschuh und deren Gatte Karl Gläser.
1964 erfolgte eine staatliche Beteiligung.
1972 wurde die Firma enteignet. Es entstand der VEB Teppichweberei Frankenberg. Betriebsdirektor war der heutige Firmeninhaber, Herr Eberhard Witzschel.
1990 Umwandlung in Teppichweberei Frankenberg GmbH
1992 war die Rückübertragung abgeschlossen. Die Firma erhielt wieder ihren ursprünglichen Namen „Sächsische Teppichmanufaktur Bernards, Schmidt & Wenschuh KG“.
Gegenwärtig laufen Vorbereitungen, daß auch Touristen die Manufaktur bei laufender Produktion besichtigen können.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Frankenberg, Auenweg 1
Lage im Ort: Stadtrand, westlich Richtung Lichtenau
Baujahr: 1818
Kurzbeschreibung: freistehendes Wohnhaus mit Seitengebäude; architektonisch bedeutsamer, weitestgehend original erhaltener Wohnbau mit hervorragenden Details aus der Entstehungszeit
ehemaliger Sitz der Genossenschaftlichen Färberei der Frankenberger Weberinnung
Frankenberg, Bachgasse 2
Lage im Ort: Stadtzentrum, Nähe Kaufhaus
Baujahr: 1822
Kurzbeschreibung: freistehendes, großes Wohnhaus mit zwei Seitenflügeln; noch gut erhaltenes dreiflügeliges Wohnhaus mit zahlreichen Originaldetails
ehemaliger Firmensitz von Johann Höpner, Färberei, im Volksmund als „alte Farbe“ bekannt
Frankenberg, Baderberg 7
Lage im Ort: Nähe Markt
Baujahr: 1788
Kurzbeschreibung: Wohnhaus mit Ladeneinbau in halboffener Bebauung, weitestgehend original erhaltener barocker Wohnbau mit Seitengebäuden, bedeutend besonders die bis ins zweite Obergeschoß gewölbte Treppenanlage
ehemals C. F. Böhme, später Vogelsang, Kattundruckerei,
heutiges Kaufhaus
Frankenberg, Baderberg 13
Lage im Ort: Nähe Markt
Baujahr: um 1800
Kurzbeschreibung: Wohnhaus in Ecklage mit Seitenflügel, von städte-baulicher Bedeutung im Zusammenhang mit Nr. 11 als großes, barockes Wohngebäude in markanter Lage
ehemals Kreyßig - Thierfelder, Kattundruckerei
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
FLÖHA
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Flöha
Das heutige Flöha wuchs aus den Dörfern Gückelsberg im Norden und Plaue mit Bernsdorf im Süden zusammen und blickt auf eine langjährige Geschichte zurück. Bis ins 19. Jahrhundert waren in den kleinen Orten nur Bauern zu finden. 1802 zählte der Ort lediglich 354 Einwohner. Noch 1820 ist Flöha ein reines Bauerndorf mit 18 Höfen und 6 Gärtnernahrungen. Die 29 Häusler waren teils Tagelöhner bei Bauern, teils Leineweber oder Arbeiter. Um für die Industrie von Interesse zu sein, waren die Orte zu klein und Chemnitz mit seiner Bannmeile zu nahe, denn in der Stadt achtete man sehr darauf, dass niemand die Privilegien verletzte.
Innerhalb von nur 200 Jahren wurden aus den verträumten Dörfern eine Stadt mit 12.500 Einwohnern.
Die Kattundruckerei des Benjamin Pflugbeil ist am Ausgang des 18. Jahrhunderts das bedeutendste Unternehmen seiner Art in Chemnitz. Um der stärker werdenden Konkurrenz wirksam zu begegnen, kaufte der Chemnitzer Fabrikant vom Staat den alten Kohleplatz der Gemeinde Plaue und errichtete hier für seine Chemnitzer Weberei eine Bleiche und Färberei.
1798 - Benjamin Pflugbeil ist verstorben, der neue Inhaber der Firma, Herr Kommerzienrat Christian Gottfried Seeber, kaufte die angrenzende Schneidemühle und baute 1809 an deren Stelle eine 5 stöckige Spinnmühle. Herr Seeber legte damit den Grundstein für die industrielle Entwicklung des Ortes.
1811 Produktionsbeginn bei der Fa. Benj. Pflugbeil & Co. KG
1816 Seeber übergibt die gesamte Firma den Brüdern Ernst Iselin und Peter Otto Clauß, die sich später E. I. Clauß bzw. E. I. Clauß Nachf. nennen
1817 Johann Gottfried Weisbach aus Chemnitz kauft in Flöha vom Mühlenbesitzer – und Meister Adolf Müller die hochverschuldete Mahl und Holzschneidemühle. Er stellt zunächst auf dem Oberboden Krempelmaschinen auf.
1821 J. G. Weisbach lässt auf dem alten Gemeindeanger ein großes Spinnereigebäude errichten.
1823 Erbmüller Carl Friedrich Stöhr verkauft in Gückelsberg, an die Oederaner Tuchfabrikanten August Friedrich Ferdinand Fiedler und Fürchtegott Fiedler, ein Stück Land zum Errichtung einer Walkmühle.
1829 Gottlieb Ferdinand Heymann aus Chemnitz, tritt mit einer Abtretungssumme in die Rechte von Fiedler ein und errichtet ein 5 stöckiges Spinnereigebäude.
1847 Einweihung der neuen Fabrikschule der Firma E. I. Clauß.
1859 eine Fabrikschule bei der Firma G. F. Heymann wird eröffnet.
1898 Produktionsbeginn in der neugebauten Tüllfabrik.
Bedeutende Textilstandorte - noch arbeitende Firmen
Gründung : 1898
Durch : Carl Siems
Entwicklung:
1898 bis 1907 Tüllfabrik Carl Siems & Co. KG.
Ausschlaggebend für die Gründung der Firma in Flöha war der Standort und die gute Eisenbahnverbindung, es gab bis dahin nur eine Tüllfabrik in ganz Deutschland und zwar in Schneeberg
1902 Wegen des großen Bedarfs erfolgen die ersten baulichen Erweiterungen.
1903 Da es nicht rationell erschien die Waren nach Plaue zu senden, wurde die erste Bleicherei, Färberei und Sengerei im Komplex der Tüllfabrik errichtet.
1907 bis 1946 Tüllfabrik Flöha AG
Es sind ca. 325 Arbeiter und Angestellte tätig, außerdem ca.2000 Personen außer Haus Es sind 222 Tüllmaschinen aufgestellt. Die vorhandene Dampfmaschinenanlage leistet 750 PS. Die Maschinenanlage versieht die Fabrik mit Elektrizität.
1944 Fortunawerk
1946 Landeseigener Betrieb Tüllfabrik Plaue
Durch den Volksentscheid in Sachsen wird die Tüllfabrik AG Siems entschädigungslos enteignet, der Bettrieb nannte sich fortan ”Landeseigener Betrieb”, später dann ”Volkseigener Betrieb”
1952 Tüllfabrik Flöha (später VEB Texturseidenwerk) - Heinrich Heine Strasse in Plaue hat etwa 500 Beschäftigte.
Es erfolgt eine Trennung:
Im vorderen Teil des Produktionsgebäudes der Tüllfabrik entsteht der VEB Perlonzwirnerei Flöha - eine Zwirnerei für synthetische Fäden.
1946 bis 1966 Im hinteren Teil produziert die Tüllfabrik Plaue
1957 VEB Feinseidenzwirnerei Flöha (ehem. VEB Perlonzwirnerei Plaue)
zw.1966 - 70 Die Tüllfabrik geht in einem Großbetrieb ein.
1969 Im VEB Feinseidenzwirnerei nimmt eine Texturseidenfärberei die Produktion auf.
1972 Der Betrieb ist jetzt der Stammbetrieb des VEB Texturseidenwerke Flöha.
1966 bis 1972 VEB Texturseidenwerke Flöha ( ehem. Tüllfabrik)
1972 bis 1990 VEB Texturseidenwerke Flöha (Stammbetrieb)
1990 bis 1993 Textilwerke Flöha GmbH
1993 Stillegung
2000 Es befinden sich viele kleine Firmen in den Gebäuden der ehem. Tüllfabrik
Bedeutende Textilstandorte - denkmalgeschützte Gebäude
Flöha, Zur Baumwolle
Das 1809 erbaute Spinnereigebäude
1768 Benj. Pflugbeil gründet in Burgstädt eine Firma.
1798 Inhaber und Leiter der Firma B. G. Pflugbeil & Co. ist jetzt Kommerzienrat und Rittergutsbesitzer von Buschwitz bei Torgau und Bernsdorf bei Plaue Herr Christian Gottfried Seeber – er kauft die angrenzende Schneidemühle und baut an deren Stelle 1809 eine Baumwollspinnerei.
1811 Betriebsbeginn
1815 Seeber übergibt die Baumwollspinnerei und Bleiche in Plaue und die Kattunmanufaktur in Chemnitz den Geschwistern Ernst Iselin und Peter Otto Clauß. Sie führen sie weiter unter dem Namen Benj. Pflugbeil & Co..
1816 Bei der Firma Benj. Pflugbeil & Comp. In Plaue sind 32 Arbeiter beschäftigt
1828 Die Brüder trennen sich geschäftlich. Ernst Iselin übernimmt die Firma in Plaue allein, unter der neuen Firmierung E. I. Clauß. Hauptabsatzkunden sind Strumpf- und Handschuhfabrikanten in Chemnitz und Umgebung.
Peter Otto übernimmt die Kattunfabrik in Chemnitz, weiterhin unter dem Namen Benj. Pflugbeil & Co..
1832 Iselin Clauß gründet in Plaue eine eigene Fabrik- Kranken- und Unterstützungskasse, zahlt Krankengeld Arztkosten und steuert zu Begräbniskosten bei. Wer 4 Jahre die Kasse nicht in Anspruch genommen hat, bekommt die halbe Einsteuer zurückgezahlt.
1887 Es wird ein neues Spinnereigebäude errichtet.
1896 Die Firma besitzt 19 Arbeiterwohnhäuser für 76 Familien.
Zu den 19 Häusern kommen bis 1909 noch 13 Häuser mit 81 Wohnungen dazu, es wird 1909 eine Arbeiterwohnhausgruppe mit 4 selbständigen Gebäuden mit insgesamt 18 Wohnungen gebaut.
1910 Der Ort Plaue/Bernsdorf zählt 2.796 Einwohner, bei der Firma sind 1908 1140 Arbeiter beschäftigt.
1939 Kriegsbeginn. Ein Teil der Zwirnerei wird stillgelegt und als Teilrüstungsbetrieb für die Fertigung von Flugzeugteilen umgebaut.
1943 Alle Baumwollbestände sind erschöpft, die Produktion wird vollständig auf Zellwolle umgestellt.
1945 06.06. - Der Betrieb nimmt die Produktion mit 410 Beschäftigten wieder auf, wöchentliche Arbeitszeit von 28 bis 33 Stunden.
1946 Die Firma wird entschädigungslos enteignet und nennt sich “Landeseigener Betrieb"
1947 Im Sommer trifft in Flöha die erste sowjetische Baumwolle ein.
Die Zahl der Belegschaftsmitglieder erhöht sich auf 1060, das bedeutet der
3-Schicht Betrieb kann aufgenommen werden.
1949 Gründung einer Betriebsschule,
1953 Gründung des VEB Baumwollspinnerei Flöha, der Betrieb entstand aus dem Zusammenschluß der Baumwollspinnereien Falkenau, Gückelsberg, Hohenfichte und Plaue, dadurch entstand ein Betrieb mit über 3000 Beschäftigten.
zw.1954 Es erfolgten erste große Rekonstruktionsmaßnahmen, dabei kamen neue
und 1956 Maschinen des Textima Spinnereimaschinenbaus Karl-Marx-Stadt zum Einsatz.
1956 Im VEB Baumwollspinnerei Flöha werden fast 100.000 to Baumwolle verarbeitet, 90% davon stammen aus der Sowjetunion.
1958 Gründung der VVB Baumwolle
1970 Die Gebäude der Firma sind Denkmale des Kreises Flöha, denn die Baulichkeit des VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien Flöha, Werk I Plaue demonstrieren die Industrielle Entwicklung von Anfang des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhunderts. Ältester Bauteil ist die 1809 erbaute viergeschossige Spinnmühle mit hohem, weitere vier Geschosse umfassendem Mansardendach und Dachreiter. Der westliche fünfgeschossig Erweiterungsbau von 1815, das zweigeschossiges Selfaktorengebäude von 1863, das Anfügen des östlichen dreigeschossigen Baues von 1887, außerdem eine Werkssiedlung mit 60 Wohnhäusern.
1971 Bildung des VEB Vereinigte Baumwollspinnerei und Zwirnereien Flöha – Kurzbezeichnung VBSZ – Flöha.
1988 Die Produktion der Zwirnerei wird eingestellt, gleichzeitig kommen neue Spulenautomaten zur Aufstellung.
1994 Die Produktion wird nach einer Entscheidung der Treuhandanstalt in die Feinspinnerei Venusberg verlagert, damit erfolgt die Stillegung des Betriebes im Dezember 1994 und das Ende einer 185-jährigen Produktion.
2000 Auf dem 7 ha großen Gelände befindet sich der Städtische Bauhof.
Sept.2000 - Neue Hoffnung für die „Alte Baumwolle“, die Stadt kauft von der Treuhandliegenschaftsgesellschaft das 7 ha große Areal für den symbolischen Preis von 1 DM.
In den nächsten 15 Jahren soll hier ein Zentrum für die Stadt Flöha entstehen.
Flöha, Fabrikweg 4
Gründungjahr : 1819
Fabrikationsbeginn: 1822 als zentralisierte Manufaktur in Chemnitz
Durch : Gottlob Ferdinand Heymann
Entwicklung:
1819 bis 1919 G. F. Heymann OHG
1828/1829 Weil die Entwicklungs- und Expansionsmöglichkeiten in Chemnitz Chemnitz bis 1885 weitergeführt. G. F. Heymann kaufte von der Firma Gebr. Fiedler aus Oederan Land in Gückelsberg mit dem Wassernutzungsrecht für 1500 Taler. Er lässt unterhalb der von den Oederaner Tuchfabrikanten betriebenen Walkmühle ein 5stöckiges Spinnereibebäude errichten, der Bau wurde 1830 vollendet. Die Spinnerei hat
eine Kapazität von 7000 Spindeln. Die Maschinen werden mit Wasserkraft betrieben. Es sind 110 Erwachsene und 46 Kinder beschäftigt
1850 Es werden überwiegend Strumpfgarne produziert
1859 Eine Fabrikschule im Walkmühlengebäude wird eröffnet.
1883 Ferdinand Richard Heymann wird zum Königlich Sächsischen Kommerzienrat ernannt.
1884 die Söhne Friedrich Ferdinand Richard und Theodor Eugen treten als
Teilhaber in die Firma ein - sie waren vorher Prokuraträger.
01.08.1885 Das Hauptkontor wird von Chemnitz nach Gückelsberg verlegt.
1916 Das Spinnen von Baumwollgarnen wird eingestellt. Es werden Papiergarne hergestellt.
1917 Die Firma wird stillgelegt.
1919 Friedrich Ferdinand Richard und Theodor Eugen Heymann scheiden aus Altersgründen aus der Firma aus.
Die stillgelegte Firma wird an den Stadtrat William Schulz verkauft.
Die OHG wird in eine Kommanditgesellschaft gewandelt. Alleiniger, persönlich haftender Gesellschafter ist Stadtrat William Schulz, der gleichzeitig Direktor der Zschopauer Baumwollspinnerei ist. Die Produktion wird wieder aufgenommen.
Nach 4 Monaten sind in der Firma 306 Arbeiter und 16 Angestellte einschließlich der 2 Prokuristen beschäftigt.
1927 Umwandlung in die Firma William Schulz AG
1945 Die Spinnerei wird enteignet.
1946 Auf dem Grundstück der Baumwollspinnerei wird der erste Kindergarten eröffnet
1948 Die Enteignung ist rechtskräftig, die Firma heißt ab sofort VEB Baumwollspinnerei Spinnerei Gückelsberg
1953 Die Spinnerei heißt jetzt VEB Baumwollspinnerei Flöha - Produktionsstätte Gückelsberg.
1954/55 Es werden Rekonstruktionsmaßnahmen durchgeführt, die Ringspinn-maschinen werden modernisiert und es wird eine Luftbefeuchtungsanlage eingebaut.
1962 Mit der Sortimentsbereinigung im VEB Baumwollspinnerei Flöha wird in Gückelsberg nur noch Garn aus 100% Viskose hergestellt.
1971 Bildung des VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien Flöha – VBSZ Flöha, die Spinnerei Gückelsberg ist ein Teilbetrieb.
1990 die Firma wird stillgelegt
1991 Das Spinnereigebäude wurde an eine Handelseinrichtung verpachtet.
2000 Die Gebäude stehen leer, sie wurden im September 2000 von der Stadt Flöha für den symbolischen Preis von 1 DM von der Treuhandliegenschaft gekauft und harren nun einer neuen Verwendung.
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
OEDERAN
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OEDERAN
Der Stadt Oederan kommt eine bedeutende Stellung als Textilstandort zu. Die Geschichte der Stadt ist seit altersher eng mit der Textilindustrie verbunden. Von den Band- und Bortenwirkern des Mittelalters, von den Tuchmacher- und Weberzünften, von den selbständigen Heimwebern und den abhängigen Heimarbeitern bis hin zu den großbetrieblichen Formen der Spinnerei-, Weberei und Nähfadenindustrie bestimmte die Herstellung von Textilien einen Hauptzweig der gewerblichen Tätigkeit und prägte Menschen und Landschaft.
Kunstvolle Besatzartikel für Gewänder wie Borten, Bänder, Tressen, Schnüren und Fransen wurden von den Band- und Bortenwirkern hergestellt. Erst nach der Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung Posamentierer durch und kennzeichnete offenbar die Herstellung der „reichen Arbeit“ der Gold- und Silberborten, während der Bandmacher auf die einfacheren Borten beschränkt blieb. Die Kleidermode des Barock verhalf der Bandproduktion zu einem starken Aufschwung. Aus diesem Gewerbe bildete sich die Tuchmacherei.
1457 wird die Innung der Tuchmacher genannt.
1505 wird neben der Tuchmacherinnung die Innung der Weberei erwähnt. Die Tuchmacher- und Weberinnung waren eng miteinander verwachsen. Gesetzliche Verordnungen wurden zusammen erlassen. Die Blütezeit beider Innungen fällt etwa in die Zeit kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg.
nach 1624 gab es 330 Tuchmachermeister in Oederan. Der zweite Aufschwung der Innungen war im 18. Jahrhundert zu verzeichnen. Die Tuchmacherinnung erstarkte nach dem Siebenjährigen Krieg so, daß zwei Walkmühlen benötigt wurden. Die Mühlen lagen am Hetzbach.
1899 wurde zum letzten Mal in der Thiemendorfer Mühle Tuch gewalkt, da die aufstrebende Industrie mit eigenen Walken die Mühle überflüssig machte.
1854 wurde von der Weberinnung eine Webschule ins Leben gerufen. Für Tuchmacher- und Weberlehrlinge unter 18 Jahren war der Besuch Pflicht. Die Kosten der Ausbildung trugen Weber- und Tuchmacherinnung, der Gewerbeverein und die Stadt. 1892 wurde die Schule aufgrund mangelnder Teilnahme aufgelöst. Im Webermeisterhaus wurden zeitweise 100 Schüler unterrichtet.
1770 als im 18. Jahrhundert über Chemnitz die Baumwolle in unser Wirtschaftsgebiet kam, führte die Familie Böhme die Baumwollfabrikation in Oederan ein.
1811 Den bedeutendsten Anteil an der Entwicklung der Baumwollspinnereien in Oederan zu Beginn des 19. Jahrhunderts nimmt die gegründete Baumwollmaschinenspinnerei von Fiedler und Lechla ein.
bis 1914 weist die wirtschaftliche Entwicklung Oederans seit der Jahrhundertwende die Ansiedlung größerer und mittlerer Industriebetriebe auf. Neue Fabrikanlagen wurden gebaut oder vorhandene Gewerbebetriebe genutzt. Erwähnt seien hier die Leineweberei Salzmann & Comp. und die Zwirnerei und Nähfadenfabrik Erwin Kabis.
1989/90 mit der politischen Wende kam es zu entscheidenden Veränderungen in der Struktur der Industrie der Stadt Oederan. Einige Betriebe wurden stillgelegt, andere wieder privatisiert, und es kamen auch neue Firmen hinzu.
Die Recherche des Zeitraumes von 1750 bis heute ergab, daß 238 Handwerksmeister und firmen der Textilindustrie namentlich und in zeitlicher Reihenfolge nachweisbar sind.
Familie Fiedler – angesehene Vertreter der heimischen und auswärtigenTextilindustrie
Adolph Gottlob Fiedler
Quelle: Geschichte der Stadt Oederan von Richard Rentsch
Adolph Gottlob Fiedler war vor mehr als 200 Jahren eine markante Persönlichkeit nicht nur der Stadt Oederan, sondern auch im ganzen sächsischen Industrieleben.
Die Familie Fiedler waren hervorragende Vertreter der heimischen und auswärtigen Industrie und auch lange Jahre hindurch einflußreiche Stadträte und Bürgermeister von Oederan.
Die Geschichte kann bereits seit 1543 den Namen Fiedler unter den Vertretern der Stadt und bis etwa 1900 die Angehörigen der Fam. Fiedler als Bürgermeister, Stadtrichter, Stadtälteste, Stadtschreiber und Stadtverordnete nachweisen.
Der noch heute am meisten hervortretende Name aus dieser verzweigten Familie ist Adolph Gottlob Fiedler. Er wurde geboren am 11. August 1771 als ältester Sohn Christian Gottlob Fiedlers, gestorben ist er am 12. August 1850. Er war wohl der angesehenste Mann in Oederan.
Fiedler, der größte Industrielle der damaligen Zeit in Oederan, besaß seit 17. Februar 1797 ein Fabrikgebäude auf der großen Kirchgasse und seit 24. Februar 1803 noch ein zweites auf dem Altmarkt. Durch die Großen Gärten beider Grundstücke konnte man bequem von einer Fabrik zur anderen gelangen.
Außerdem besaß A. G. Fiedler noch die Wollspinnereien zu Wingendorf und Görbersdorf und mit Lechla zusammen die Baumwollspinnereien zu Scharfenstein und Wegefarth. Auch in Polen war eine Fabrik sein Eigentum. Über 300 Arbeiter, eine für die damalige Zeit große Zahl, beschäftigte Fiedler.
Am 2. Oktober 1822 erbaute Fiedler auf dem Grundstück des Erbmüllers Stöhr in Gückelsberg dicht am Mühlgraben Maschinen- und Wohngebäude und errichtete dazu die nötigen Wassereinbauten und Wasserräder.
Am 12. Juni 1823 verpachtete Stöhr weiter an August Friedrich Ferdinand Fiedler und dessen Bruder Christian Fürchtegott Fiedler, beide in Firma Gebrüder Fiedler, Tuchfabrikanten in Oederan, zur Erbauung einer Walkmühle. Diese wurde 1856 an den Spinnereibesitzer G. F. Heymann weiterverkauft.
Adolph Gottlob Fiedler hinterließ 3 Söhne, die Fabrikbesitzer Gustav Fiedler in Dresden, Eduard Fiedler in Opotoweck und Herrmann Fiedler, der zugleich Rittergutsbesitzer von Crostewitz bei Leipzig war.
Fiedler und seine ganze Familie waren Wohltäter der Stadt Oederan: Schenkungen an die Kirche, Stiftungen größerer Geldbeträge wie z. B. zum Bau der Schule.
Zu Ehren Adolph Gottlob Fiedlers wurde etwa 1908 eine neue Straße in Oederan „Fiedlerstraße“ genannt.
Große Kirchgasse 2 Altmarkt
Baumwollspinnerei, Adolph Gottlob Fiedler, 2. Fabrikgebäude, gegründet 1803, am
gegründet 1797, Große Kirchgasse 2 Altmarkt
Bedeutende Textilstandorte – noch arbeitende Firmen
Verbandwattefabrik Breitenau – jetzt: Oederan, Ringstraße 16
Fabrikation: Verbandwatteproduktion, Damenhygieneartikel
Früher: Chemische Bleicherei
Gegründet: 1876 als Firma erstmals erwähnt
1903 Firma Arno Weiske
Entwicklung:
1876 erstmals erwähntEs wurden vorwiegend Baumwolle und Garne gebleicht.
1889 Verbandwattefabrik Breitenau GmbH
entstanden aus der Färberei Rothe
1903 erscheint die Firmierung, Arno Weiske, Chemische Bleicherei, Breitenau
1913 Bauliche Vergrößerung
seit 1928 ist die Firmenbezeichnung Verbandwattefabrik GmbH benannt
1938 wurde die Firma von Dr. Ganss erworben und heißt Verbandwattefabrik Breitenau, Dr. Ganss KG.
Spezialisierung: Verband- und Polsterwatten, Chemische Bleicherei
1945 Beschlagnahmung des Betriebes entsprechend dem Potsdamer Abkommen schon vor dem Volksentscheid
1948 Verbandwattefabrik Breitenau
Industrieverwaltung Spinnereien – Volkseigene Betriebe Sachsens
1951 Verbandwattefabrik Breitenau Vereinigung Volkseigener Betriebe Vigognespinnereien und Großgarnindustrie
ab 1975 schrittweise Modernisierung des Maschinenparks Anfang der 80-er Jahre – Herstellung der ersten Silvi Slipeinlagen
1991 Reprivatisierung des Betriebes Richard Ganss übernimmt das Erbe seines Vaters. Einsatz neuer Maschinen bilden Grundstein für eine marktgerechte Produktion hochwertiger Damenhygieneartikel.
1992 Eröffnung eines Ladengeschäftes in St. Petersburg. Kurz danach Gründung einer Filiale und Eröffnung eines Büros in St. Petersburg
1996 übernahm die nachfolgende Generation von Richard Ganss, sein Sohn Dr. Michael Ganss und Schwiegersohn Dr. Wolfgang Swiridoff, als Geschäftsführer die Verantwortung für die Verbandwattefabrik Breitenau GmbH. Beginn des Neubaus der Fabrik im Oederaner Gewerbegebiet „Am Galgenberg“
1997 Grundsteinlegung für das Tochterunternehmen HYCOS GmbH im Gewerbegebiet Oederan.
Produktion von Damenhygieneartikeln für den heimischen Markt und den Ländern der Gus unter der Marke Silvi
Juli 2000 Verkauf des Unternehmens an die Belgische Ontex-Gruppe und Weiterführung der Produktion
Oederan, Bahnhofstraße 31
Fabrikation: Nähfadenproduktion
Gegründet: 08.04.1909
Beendet: 1994 Übernahme des Nähfadenbereiches durch neuen
Eigentümer „Alterfil“ Nähfaden GmbH Oederan
Entwicklung:
1909 Produktionsbeginn mit 20 Arbeitskräften;
1910 1921 – 1923 weitere beachtliche Erweiterungen: Mittel- und Eckgebäude, ein Kesselhaus und das Färbereigebäude wurden errichtet. Zum Antrieb der Maschinen erfolgte die Montage einer Dampf- und Krafterzeugungsanlage.
1925 beschäftigte das Unternehmen etwa 500 Arbeitskräfte im Zwei- und Drei-
schichtturnus. Hergestellt wurden alle auf dem Markt befindlichen Nähfaden-
sorten.
1926 Aufgrund der instabilen Wirtschaftslage überschuldete sich die Firma.
Erwin Kabis kann seinen Betrieb nicht mehr in der alten Struktur führen.
Es erfolgte deshalb mit noch weiteren Betrieben die Bildung des Konzern-
betriebes der Vertriebsgesellschaft Deutscher Baumwoll-Nähfadenfabriken
GmbH München.
1943 mußte aufgrund der totalen Mobilmachung während des Krieges die Nähfadenproduktion eingestellt werden. Die Autounion Chemnitz belegte die Produktionsräume und fertigte Kriegsgüter. Im Gebäude der Färberei wurde eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenburg für jüdische Frauen und Mädchen eingerichtet. Sie arbeiteten in der Rüstungsproduktion.
1946 erfolgt lt. Befehl die entschädigungslose Enteignung und Überführung des Betriebes in Volkseigentum wegen Rüstungsproduktion während des Krieges.
1950 Die Produktion stieg auf 487 t Nähfaden. Es waren 386 Arbeitskräfte
beschäftigt, davon über 80 % Frauen.
Im Laufe der Zeit hat es verschiedene Zuordnungen zum VEB Zwirn- und Nähfadenfabrik Oederan gegeben:
1971 Großbetrieb VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien – VBSZ –
gebildet und der VEB Zwirnerei und Nähfaden Oederan mit noch 8 weiteren Betrieben diesen angeschlossen
1990 erfolgte die Privatisierung als Oederaner Nähfaden GmbH. Von den 15 bisherigen Produktionsstätten produziert nur noch das Hauptwerk in Oederan
an der Bahnhofstraße mit 75 Beschäftigten. Die angeschlossenen Produktionsstätten wurden teilweise reprivatisiert (keine Textilbranche) oder stillgelegt.
1994 Reprivatisierung
Unter dem Firmennamen ALTERFIL Nähfaden GmbH Oederan werden nach wie vor Nähfäden, Webzwirne sowie Handarbeits- und Stopfgarne hergestellt.
Der Name entstand aus dem neuen Nähfaden „Alterfil“, welcher in zweijähriger Forschungsarbeit entwickelt wurde. Geschäftsführer ist Herr Tillner, Hermann, Diplom-Kaufmann aus Augsburg.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Oederan, Enge Gasse 26
Das Webermeisterhaus
Webermeisterhaus, Enge Gasse 26, Oederan Weberinnungszeichen
1505 Gründung der Weberinnung
1767 Das Webermeisterhaus wurde auf einer Brandstelle von Gabriel Weigand errichtet Ecke „Enge Gasse“ / „Webergasse“
In dem fertiggestellten Meisterhaus wurde eine Herberge errichtet, in der durchreisende Webergesellen Nachtquartier, Speisen und Trank gegen mäßiger Bezahlung erhielten; als Herbergsvater wurde ein Innungsmeister eingesetzt.
1854 wurde eine Webschule ins Leben gerufen; zuweilen waren 100 Schüler
im Webermeisterhaus.
1882litt die Schule unter ihren lokalen Mängeln, so daß ein Umzug in neue Räume
am Altmarkt erfolgte; 1892 wurde die Schule aufgrund mangelnder Teilnahme
aufgelöst.
1902 –
1920 Besitzer der Hauses ist Otto Julius Diendorf
danach geht es in städtischen Besitz über.
Oederan, Enge Gasse 12
Enge Gasse 12
Fabrikation: Färberei, Dampffärberei,
Färberei und Bleicherei von Baumwolle, Kunstseide, Zellwolle am Strang
Gegründet: 1855 vom Vater übernommen
Beendet: 31.01.1969
Entwicklung: In Oederan waren hauptsächlich Schwarz- und Schönfärber ansässig. Das Handwerk blieb oft über Generationen in einer Familie.
1827 übernahm Gustav Lebrecht Trübenbach, ein Färbmeister aus
Mittweida, die Färberei der Fam. Köhler im Grundstück Markt 3, die
dort schon fast 100 Jahre bestand.
1855 wurde sie vom ältesten Sohn Eduard Robert Trübenbach
weitergeführt, der sie in die Enge Gasse verlegte.
1937 Spezialisiert auf Färberei von Baumwolle, Leinen, Jute, Kunstseide, Wolle usw. im Strang sowie loser Baumwolle
Vertrieb von Zelten, Planen, Pferdedecken usw.
1945 Wiederinbetriebnahme der Firma
1969 wurde die Produktion eingestellt. Das Gebäude und die Beschäftigten wurden von der Firma Polyplaste Plastverarbeitung Rolf Spranger KG - Oederan übernommen.
Oederan, Seilergasse 5
Fabrikation: Chenillefabrik und Weberei
Seidener Chenille-Artikel: Fichus, Chales, Echarpes
Gegründet: 1896
Beendet: 1926 Konkurs
Entwicklung: Künzel mietet Arbeitssaal des damaligen Flach`schen Grundstückes
(heutiges Wohnhaus) und gründete eine Weberei von Chenilletüchern
Künzel hatte eine Tochter von Flach zur Frau.
1900 kaufte Künzel das Hausgrundstück
1903 erwarb er die neben dem Wohnhaus befindliche Fabrik, die
1904 einen größeren Anbau erhielt
1919 Übernahme der Maschinen von Martin Lötsch
1926 Konkurs Inhaberin war die Witwe Künzel
1928 Künzel, Rudolf, Lohnweberei
vorher: 1844 Lechla, Flanellfabrik
1890 Flach, Deckenweberei
später: Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Schubert
Konsumbäckerei
heute: Feinback GmbH Oederan
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
AUGUSTUSBURG
UND UMGEBUNG
__________________________________________________________________________
AUGUSTUSBURG UND UMGEBUNG
Mit Beginn der Industrialisierung am Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden in der Umge-bung von Augustusburg zahlreiche Betriebe der Textilindustrie, meist Spinnereien, die die Wasserkraft der Flüsse Zschopau und Flöha nutzten.
In Augustusburg war die Handweberei über Jahrhunderte wichtigster Erwerbszweig, bevor sich die allmähliche Wandlung Augustusburgs zum Fremdenverkehrsort vollzog.
In Erdmannsdorf, heute Ortsteil von Augustusburg, war die Baumwollspinnerei ca. 170 Jahre lang ansässig.
Bedeutendes Unternehmen war die Spinnerei Arno und Moritz Meister AG, die über 4 Werke in Erdmannsdorf verfügte.
In Kunnersdorf wurde 1859 die älteste Wattefabrik Sachsens gegründet, in der heute noch
die Flexitex GmbH produziert. Die Grobgarnspinnerei Weißbach und die ehemalige Uhlmannsche Wattefabrik schlossen sich 1964 zusammen. Heute wird noch an beiden Standorten unter dem Namen Vlifotex GmbH produziert.
Die alte Spinnerei in Hennersdorf steht unter Denkmalschutz und wird heute als
Werk- und Studienzentrum genutzt. Zwischen Witzschdorf und Hennersdorf, am Ufer der Zschopau, produzierte um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Spinnerei „Schönthal“.
In Hohenfichte gründete Max Hauschild 1833 eine Baumwollspinnerei und Zwirnerei, die sich zu einem bedeutenden Großunternehmen entwickelte und Ende des 19. Jahrhnderts über 700 Menschen beschäftigte. Heute ist die Spinnerei in Hohenfichte als Denkmal der Indu-striearchitektur geschützt, seit der Privatisierung 1995 werden hier nach modernsten Tech-nologien feinste Garne hergestellt.
Die Wattefabrik Otto Richter KG ist der zweite noch produzierende Textilbetrieb in Hohenfichte.
In Schellenberg arbeitete fast 100 Jahre die Baumwollspinnerei Trübenbach und Reißig.
1934 entstand in den ehemaligen Fabrikräumen der Spinnerei die Zwirnerei Michalke und nachfolgend das Zweigwerk des VEB Zwirnerei und Nähfaden Oederan.
Auf dem früheren Gelände der Höllmühle waren verschiedenen Textilunternehmen, darunter die Wattefabrik Kuhn, die Reißspinnstoff Fabrik Tölkner und verschiedene Strumpffabri-kanten, existent.
Diese Textilunternehmen prägten die Region im Zeitalter der Industrieproduktion wesentlich. Die Firmengeschichten geben Einblick in die damals herrschenden Lebens- und Arbeits-bedingungen und deren Entwicklung in den letzten zwei Jahrhunderten.
Bedeutende Textilstandorte – noch arbeitende Firmen
Leubsdorf, OT Hohenfichte – Fabrikweg 1
Lage im Ort: OT Hohenfichte, am Flöhaufer nahe des Bahnhofs
Gründung: 1833
durch: Max Hauschild und Wilhelm Pansa
Entwicklung: Max Hauschild erwarb sich nach der Lehrzeit in einem Dresdener
Materialwarengeschäft Fachkenntnisse in den Baumwollspinnereien
bei Evans in Geyer, Greding in Hennersdorf und Heymann in
Gückelsberg. Er besaß einen eigenen kleinen Spinnereibetrieb
In einer gepachteten Mühle in Falkenau.
1833 kaufte Max Hauschild das Grundstück und erwarb das Nutzungsrecht
für Teile der Wasserkraft der an der Flöha in Hohenfichte gelegenen Mühle. Gemeinsam mit Wilhelm Pansa begann er mit dem Bau der Spinnnerei.
1834 betrieb das Unternehmen zunächst Lohnspinnerei mit 1.920 Spindeln.
1842 bis 1851 wurde der Vertrieb der Garne von der Spinnerei Carl August
Tetzner und Sohn in Schweizerthal übernommen.
1853 schied Wilhelm Pansa aus der Firma aus. Max Hauschild, nun alleiniger Inhaber, baute den Betrieb weiter aus
1874 In der Nähe der Fabrik ließ Max Hauschild Wohnhäuser für die
Beschäftigten errichten. Außerdem waren bereits eine Krankenkasse,
eine Sparkasse für Fabrikangehörige und eine Altersversorgung
vorhanden.
Das seit 25 Jahren bestehende Kontor in Chemnitz wurde nach Hohenfichte verlegt.
Trotz Baumwollkrise während des amerikanischen Bürgerkrieges, die
zeitweilig eine Einschränkung der Produktion bewirkte, wurde das
Unternehmen ständig erweitert.
1861 trat der Sohn Max und
1868 der Sohn Oskar in die Firma ein
Um die Jahrhundertwende hatte sich die Firma zu einem bedeutenden
Großbetrieb entwickelt. Alleiniger Inhaber war Max Julius Hauschild,
der Sohn von Oscar Hauschild.
1900 Die Spinnerei arbeitete mit 11.400 Spindeln, die Zwirnerei mit
17.000 Spindeln. Die Jahresproduktion betrug
375,3 Tonnen Garn. Die Produktion von Zwirn lag bei 668,1 Tonnen.
1945 Wurde die Baumwollspinnerei durch die Sowjetische Militäradministration treuhänderisch verwaltet. Damals liefen in der Spinnnerei 5.000 Ringspindeln und 3.900 Zwirnspindeln.
1946 Übergang des Unternehmens in das Eigentum des Landes Sachsen
durch Volksentscheid.
1953 Der VEB Baumwollspinnerei Hohenfichte wurde gebildet.
Es erfolgte die Angliederung an den VEB Baumwollspinnerei Flöha.
1954 arbeiteten ca. 1.000 Personen in der Spinnerei.
1990 Umwandlung des VEB Vereinigte Baumwollspinnereien und Zwirnereien in die Aktiengesellschaft
„Sächsische Baumwollspinnereien und Zwirnereien AG“.
Gesellschafter war die Treuhandanstalt Berlin. Verschiedene Werke mußten stillgelegt werden, die Belegschaft wurde reduziert.
Das Werk Hohenfichte gehörte mit den Werken Venusberg, Falkenau und Mittweida zu den überlebensfähigen Werken, die aus der AG ausgegliedert und zur Sächsischen Baumwollspinnerei Mittweida GmbH zusammengefaßt wurden. Die GmbH beschäftigte 400 Mitarbeiter.
1993 entstand im historischen Hauptgebäude eine hochmoderne Ringspinnerei.
1995 Seit der Privatisierung im Januar 1995 werden feinste Garne nach modernsten Fertigungsverfahren für die Produktion von Trikotagen, Oberbekleidung und Wäsche hergestellt.
Augustusburg, OT Erdmannsdorf – Kleinolbersdorfer Str. 5
1856 zerstörte ein Brand die Spinnerei von Gustav Albert Proßwimmer vollständig. Sie wurde sofort wieder neu errichtet.
1856 erwarb Albin Schreiber die Mühle und die Spinnerei und begann zunächst mit der Herstellung von Polsterwatte.
1859 begann er mit der Produktion medizinischer Watten.
Die ausgezeichnete Wasserqualität des Schwarzbaches eignete sich bestens zum Bleichen der Baumwolle
1895 besaß Albin Schreiber eine eigene lose Faserstoffbleicherei in seiner Fabrik, die sich zu einer der größten Bleichereien in der Region entwickelte und die Basis für die weltweit bekannten Schreiberwatten war. 60 % der Produkte wurden exportiert.
1905 kauften die Brüder Theodor und Linus Schuffenhauer das Unternehmen
und erweiterten es in den Folgejahren. Zur eigenen Bleicherei kam eine eigene Färberei. Neben medizinischen Watten wurden auch technische Watten hergestellt
Vor dem 2.Weltkrieg gehörte die Firma Schreiber zu den bedeutendsten Herstellern von Verbandswatten in Deutschland. 60% des Bedarfs an Milchfilterwattescheiben wurden durch das Unternehmen gedeckt.
1945 war die Firma der größte Produzent von Polsterwatte für die Möbelindustrie.
1959 nahm das Unternehmen staatliche Beteiligung auf, um den Fortbestand der Firma zu sichern.
1972 Am 17.4.1972 erfolgte die Verstaatlichung des Unternehmens.
1975 Bis 1975 wurde unter dem Namen „VEB Verbandwatte Erdmannsdorf“ produziert.
1976 wurde der Betrieb an den „VEB Vliestextilien Lößnitztal“ angegliedert.
Die juristische Selbständigkeit ging damit verloren, es erfolgte die Spezialisierung von 30 Wattearten auf 3 Watten, auf Hygienewatte, Augenwatte und Autopolierwatte.
1989 Antrag auf Reprivatisierung des Unternehmens.
1993 das Unternehmen ist reprivatisiert und arbeitet unter dem Namen
A. Schreiber GmbH.
Geleitet wurde das Unternehmen von Herrn Niescher und den langjärigen Mitarbeitern Herrn Heinz Uhlig und Frau Ursula Wolf.
1995 In der Firma waren 22 Mitarbeiter beschäftigt.
1999 Im November 1999 gründete Carmen Uhlmann in der ehemaligen
Wattefabrik die Flexitex GmbH.
Sie beschäftigte 6 Mitarbeiter.
Das Sortiment der Flexitex GmbH umfaßt neben technischen Textilien
Watten für den veterinärmedizinischen Bedarf, für die Kosmetik, für das Friseurhandwerk und für den Laborbedarf.
Neu in der Produktpalette sind Vliese für Sportgeräte und für den industriellen oder den häuslichen Bedarf.
Das Unternehmen arbeitet heute noch.
Augustusburg, OT Erdmannsdorf – Dittmannsdorfer Str. 9
1864 Bau des Fabrikgebäudes in der Dittmannsdorfer Straße durch Eduard Neubert zur Herstellung von Baumwollwatte.
1887 wurde die Fabrik an Eduard Uhlmann verkauft.
1904 Einrichtung einer Holzdreherei
1905 Richard Curt Weißbach trat in die Fabrik ein.
Der Betrieb arbeitete unter dem Namen Uhlmann und Weißbach.
Erweiterung zur Baumwollabfallspinnerei, 15 Arbeiter waren beschäftigt. Die Arbeitszeit betrug 11 Stunden täglich. Es wurde zweischichtig gearbeitet.
1916 Trennung der beiden Teilhaber Hugo Uhllmann und Curt Weißbach,
neuer Firmenname: „Grobgarnspinnerei Curt Weißbach“,
1921 Ausbau des Gebäudes, Erweiterung des Maschinenparks,
1922 Zusammenschluß mit einer Weberei aus Oederan zur
Carl Richard Böhme-Weißbach AG.
1931 Konkurs der Firma
1933 Herbert Weißbach erwarb bei der Versteigerung den Betrieb seines Vaters und begann mit 9 Arbeitern wieder zu produzieren.
1952 In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Textiltechnologie
Entwicklung des Erzeugnisses „Runotex“, ein Dämmstoff für den
PKW Trabant,
Schaffung neuer Produktionsanlagen,
1962 arbeitete der Betrieb mit staatlicher Beteiligung unter dem Namen
„Grobgarn-Runotex KG“,
Aus Kapazitätsgründen mußten neue Produktionsräume gesucht werden. Es kam zum Zusammenschluß mit der Reißbaumwollfabrik Uhlmann,Talstraße 15, zu der langjährige gute Geschäftsbeziehungen bestanden.
1972 Überführung des Unternehmens in Volkseigentum,
„VEB Grobgarn-Runotex“.
1973 begann die Herstellung von Malimo-Erzeugnissen,
die Grobgarnproduktion wurde verlagert, als neues Erzeugnis wurde Maliwatt produziert.
1976 Angliederung an den VEB Technische Filze Wurzen,
Erweiterung des Sortimentes, Filtervliesstoffe, Einlagestoffe für Kälteschutzkleidung, Füllstoffe für Polsterwaren und technische
Textilien für die Fahrzeugindustrie wurden hergestellt.
1990 Liquidation des Betriebes,
1992 Gründung der Vlifotex GmbH.
Augustusburg, OT Erdmannsdorf – Talstraße 15
1864 Gustav Albert Proßwimmer errichtete seine zweite Spinnerei in Kunnersdorf in der Talstraße 15.
1870 nach dem Verkauf an die Fa. Strobel wurde die Spinnerei zur Holzschleiferei umgerüstet.
1917 Verkauf der Holzschleiferei an Hugo Uhlmann, Bürgermeister von Kunnersdorf, desssen Sohn Georg Uhlmann den Betrieb im Jahr
1927 auf einen Reißereibertrieb umstellt.
Textilabfälle wurden zu Rohstoffen für die Grobgarn- und Watteherstellung verarbeitet.
1946 Hohe wirtschaftliche Bedeutung nach dem 2.Weltkrieg, Uniformen wurden zu Rohstoffen für die Verbandstoffherstellung verarbeitet.
Die Fasern wurden von der Firma Schreiber gebleicht und entfärbt.
1964 Zusammenschluß mit der Firma Runotex KG ( ehemals Grobgarnspinnerei Weißbach, Kunnersdorf ) zum Unternehmen mit staatlicher Beteiligung
1972 Verstaatlichung des Unternehmens VEB Grobgarn Runotex
1976 Angliederung an den VEB Technische Filze Wurzen
1990 Liquidation des VEB Technische Filze Wurzen
Entstehung der Vlifotex GmbH
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Augustusburg OT Erdmannsdorf - Kunnersdorfer Straße 3
Abb. links oben: Blick vom Ufer der Zschopau
Abb. rechts oben: Ansicht aus Richtung Kunnersdorf
Abb. links und rechts unten : Abriß von Gebäudeteilen
Lage im Ort: Ortsausgang, Richtung Kunnersdorf
Baujahr: Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert in verschiedenen Bauphasen
Kurzbeschreibung: Fabrikkomplex der ehemaligen Baumwollspinnerei mit Wohnhaus,ehemalige Baumwollspinnerei Arno und Moritz Meister AG,
1953 Weiterführung der Firma als Volkseigener Betrieb,
1960 Anschluß an den VEB Baumwollspinnerei Flöha,
ab 1991 teilweise als Schulungszentrum genutzt,
2000 teilweiser Abriß von Gebäuden bzw. Umbau zu Wohnungen
Augustusburg OT Hennersdorf - Bahnhofstraße 16 - 20
Abb. oben links: Spinnereigebäude
Abb. oben rechts: Blick zur ehemaligen Fabrikschule auf dem Spinnereigelände
Abb. unten: alte Fabrikansicht um 1855
Lage im Ort: im Ortsteil Hennersdorf
Baujahr: 1830
Kurzbeschreibung: Produktionsanlage der Baumwollspinnerei:
relativ schmucklos gestaltetes Fabrikgebäude mit Krüppelwalmdach, Teil eines Ensembles, bestehend aus einem flachen Nebengebäude, Gartenhaus und Brunnen
1830 - 1858 Baumwollspinnerei F. W. Greding,
1858 - 1888 Spinnerei Hösel & Co.,
danach branchenfremde Nutzung der Gebäude
Leubsdorf - Hammerleubsdorf
Talstraße 8
Lage im Ort: Ortsrand, Nähe Lößnitzbach
Baujahr: 1837
Kurzbeschreibung: Fabrikkomplex:
schlichtes fünfgeschossiges Gebäude,
rechtwinklig zum Hauptgebäude liegen die Fabrikantenvilla (um 1845 erbaut) und ein Nebengebäude
ab 1837 Boehme & Oehme, Baumwollfeingarnspinnerei,
später Zwirnerei Schnetger,
1924 Firma Erwin Kabis, Nähfadenfabrik Oederan
Standort
an der
Sächsische Textilstraße
ZSCHOPAU
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ZSCHOPAU
Bereits im 15. Jahrhundert waren die Leine- und Kattunweberei bzw. die Tuchmacherei bedeutende Erwerbszweige. 1510 schlossen sich die Tuchmacher zur Innung zusammen. Für die Innung der Zeug- und Leineweber wird 1634 als Gründungsjahr genannt. Das Aufblühen der Weberei bewirkte, daß in Zschopau vier Bleichen entstanden.
So errichtete Johann Michael Müller 1715 die Bleiche am alten Siechen. Die zweite Bleiche am Borngraben im Jahre 1778 geht auf Adam Gotthelf Oehme zurück. 1802 erwarb Johann Jacob Bodemer ein Grundstück an der Dischaumündung, um eine weitere Bleiche anzulegen und 1812 kommt noch durch Anders die Bleiche oberhalb der Ratsmühle hinzu.
Auch Strumpfwirkerei, Spinnerei und Kattundruckerei dienten der Bevölkerung zum Broterwerb. Zu späterer Zeit kommen Textilveredlung sowie die Trikotagen- und Wäschekonfektion hinzu.
Bedeutende Erfindungen wurden gemacht und fanden Eingang in den Produktionsprozeß. Die Baumwollspinnerei entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert zum führenden Zweig der Textilindustrie und machte Zschopau über Sachsen hinaus bekannt. Johann Jacob Bodemer als Begründer der größten Zschopauer Spinnerei, sein Sohn Jacob Georg Bodemer und Enkel Johann Georg Bodemer, die die Fabrik weiter ausbauen ließen, haben hierfür Bedeutendes geleistet.
Nachfolgend ein kurzer Abriß zur Geschichte der Textilindustrie in Zschopau:
1510 Gründung der Tuchmacherinnung
1634 Innung der Zeug- und Leineweber
1695 In Zschopau gibt es 128 Tuchmacher (darunter 6 Wohlhabende), 22 Leineweber, 12 Schneider, 8 Tuchscherer, 2 Seiler, 2 Walker, 1 Strumpfwirker, 1 Schwarzfärber, 7 Posamentierer
1787 Der Leineweber Johann Gottlob Pfaff konstruiert eine Wollkrempelmaschine und eine verbesserte Spinnmaschine.
1802 Johann Jacob Bodemer läßt das Haus Spinnereistraße 211 als Faktorei- und Wohngebäude („Herrenhaus“) errichten.
1818 Aufstellung eines mechanischen Webstuhles durch Heßler im Auftrag Bodemers, die zu Unruhen unter den Zschopauer Leinewebern führt. Diese fordern die Entfernung des mechanischen Webstuhles. Heßler erhält militärischen Schutz. Die sächsische Regierung stellt sich hinter Bodemer und läßt die Maschine weiter betreiben.
1819 Bodemer beginnt mit der Aufstellung von Spinnmaschinen. Seine Fabrik entwickelt sich zu einer der größten und modernsten sächsischen Baumwollspinnereien im 19. Jahrhundert.
1830 Gründung der Vereinigten Kattundrucker-und Formenstecher-Assoziation (erste gewerkschaftliche Organisation in Zschopau)
1833 Gründung einer Weberschule
1837 Karl Gottlob Graupner baut das Stoffdruckerei- und Wohnhaus Obere Mühlstraße 17 („Scheilhaus“).
1895 Es gibt in Zschopau nur noch 1 Tuchmacher.
1903 Gründung der Zschopauer Wirkwarenfabrik (Auenstraße 2)
Bedeutende Textilstandorte
Zschopau, Johannisstraße 64 u. 66 und Untere Mühlstraße 16
Bär, A. W. & Co. Kattundruckerei, Spinnerei, Weberei
1820 Gründung durch August Wilhelm Bär
1850 Sohn Wilhelm tritt in das Geschäft ein und ist ab 1855 alleiniger Inhaber Firmenname A. W. Bär
1859 Kauf von Gebäuden in der Johannisstraße (für Kattundruckerei) und Kauf der Ratsmühle
1860 Errichtung einer Baumwollspinnerei auf dem zur Ratsmühle gehörenden Gelände
1878 Gründung einer mechanischen Weberei zusammen mit Sohn Alexander
1883 A. W. Bär verstirbt, Firma jetzt A. W. Bär & Co. (Sohn Alexander Bär und hinterlassene Witwe als Teilhaber)
1893 64 Webstühle, produziert wurde baumwollenes Bettzeug (geschütztes Warenzeichen: gelber Leistenfaden), am 13. Januar brennt das Unternehmen völlig ab, man begann sofort mit dem Wiederaufbau, konnte sich aber nicht wieder völlig erholen.
1912 und in den Folgejahren wird die Firma an verschiedene Unternehmer verkauft.
1924 die Gornauer Strumpffabrik Max Kreißig richtet in der Unteren Mühlenstraße 16 ein Textilveredlungswerk ein.
1972 VEB Textilwerke Gornau, Werk Zschopau - bis 1990
Spinnerei Bodemer
1787 Gründung in Leipzig
1802 Gründung in Zschopau durch Johann Jacob Bodemer,
Grundstückskauf (Wiesen an der Tischaumündung) durch Imm. Gottlob Heßler im Auftrage Johann Jacob Bodemers zur Errichtung einer Bleiche
1805 Bau von Herrenhaus und Scheune, Gebäude zum Auskochen und Trocknen der Kattune, Walke mit Pferdegöpel
1818 Aufstellung eines mechanischen Webstuhls, Einbau eines Wehres in die Zschopau
1830 Johann Jacob Bodemer setzt sich zur Ruhe, Firmenübergabe an seine drei Söhne, Leitung nach Tod Heßlers durch Jacob Georg Bodemer
1833 in der Fabrik arbeiten 100 Arbeitskräfte
1836 Jacob Georg Bodemer kauft Firmenanteile seiner Brüder und ist jetzt alleiniger Inhaber
1862- 1865 es kommt in Folge des nordamerikanischen Bürgerkrieges zu Baumwollmangel und hohen Rohstoffpreisen, deshalb sind teilweise Betriebsstillegungen notwendig.
1871 wesentliche Vergrößerung der Spinnerei durch Neubau und Erweiterung älterer Gebäude
1872 Jacob Georg Bodemer setzt sich zur Ruhe und übergibt den Betrieb an seinen Sohn Johann Georg Bodemer und Schwiegersohn Wilhelm Dürfeld.
1913 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft - Zschopauer Baumwollspinnerei AG
1927 Erwerb des Zweigwerkes Zschopau als Werk II durch Zwangsversteigerung der Firmen Teichmannsche Fabrik, früher Hübner & Brückner
Übernahme der Baumwollspinnerei Gelenau AG als Werk III in das Zschopauer Unternehmen
1953 VEB Baumwollspinnerei Zschopautal: Werk I und Werk II in Zschopau und Werk III Gelenau
1960 Vereinigung der Baumwollspinnerei Zschopautal mit der Feinspinnerei Venusberg zum VEB Feinspinnerei Erzgebirge Venusberg:
Werk I: Venusberg (Drei und Vierzylinderspinnerei, Zwirnerei)
Werk II: Gelenau (Drei- und Vierzylinderspinnerei)
Werk III: Zschopau, Spinnereistraße (Drei- und Vierzylinderspinnerei)
Werk IV:Zschopau, Krumhermersdorfer Str./ Am Zweigwerkufer (Zweizylinderspinnerei, Zwirnerei)
Werk V: Tannenberg (Drei- und Vierzylinderspinnerei, Färberei
1971 werden alle Betriebe des VEB Feinspinnerei Erzgebirge Venusberg dem VEB Vereinigte Baumwollspinnereien Flöha angeschlossen
1990 Spinnereien in Zschopau und Gelenau werden geschlossen
1991 Zwirnerei in Zschopau wird geschlossen.
Reprivatisierung von den Nachkommen der Familie Bretschneider/ Bodemer, Immobilien in Zschopau werden nicht mehr für textile Zwecke genutzt.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Zschopau, Bodemersiedlung 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7
Lage im Ort: am Stadtrand, oberhalb Gewerbepark
Baujahr: 1920er Jahre
Kurzbeschreibung: Werksiedlung der Bodemerschen Spinnerei mit
Schuppen und Gärten, einheitlich ausgeführte,
traditionalistisch gestaltete Werksiedlung in
privilegierter Position über der Zschopau,
stadtgeschichtlich bedeutsam als Zeugnis des Wirkens
der Industriellenfamilie Bodemer, Baumwollspinnereibesitzer
Zschopau, Spinnereistraße 211/ 211 a/ 211 b
Kutscherhaus
Lage im Ort: zwischen Zschopaubrücke (Brückendenkmal) und Gewerbepark
Baujahr: 1805
Kurzbeschreibung: Manufaktur- bzw. Fabrikgebäude (Herrenhaus),
dazugehöriges Kutscherhaus, Scheune und Garten,
repräsentativer Gewerbebau, Risalitgliederung
mit spätbarocken Formmotiven, Haupt- und Neben-
gebäude durch analog gegliederte Mansardwalm-
dächer zusammengefaßt, bedeutsam als Gründungs-
bau der industriellen Entwicklung in Zschopau
ehemalige Zschopauer Baumwollspinnerei AG Bodemer
Zschopau, Spinnereistraße 212
Lage im Ort: am Stadtrand, Nähe Bahnhof (Gewerbepark)
Baujahr: 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts,
1879 Wehr,
bez. 1887, bez. 1897 und 1938
Kurzbeschreibung: Spinnerei mit Fertigungsgebäuden aus zwei Bauphasen,
Remise, Transformatorenhaus, Treppe zum Bahnhof,
Verwaltungsgebäude und Wehr in der Zschopau;
industriegeschichtlich bedeutendster Komplex in
Zschopau, verbunden mit dem Namen der
Industriellenfamilie Bodemer,
beeindruckende Gesamtanlage, qualitätvolle Bauteile,
überwiegend original erhalten,
Wehr nach eigenem Entwurf Johann Georg Bodemers
Zschopau, Thumer Straße
Lage im Ort: am Stadtrand, oberhalb Bahnhof
Baujahr: 1913
Kurzbeschreibung: Bodemerkanzel
Aussichtsplattform und Metallplatte mit Inschrift;
durch Industriellenfamilie Bodemer angebrachte
Plattform mit Blick auf ihre Spinnerei,
Tafel mit Goethezitat, ortsgeschichtliche Bedeutung
VENUSBERG
Bedeutender Textilstandort – noch arbeitende Firma – denkmalgeschützte Gebäude
Venusberg, Spinnereistrasse 1
Abb. links oben: Baumwollspinnerei, vorderes Gebäude
Abb. rechts oben: Mittelbau der Baumwollspinnerei
Abb. links unten: Blick auf das Gelände aus Richtung Talstraße
Abb. rechts unten: hinteres Spinnereigebäude
1855 Bau einer Baumwollspinnerei von den Gebr. Schüller, die bereits in Gelenau eine Baumwollspinnerei besaßen.
1858 die Spinnerei wird in Betrieb genommen.
1883/84 Inbetriebnahme einer Mako-Spinnerei
1889 Gründung einer AG und damit Zusammenschluß eigener Spinnereien in verschiedenen Ortschaften
1895 Bau einer zweiten Mako-Spinnerei
1900 Bau einer Zwirnerei
1907 Bau einer dritten Mako-Spinnerei in Venusberg
1939 Aufnahme der Rüstungsproduktion für die Firma Junkers – Flugzeugmotoren
1944 Bau von Barackenanlagen für Ausländer Ausländer, später weiterer Ausbau zu Konzentrationslager, Junkerswerke ziehen in die Spinnerei ein und belegen mehrere Säle, das Werk wird mit grüner Farbe getarnt.
Die Junkerswerke werden unter dem Tarnnamen: „Venuswerke“ geführt.
1945 Am 15.2. Fliegerangriffe, Lagerhallen mit Maschinen brennen ab. Der Marienberger Kommandant erlaubt Herrn Müller von den Venuswerken, das Errichten eines eigenen Betriebes - Handbohrmaschinen u.ä. sowie Möbel für Umsiedler werden hergestellt.
1946 In einem Saal der Abt. D werden wieder Nähfäden, Zwirne und Strickwolle hergestellt.
1948 Der Betrieb Schüller wird „VEB Feinspinnerei"
199 der VEB Feinspinnerei wird in eine GmbH umgewandelt.
1994 Die Spinnerei gehört zur „Sächsischen Baumwollspinnerei Mittweida“ als Werk II, Es werden Modernisierungen und Umstukturierungen durchgeführt.
1995 Das Venusberger Werk wird privatisiert. Eigentümer sind Herr Dr. Kühn und Frau aus Köln.Die Firma heißt "Sächsische Baumwollspinnerei GmbH" kurz SBS GmbH. Zur SBS GmbH gehören auch die Werke in Hohenfichte, Mittweida und Falkenau.
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
HEROLD
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HEROLD
1768 hielt die Strumpfwirkerei im Ort Einzug und setzte sich über die Jahrhunderte fort. 1942 zählte man 7 Strumpf- und Wirkwarenbetriebe.
Ab 1830 entstanden 3 Spinnereien. Bedingt durch die Baumwollkrise 1861-1865 konnte sich keine von ihnen lange halten.
Die bekannteste Spinnerei wurde 1883 zum größten Strumpfbetrieb August Harzer & Söhne umfunktioniert und mehrmals vergrößert. Die Strumpffabriken August Harzer und Söhne galten im 19. und 20. Jahrhundert als die größten Arbeitgeber der Gemeinde Herold und prägten damit maßgeblich den wirtschaftlichen Aufschwung der Region.
Da der Bedarf an Strumpfwaren in der DDR bereits anderweitig abgedeckt war, wandelte man den Betrieb in eine Zwirnerei um und gliederte ihn an den VEB Feinspinnerei in Venusberg an. 1990 wurde das Werk stillgelegt und damit brach auch in Herold die Textilbranche weg.
Zur Geschichte Herolds gehört auch die Erwähnung des Kulturdenkmals: Kalk- und Marmorwerk, welches seit 1879 zum Ort gehört. Bereits um 1780 wurde hier Kalk gefördert. Es existierte auch in der DDR noch als Volkseigener Betrieb. Heute ist die Produktion eingestellt. Zeugnis aus alten Tagen geben die verwaisten Kalköfen, ein altes Fachwerkhaus, das große Wohnhaus mit dem Bergmannszeichen und der letzte Hunt.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Herold, Dorfstraße 37
Abb. links: Seitenansicht der hinteren ehemaligen Harzerfabrik
Abb. rechts: Vorderfront der o. g. Fabrik
Lage im Ort: in Ortsmitte, gegenüber der Kirche
Baujahr: um 1883
Kurzbeschreibung: Fabrikgebäude
1883 kauft August Harzer das Grundstück und errichtet darauf eine Strumpffabrik.
1893 Bau einer neuen Strumpffabrik an der Hauptstraße
1913 es erfolgt ein Erweiterungsbau.
nach 1945 wurden Baumwollstrümpfe sowie Kunstseiden- und Perlonstrümpfe hergestellt.
1958 erfolgte die Stillegung der Strumpfproduktion
1960 wurde der Betrieb auf Baumwollgarnverzwirnung umgestellt.
1972 VEB Feinzwirnerei Herold,
1975 VEB Feinspinnerei Erzgebirge Venusberg,
1990 das Werk wurde stillgelegt.
Standort
an der
Sächsischen Textilstraße
MARIENBERG
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MARIENBERG
1532 erteilte Herzog Heinrich die Genehmigung für das Tuchmacherhandwerk. Seit dieser Zeit begann auch die textilgeschichtliche Entwicklung Marienbergs. Es bildeten sich über die Jahrhunderte hinweg verschiedene Gewerbe der Textilindustrie gleichzeitig bzw. nebeneinander heraus.
Beginnend mit dem Flachsanbau wurde das Zeug- und Leineweberhandwerk gefördert und im Jahre 1559 ein Gemeindeflachsbrechhaus am Pobershauer Berg errichtet. Da sich mit der Weberei auch die Schwarzfärberei bzw. die Färberei und Bleicherei verband, entstand im gleichen Jahr auf dem Grundstück der ehemaligen Gasanstalt beim Schwarzfärberteich die erste Schwarzfärberei Marienbergs.
Diese brannte jedoch 1632 ab und wurde 1635 wieder errichtet. Nach dem Stadtbrand 1684 entstand eine neue Schwarzfärberei im Inneren der Stadt. Außerdem befand sich in dieser Zeit eine Bleiche vor dem Annaberger Tor.
Gleichzeitig bildete sich zu Anfang des 17. Jahrhunderts das Posamentierhandwerk im Ort heraus. Bereits 1659 wurde die Innung der Posamentierer ins Leben gerufen.
Um 1766 entstanden am Schlettenbach mehrere Tuchmacherwalkmühlen, und es wurden ab 1769 Flachsmärkte in Marienberg abgehalten.
Ebenfalls in diesem Jahr kaufte der Rat der Stadt die zum Roten Fuhrwerk gehörende Lehn-mühle, die 1857 durch eine Aktiengesellschaft, gegründet aus einer Gruppe Marienberger Unternehmer, zum Zwecke der Anlegung einer Flachsbereitungsanstalt erworben wurde.
Um 1800 kamen die ersten Spinnmaschinen in den Hüttengrund. Im Jahre 1836 erbaute man am Fuße des Galgenberges die hohe Spinnfabrik. Diese brannte 1885 völlig nieder, wurde aber als Shed-Bau wieder errichtet und produzierte bis ins 20. Jahrhundert hinein.
Parallel dazu entwickelten sich die Weberei, Wirkerei/Strickerei und Posamentenherstellung.
Vertreten waren sie etwa im gleichen Verhältnis. Der Trend setzte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort. Erst in der zweiten Hälfte trat eine Wende ein. Die Weberei schnellte empor, gefolgt von der Wirkerei/Strickerei und der Herstellung von Posamenten.
Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch setzte sich das Posamentenhandwerk mit bedeutendem Vorsprung vor der Wirkerei/Strickerei ab, war dann aber wieder rückläufig und beide hielten sich bis 1988 etwa die Waage.
Bedeutende Textilstandorte
Marienberg, Brettmühlenweg 8
Entwicklung :
1560 Antonius von Berbisdorf war einer der ersten Besitzer der Brettmühle.
1569 erwarb die Mühle Nikol Rätz. Er starb 1602 als Bürgermeister und Kurfürstl. Sächsischer Austeiler und Herr auf Mildenau und Arnsfeld. Nach ihm wurde die Mühle „Rätzmühle“ oder auch „Rätzens Brettmühle“ genannt.
1696 war die Mühle mit dem Vorwerk (Rätzgut) verbunden, die verfallene Mühle wurde von der Stadt Marienberg gekauft. Man errichtete ein neues Haus, das verpachtet wurde:
1836 besitzt die Mühle Carl Wilhelm Seidel.
1838 wurden die Gebäude (ca. 4 Jahre alt) wie folgt beschrieben:
- Wohnhaus mit eingebauter Mahlmühle mit 2 Mahlgängen und mit Viehstall, bruchsteinerne Umfassung, Satteldach mit Schindeln
- im Parterre befand sich 1 Wohnstube, 1 gewölbte Küche, 1 Kammer, 1 Vorplatz , 1 Viehstall, Hinter diesem das Mühlhaus, worin 2 Hamstergänge, 1 Mühlgerüst, 1 Stabboden und eine Zurichtkammer
- darüber: 3 Wohnstuben, 1 gewölbte Küche, 2 steinerne Kamine, 4 Kammern und drei Spinnsäle mit 11 Fenstern und tönernen Ofen
- unter dem Dach: 1 Spinnsaal mit 18 Fenstern und 1 Spinnsaal mit 10 Fenstern
- das Seiten- und Stallgebäude mit Holzremisse hatte nur ein Erdgeschoß mit bruchsteinerner Umfassungsmauer, darüber ein Satteldach mit Schindeln
- die Scheune von Bundwerk mit Bretterverschlag auf einer Grundmauer erhielt 1 Postentenne und 2 gespündete Pansen, darüber ein mit Schindeln gedecktes Satteldach mit 2 gespündeten Böden
- Auf dem Wassertrog aus Stammholz ruhte ein Pultdach mit seitlichem Bretterverschlag, das mit Schindeln gedeckt ist.
- Das Schneidmühlengebäude: bruchsteinerne Umfassung im Erdgeschoß und Bundwerk mit Bretterverkleidung im Obergeschoß, darüber ein Satteldach mit Schindeln. Das Gebäude ist zu diesem Zeitpunkt ca. 100 Jahre alt. Das eingeschossig angebaute Häuschen von Bundwerk mit Lehmstochwand bez. Bretterverschlag enthielt nur 1 Wohnstube.
1837 kauft diese Mahl- und Brettmühle mit Baumwollspinnerei Carl Ferdinand Lohse und nutzt die Baumwollspinnerei
bis 1888 brannte das Gebäude mehrfach ab und wurde wieder aufgebaut.
1889 am 01.10. eröffnet Richard Dentler eine Gastwirtschaft, die bis zum heutigen Tage existiert.
Marienberg, Herzog-Heinrich-Straße 6
heutige Ansicht der ehemaligen Korsettfabrik
Gründung: 6.4.1895
Gründer: Alois Benirschke (geb: 02.01.1856)
1894 erwarb der Gründer der Marienberger Corsettfabrik, Alois Benirschke, das ehemalige, leerstehende Schulgebäude in der damaligen Schulstraße, jetzt Herzog-Heinrich-Straße,
1895 Korsettfabrik
1914 durch 1. Weltkrieg Stilllegung, nach einigen Wochen Wiederaufnahme
1916 nochmalige Stilllegung auf unbestimmte Zeit
1917 starb Alois Benirschke
1919 übernahmen die Söhne Carl und Willibald Benirschke die Firma.
1925 Gewerbeanmeldung durch Johann Karl Ludwig Benirscke:
Handel mit Strick- und Wirkwaren, Damenschlüpfern und Röcken aus Kunstseide sowie mit anderen gleichwertigen Artikeln
1930 Gewerbeanmeldung durch Kurt Hans Willibald Benirschke :
Fabrikation von gestrickten Damenbinden und Vertrieb von Korsett- und Bandagenwaren
1931 Fabrik ist abgebrannt.
1948 Marienberger Korsettfabrik und Strickereibetrieb Alois Benirschke
1954 VEB Mieder- und Bekleidungswerkstätten Marienberg
1957 VEB Miederwerke Marienberg
1957 - 1963 VEB Strickerei Miederwerke Marienberg-Gebirge (Tunica)
1964 - 1968 VEB Vereinigte Miederwerke Karl-Marx-Stadt, Werk Marienberg
1969 - 1989 VEB elastik-mieder Zeulenroda
1990 - 1992 Exzellent Dessous und Mieder GmbH, Werk Oelsnitz/ Vogtland, Produktionsstätte Marienberg
heute Wohnungen, Büros und Gemeindesaal der Neuapostolischen Kirche
Marienberg, Baderstraße 4
1921 Gewerbeanmeldung – Herstellung von Posamenten – durch Albin Otto Herrmann
1927 Weiterführung der Firma durch den Bruder Johannes Herrmann
Fabrikation und Handel mit Posamenten, Knöpfen, Kurzwaren, Kopfbedeckungen und sonstige Näherei
1932 Kauf des Hauses Baderstraße 4, (vorher in Marienstraße 9 eingemietet)
Eröffnung des Geschäftes - Verkauf von Kopfbedeckungen und Handarbeiten
Nach der Verstaatlichung des Herrmann-Betriebes wurde das Haus nur noch als Arbeitsstätte benutzt.
Bei guter Auftragslage beschäftigte man ca. 40 - 50 Festangestellte (Zuschnitt, Näherei, Musterei, Versand, Fuhrpark etc.) und auch ungefähr die gleiche Anzahl an Heimarbeiter.
1958 Johannes Herrmann KG, Damenhut- und Mützenfabrik
1972 VEB Hüte und Mützen Marienberg
Betriebsdirektor ist Herr Johannes Herrmann
1975 VEB Vereinigte Hüte- und Mützen-Werke Marienberg,
Betrieb gehörte zum VEB Hutkombinat Guben
1990 Erzgebirgische Hut- und Mützenfabrik GmbH
1992 Rechtsnachfolger: HMF Hut- und Mützenfabrik GmbH
1993 Konkurs wurde angemeldet
1998 Das Haus wird zur Passage umfunktioniert, zur sogenannten Herrmann Passage. Dabei wurde an Traditionen angeknüpft, denn bereits früher beherbergte das Haus mehrere Geschäfte, wie Bäcker und Fleischer. Zur Zeit befinden sich im Erdgeschoß neben der LBS eine Damenboutique und das Geschäft „Kinderparadies“. In der ersten Etage entstanden Büro- und Geschäftsräume. Im Dachgeschoß sind zwei moderne Wohnungen. Der Innenhof des Gebäudes wurde als Ruhepunkt gestaltet.
Bedeutende Textilstandorte – denkmalgeschützte Gebäude
Marienberg, Trebrastraße 10
Lage im Ort: am Stadtrand
Baujahr: 1907
Kurzbeschreibung: langgestrecktes ehemaliges Fabrikgebäude, ortshistorische Bedeutung
1902 Firma Johann C. Donat, Posamenten- und Strumpffabrikation,
1972 VEB Strickwaren Marienberg,
1979 VEB Kinderstrickwaren Ebersbach,
heute Altenpflegeheim des Diakonischen Werkes
Projektmappe-Textilstraße III
ALLGEMEINES
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Einleitung
Reiche Silberfunde in den dichten Wäldern des damaligen „Miriquidi“ brachten seit dem 12. Jahrhundert wirtschaftlichen Aufschwung, eine rasche Besiedlung und auch die Einbürgerung des Namens Erzgebirge. Den Bergleuten folgten Händler und Kaufleute, Köhler und Handwerker, aber auch Baumeister und Wissenschaftler. Sie alle hinterließen prägende Spuren wie bedeutende Stadtanlagen, bauliche Denkmale und bis in die heutige Zeit erhaltene Traditionen und Bräuche.
Ausdruck der eigenständigen erzgebirgischen Tradition sind Bergparaden, die aus der Historie der Bergknappen hervorgingen, und die erzgebirgische Volkskunst wie das Schnitzen, die Herstellung von Pyramiden, Nußknackern, Räuchermännern und Holzspielzeug und das Klöppeln.
Unter den zahlreichen Handwerkern, die den Bergleuten ins Gebirge folgten, befanden sich auch Band- und Bortenwirker, aus deren Gewerbe sich bereits im 14. Jahrhundert die Tuchmacherei und Leineweberei entwickelte. Somit spielte auch die Textilindustrie eine dominierende Rolle im Erzgebirge und darüber hinaus in der Region Sachsen.
Im Gebiet Mittelsachsen von Mittweida bis Marienberg gibt es zahlreiche historische textile Standorte, die zu Ausflügen und Entdeckungsreisen in die Geschichte und Gegenwart einladen.
Mit der Schaffung einer „Sächsischen Textilstraße“ sollen Einblicke in das breite Spektrum von Betriebsformen und Technik sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen, der in der Textilindustrie beschäftigten Menschen, vermittelt werden. Dabei sind die einzelnen Branchen wie Spinnerei, Weberei, Veredelung, Wirkerei/Strickerei, Posamentenherstellung etc. territorial unterschiedlich stark angesiedelt. Ausgewählte Stationen sollten über einen Textillehrpfad zu touristischen Angeboten entwickelt werden.
Die Pflege des Brauchtums der Textilindustrie in Mittelsachsen reiht sich somit in die lebendige Tradition des Bergbaus insbesondere in Freiberg und der Erzgebirgischen Holzkunst in Seiffen ein.
Der Stadt Oederan kommt eine bedeutende Stellung als Textilstandort an der Sächsischen Textilstraße zu. Die Geschichte der Stadt ist seit altersher eng mit der Textilindustrie verbunden. Von den Band- und Bortenwirkern des Mittelalters, von den Tuchmacher- und Weberzünften, von den selbständigen Heimwebern und den abhängigen Heimarbeitern bis hin zu den großbetrieblichen Formen der Spinnerei-, Weberei und Nähfadenindustrie bestimmte die Herstellung von Textilien einen Hauptzweig der gewerblichen Tätigkeit und prägte Menschen und Landschaft.
Wir begegnen den alten Formen der Textilerzeugung auf vielfältige Weise – in alten Häusern, die einst ein bedeutender Textilstandort waren, in Fabrikgebäuden, in Straßennamen, in Erzählungen und Erinnerungen.
Diese Geschichte kündet auch vom Fleiß und der Zielstrebigkeit der Bürger. Sie haben ihre Stadt weit über Sachsen hinaus bekannt gemacht. Um der Gefahr des Vergessens zu begegnen, soll das Webereimuseum geschaffen werden, das die Tradition und Zeugnisse der Vergangenheit bewahrt und vermittelt.
Standort/Lage/Umfeld
Das Museum wird unter folgender Adresse zu finden sein:
Webereimuseum Oederan
09569 Oederan
Markt 5
Tel./Fax:
Internet: http://www. ... .de
E-Mail: ...
Es ist vorgesehen, das Museum in städtischer Trägerschaft zu führen.
Es wird seinen Standort im unmittelbaren historischen Stadtkern von Oederan in den denkmalgeschützten Gebäuden am Markt haben. Um das Museum zu besichtigen, wird der Besucher durch die neu gestaltete Empfangshalle des Rathauses gehen. Es werden alle Voraussetzungen geschaffen (u. a. Fahrstuhl), damit auch für Menschen mit Behinderungen der Museumsbesuch möglich ist.
Die Stadt Oederan ist über die B 173 ca. 20 km von Chemnitz in östliche Richtung oder über die Autobahn A 4, Anschlußstelle 72 Frankenberg erreichbar.
PKW-Parkplätze werden im Hinterhof zur Verfügung stehen. Reisebusse können den vorhandenen Parkplatz am „Klein-Erzgebirge“ nutzen.
Öffentliche Verkehrsanbindung besteht durch Bus und Bahn (Strecke Chemnitz - Dresden).
Die reizvolle, ca. 800 Jahre alte Kleinstadt Oederan ist zwischen Chemnitz und Freiberg am Fuße des Erzgebirges gelegen. Außer dem Museum erwartet den Besucher ein ausgeschilderter Lehrpfad mit Hinweisen zu historischen Textilstandorten und bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt, der gleichzeitig weitere Sehenswürdigkeiten des Ortes wie die Stadtkirche mit der Silbermann-Orgel und die schon bekannte und beliebte Miniatur-ausstellung „Klein-Erzgebirge“ miteinander verbindet.
Gut ausgestattete Hotels, niveauvolle Pensionen und Gasthöfe in Oederan und der näheren Umgebung laden den Besucher zum längeren Verweilen ein.
Mit ihrem kulturhistorischen Stellenwert, ihren vielfältigen Möglichkeiten für sportliche Be-tätigung und Erholung und ihrer reizvollen Umgebung ist die Stadt Oederan ein markantes Touristenziel, welches eingebunden im Gesamttourismuskonzept der Region seinen Platz finden wird.
ZIELGRUPPEN
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Zielgruppenanalyse
Aktuelle Basisdaten einer Repräsentativumfrage zur Nutzung von Museen und Internet geben darüber Auskunft, daß ca. 52 % der Bevölkerung zumindest gelegentlich in Museen gehen. Dies zeigt einerseits, daß das Besucherpotential sehr viel höher als bisher ange-nommen ist und andererseits die Bemühungen, die Besucherzahlen mit entsprechenden PR- und Ausstellungsstrategien zu erhöhen, durchaus realistisch sind.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, daß Museumsbesucher eher in der mittleren Altersgruppe zu finden sind. Nachfolgende Tabelle zeigt Umfrageergebnisse „Museumsbesucher im Fokus“:
Museen/Jahr
18 – 29 J.
30 – 44 J.
45 – 59 J.
60 und älter
Gesamt
1-3 Museen
11,5
24,8
18,6
15,3
70,2
4-10 Museen
2,9
7,6
6,6
6,0
23,1
Über 10 Museen
1,1
1,9
2,2
1,5
6,7
Summe
15,5
34,4
27,4
22,8
100,0
Ein erfreuliches Ergebnis für die Museen, die sich mit den Chancen und Einsatzmöglichkeiten des Internets auseinandersetzen, ist, daß auch eine überraschend hohe Zahl von Internetnutzern, Museen besuchen.
Museumsbesucher in %
Nicht-Museums-besucher in %
Gesamt
WWW-Nutzung
10,8
4,9
15,7
Keine WWW-Nutzung
41,5
42,8
84,3
Gesamt
52,3
47,7
100,00
Von den 15,7 %, die den Ergebnissen der Umfrage zufolge das WWW nutzen, sind immerhin 10,8 % Museumsgänger. Anders ausgedrückt: Fast 70 % der Internetnutzer gehen gelegent-lich auch in Museen.
Das Webereimuseum in Oederan möchte insbesondere ansprechen:
Tagesbesucher (Einzelpersonen, Familien mit Kindern, Reisegruppen)
Touristen
Fachpublikum
- Schüler und Schulklassen aus der Region
- Bürger der Stadt
- Menschen mit Behinderungen
Besuchermotive
Für die Bürgerinnen und Bürger und insbesondere für die Gäste der Stadt Oederan soll ein Besuch des Webereimuseums nicht nur ein rückwärtiges Erinnern sein, sondern es soll auch ein In-Erinnerung-Rufen der großen Leistungen ihrer Vorfahren sein. Unsere Geschichte ist ein ständiges Auf und Ab an Ereignissen. Deshalb ist es besonders wichtig, sich an den positiven Aspekten zu orientieren und daraus immer wieder mit Mut und Kraft für die Schaffung von Neuem, Innovativem zu schöpfen. So unterschiedlich wie die Zielgruppen der Museumsbesucher sind, werden natürlich auch deren Motive sein. Als Besuchermotive kommen u. a. in Betracht:
- Interesse an der regionalen Entwicklung im Zusammenhang mit anderen noch bzw. ehemals vorhandenen Industriezweigen
Interesse an der Entwicklung der Textilindustrie der Region
Besuch im Rahmen der Durchführung von Fachveranstaltungen
zur Freizeitgestaltung im allgemeinen -eventuell in Verbindung mit dem Besuch einer weiteren touristischen Attraktion der Stadt oder der näheren Umgebung
Heimatverbundenheit der Bürger
Gestaltung von Schülerprojekten
Gestaltung von Ferienprogrammen
Veränderungen im Freizeitverhalten
Durch die Zunahme an freier Zeit in Verbindung mit besserer finanzieller Ausstattung des Einzelnen sind Freizeiteinrichtungen und darunter auch die Museen besonders gefordert, den neuen Erwartungshaltungen gerecht zu werden. Die Besucher eines Museums sehen darin nicht mehr ausschließlich einen Ort der reinen Bildung. Ihre Freizeitaktivitäten haben sich nach dem Prinzip der Erlebnisorientierung verändert.
Der Begriff „Edutainment“ verkörpert, daß Angebote interessant, lehrreich und nützlich, in gleichem Maße aber auch unterhaltsam sein sollen. Es läßt sich aber ein auf Sensation und Unterhaltung zielender, hektischer Ausstellungsbetrieb mit kommerziellen Interessen nicht mit den klassischen Museumsaufgaben vereinbaren. Daher sind Kompromisse und vor allem neue Ideen gefragt.
Wichtig für die Besuchergewinnung sind Aktualitätsbezüge und die Möglichkeit für den Einzelnen, sich mit den vermittelten Inhalten zu identifizieren. Die Erfahrungen zeigen, daß Sonderausstellungen kurzzeitig zu einem regelrechten Besucherboom führen können. Das Publikum erwartet zunehmend, daß die neuen Medien in die Vermittlung des Ausstellungskontextes einbezogen werden und die Informationen auch auf spielerischem Wege und mittels interaktiver Anwendungen für jeden zugänglich sind.
In Museen, die verstärkt auf Multimedia bauen, erhöht sich die Verweildauer der Besucher nachweislich. Der Bildschirm stellt für die Gäste eine Brücke zur eigenen Lebenswelt dar. Die neuen Medien erlauben es außerdem, sich auch später zu Hause noch einmal intensiv mit den Ausstellungsthemen zu beschäftigen (Internet). Die Informationsaufnahme wird dadurch vielschichtiger und intensiver. Vielleicht läßt sich auf diese Art auch mangelndem Geschichtsbewußtsein und fehlender Motivation, sich mit historischen bzw. kulturell wertvollen Themen auseinanderzusetzen, entgegenwirken, die vor allem unter der jüngeren Generation stark ausgeprägt sind.
VARIANTE 3
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Das Webereimuseum in Oederan als eine Erlebniswelt für den Besucher, in dem historische Wirklichkeit attraktiv und abwechslungsreich vermittelt wird
Anforderungen an die Bausubstanz:
Große, leere Räume sind für die Gestaltung erforderlich, die in drei Komplexbereiche unterteilt werden sollten.
Gestaltungsvorschlag:
Im Spannungsfeld zwischen dem Bewahrungsauftrag des Museums und seiner Hinwendung zu einem breiten Publikum, welches Aktivitäten und erlebnisorientierte Angebote erwartet, gibt Anlaß, die Gestaltung des Museums auf emotionale Erlebnisse auszurichten.
Dabei muß die „Besucherorientierung“ mehr sein als nur ein Bündel von Maßnahmen zur Maximierung der Besucherzahlen. Sie beinhaltet die Änderung der Einstellung der Museen zu ihren Besuchern. Denn in der Kulturpolitik spielt zunehmend auch der Gesichtspunkt der Besucherakzeptanz eine Rolle.
Der Gestaltungsvorschlag unterteilt sich in drei Komplexe:
Komplex 1
Im Zentrum der Betrachtung steht die Entwicklung der Textilindustrie und das Alltagsleben der Menschen, die in diesem Bereich tätig waren.
Die Mitte des Raumes zeigt eine Drehscheibe, welche eine räumliche Unterteilung aufweist.
Beispiel wie Foto, aber eingerichtet als kleine Fabrik (Werkstatt)
Auf dem Rondell wären die
Darstellung der Gewerbe
- Weberei
- Spinnerei
- Färberei
möglich.
QQuelle: Prospekt Museumsführer
Die inszenierten Räume zeigen das Handwerk, wie es in Oederan bzw. in der Region Ende des 18. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert existiert hat. Die Geschichte belegt, daß es neben zahlreichen Webern und Tuchmachern auch bedeutende Baumwollspinnereien und Färbereien gegeben hat.
In der Region besaß fast jeder Haushalt einen Webstuhl.
Entlang der Seitenwände des Raumes werden Handwerksstuben nachgebildet und historische Szenen dargestellt. Das häusliche Spinnen und Weben wird in authentischer Darstellung gezeigt. Die Einrichtungen vermitteln die Verknüpfung von Licht- und Schattenseiten der Textilindustrie. Sie machen sichtbar, unter welchen ärmlichen Verhältnissen die Weberfamilien arbeiten und leben mußten.
Weberstube Weberstube Weberstube
Quelle: Museum Vogtland Quelle: Museum Helmbrecht Quelle: Chronik Sächs.
Erfindergeist.
Alle geschichtlichen Informationen werden in die Gestaltung eingebunden, verarbeitete Rohstoffe gezeigt, fertige Produkte ausgestellt. Überlieferte Zitate von Menschen dieser Zeit über ihr Leben finden einen würdigen Platz.
(Exponatensuche)
Komplex 2
Das lebende Textilmuseum ist keine Darstellung heimatkundlicher, regionaler oder technikgeschichtlicher Sammlungen im herkömmlichen Sinn.
Eine Attraktion im Museum bildet der Nachbau einer Produktionsstätte der Handweberei. mit webereiüblichem Sheddach als Modell.
Die Besucher erfahren, wie in einer solchen Fabrik um die Jahrhundertwende produziert wurde. Von der Aufbereitung der Garnfäden bis hin zum fertigen Produkt werden alle Arbeitsgänge gezeigt.
Das auf die unterschiedlichen Besuchergruppen ausgerichtete Fachpersonal führt die einzelnen Produktionsstufen vor und bezieht den Besucher mit ein. Die Selbstbetätigung an den Webstühlen sollte zum Erlebnis werden. Wichtig ist dabei auch das individuelle persönliche Gespräch.
Zum Einsatz kommen vorhandene Ausstellungsobjekte, die in der Anlage aufgeführt sind.
1 Konusschärmaschine mit Holzkanter (4)1
1 Schußspulmaschine für Schlauchcopse mit 4 Spulstellen (5)
1 Contermarsch-Webstuhl mit Großraumschützen (7)
1 Flachwebstuhl (8)
2 Flachwebstühle (9 – 10)
1 Webstuhl mit Schaftmaschine und 10 Schäften (13)
1 Kartenschlageisen (14)
1 Webstuhl mit Jaquardmaschine (15)
Es werden Rohstoffe, deren Ursprung und die Verarbeitung gezeigt.
Ansicht Websaal „Historische Handweberei“
Quelle: Prospekt Oederan
Komplex 3
Der Besucher erhält einen Einblick in die Veränderungen der industriellen Textilproduktion.
In dieser Abteilung sind funktionsfähige mechanische Webstühle aufgestellt. Der Raum wird durch eine beleuchtete Fotomontage an der Hintergrundwand optisch vergrößert. Zeitweises Einspielen von Websaalgeräuschen verstärkt bei dem Besucher den Eindruck, daß er sich in einer Produktionshalle befindet.
Beispiele für die Wirkung einer Fotowand:
Websaal Düsenwebmaschinen Drehmaschinen, Quelle: Prospekt Museumsführer
Es werden textile Rohstoffe, die nach ihrem Ursprung in vier Hauptgruppen unterteilt sind, unter Einbeziehung von Multimedia gezeigt.
- pflanzliche Fasern
- tierische Fasern
- mineralische Fasern
- künstliche Fasern
Alle Arbeitsgänge in der Weberei werden durch Fachpersonal unter Einbeziehung des Publikums vorgeführt. Der Ablauf von der Aufbereitung der Fasern bis zur Fertigstellung des Produkts einschließlich der Verpackung der Ware kann somit nachvollzogen werden. Der Besucher fühlt sich wie in einer Fabrik – in einem „Lebenden Museum“
Vorhandene mechanische Webstühle werden gezeigt:
1 Zettelmaschine mit Gatter (17)1
1 Spulmaschine (18)
1 Schaufelschaftmaschine (19)
1 Schönherroberschläger (20)
1 TES (21)
3 Düsenwebmaschinen P 105, 165 (22 – 24)
(weitere Exponatensuche)
In diesem Bereich wird außerdem ein Querschnitt über wichtige politische Ereignisse des Jahrhunderts gegeben, wodurch erkennbar wird, wie Maschine, Mensch, Umwelt und Politik zusammenwirkten.
Wichtig ist, daß umfangreiche audio-visuelle Medien einbezogen werden. Es sind nicht mehr nur Schilder, die einen Besucher zur Informationsaufnahme anregen. Durch die Einbeziehung von Multimedia können Arbeitsprozesse komplexer vermittelt werden, als dies durch die körperliche Darstellung möglich ist.
Des weiteren könnten an einer Infowand über Multimedia (Touchsreen) die Sächsische Textilstraße und die Historischen Textillehrpfade gezeigt werden, die über weitere Textil-technologien ausführlich informieren.
Sonderabteilungen
Ausstellung für blinde und sehbehinderte Menschen (Be-greifen)
gesonderter Raum
Es besteht nachweislich der Bedarf nach einem speziell für blinde und sehbehinderte Menschen gestalteten Museum. In der Zeit von Museumsneugründungen und der Entwicklung des Kulturtourismus wurde gerade dieser Gruppe Menschen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so daß sich die Kluft zwischen Sehenden und Sehbehinderten und die Isolation der Blinden weiter vergrößert hat. Man schließt sie praktisch vom Museumsbesuch aus. Dabei ergeben sich gerade aus der Textilthematik unzählige Anknüpfungspunkte, die Ausstellungsinhalte für ein Erleben mit allen Sinnen (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken) aufzubereiten.
Es muß dazu noch Fachliteratur studiert werden. Zur praktischen Umsetzung ist die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Verbänden sowie dem Rehabilitationszentrum bzw. Berufsbildungswerk für Blinde in Chemnitz notwendig.
Raum für Freizeit- Projekt- und Feriengestaltung
gesonderter Raum
- Handwebstühle in Funktion (12, 13)
Ein „Schaufenster“ an der Marktseite ist eine geeignete Möglichkeit, Passanten Einblicke in die Handweberei zu gewähren und so ihr Interesse für einen Museumsbesuch zu wecken.
Webstuhl in der „Historischen Handweberei“
- Arbeit mit Kindern
Für die Arbeit mit den Kindern bieten sich Handwebrahmen/ Schulwebrahmen an.
Es sind Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß mehrere Personen zur gleichen Zeit tätig sein können.
Kinder am Handwebstuhl
Quelle: Textilmuseum Bocholt
- Arbeit mit Erwachsenen
Auch Erwachsene sollten die Möglichkeit haben, in Zirkeln oder Arbeitsgruppen kreativ tätig zu sein. Dazu bieten sich Handwebrahmen, Webstühle bzw. Rundwebrahmen an.
- Für Kinder bzw. Kleinstkinder, die sich nicht für eine Besichtigung des Museums interessieren, soll eine Aufsichtsperson zur Beschäftigung der Kinder zur Verfügung stehen.
Museumsshop
Der Museumsshop stellt eine Verbesserung des Dienstleistungsangebotes für das Publikum dar, denn er befriedigt den Wunsch vieler Besucher nach Souvenirs und/oder Literatur zum Thema des Museums oder der gezeigten Ausstellung. Er bietet gleichzeitig eine Werbemöglichkeit für das Museum und ist im Rahmen des Gesamtpaketes der Öffentlichkeitsarbeit zu sehen. Der Shop kann auch positiv zum Haushalt des Museums beitragen.
Räumliche Lage und Gestaltung
- Der Shop sollte frei zugänglich sein, so daß auch Kunden, die die Ausstellung nicht besuchen wollen, auf das Sortiment zugreifen können.
- Den Ein- und Ausgangsbereich des Shops sollte man bei der Planung möglichst trennen, um einen Besucherstau im Eingangsbereich zu vermeiden.
- Insbesondere museumsspezifische Eigenprodukte bilden eine wichtige Komponente im individuellen Sortiment. Hoher Qualitätsstandard und ständige Angebots-optimierung sind wesentliche Voraussetzungen für deren Akzeptanz und Verkaufs-fähigkeit.
Für die Planung und Einrichtung sowie Betreibung ist ein gesondertes Konzept zu erarbeiten.
Ruhezonen
Der Rundgang sollte durch Ruhezonen unterbrochen werden, in denen ausreichend Sitzplätze zur Verfügung stehen. Um die Informationen aus dem Museumsbereich zu vertiefen, können audio- visuelle Medien zum Einsatz kommen Die Möglichkeit zur Einnahme von Erfrischungsgetränken sollte an einem zentralen Punkt innerhalb der Ausstellung ebenfalls bestehen. Hier bietet sich u. a. eine Kaffeebar in Selbstbedienung an.
Nähabteilung
Zur Herstellung bzw. Fertigstellung von Verkaufsprodukten für den Museumsshop ist eine Nähabteilung notwendig. Diese kann darüber hinaus im Rahmen der Freizeit- und Projektarbeit genutzt werden.
Sonderausstellungen
Sonderausstellungen, die der Thematik des Museums nicht abträglich sind, sollten in regel-mäßigen Abständen stattfinden.
Themen könnten sein:
- Persönlichkeiten der Stadt
- Umwelt
- Kunst- und Fotoausstellungen
- soziale Themen (Frauen, Kinderarbeit)
- aktuelle Anlässe
- Partnerstädte
- Leihausstellungen
- Textilstraße und Lehrpfade in der Region und überregional
Erfahrungen zeigen, daß Sonderausstellungen kurzzeitig zu einem regelrechten Besucher-boom führen können.
Führungen, Schauvorführungen, Vorträge, Projekte, Feriengestaltung, Symposien
Führungen und Schauvorführungen dienen der Vermittlung der Inhalte des Museums. Dabei sollten auch Führungen in Fremdsprachen möglich sein.
Mit Vorträgen und Symposien im Zusammenwirken mit allen geeigneten Institutionen und Einrichtungen wird das Museum seinem Bildungsauftrag gerecht. Geeignete und im Komplex befindliche Räume (z. B. Veranstaltungssaal, Bibliothek) sind mit einzubeziehen. Darüber hinaus bietet es hervorragende Voraussetzungen zur Projektarbeit und Freizeitgestaltung. Dafür werden spezielle Angebote für die Schulen der Region erarbeitet.
Durch die Zusammenarbeit des Museums mit anderen wissenschaftlichen Institutionen (Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen etc.) und durch die Einrichtung eines Facharchivs und einer Fachbibliothek besteht die Möglichkeit, daß das Museum auch zum Lern- und Studienort für Studenten und Fachleute aus dem Bereich der Textiltechnik (-in-dustrie) wird.
Heute existieren in Sachsen noch zwei Standorte, an denen im Fach Textiltechnik Ingenieure und Berufsschullehrer ausgebildet werden. Die Ausbildungsstätte für Textilingenieure befindet sich nach wie vor in Reichenbach (Zweigstelle der FH Zwickau) und die Ausbildungsstätte für Berufsschullehrer befindet sich an der TU Dresden. Erstrebenswert wäre die Zusammenarbeit des Museums mit den anderen wissenschaftlichen Einrichtungen, um von deren weitgehenden und bereichsübergreifenden Fachkenntnissen zu profitieren, was beispielsweise die wissenschaftliche und detailgetreue technische Aufbereitung der Ausstellung betrifft.
Sicher läßt sich das Museum auch als Tagungsort für wissenschaftliche Fachveranstaltungen nutzen.
Hinweis zu Schautafeln:
Themenangepaßte Träger wie z. B.:
beschriebene Stoffbahnen,
kleine Rähmzwinger (Erläuterung s. u.)
An den Maschinen sind kleine Informationstafeln empfehlenswert, die über Baujahr, Hersteller etc. Auskunft geben.
Die Schautafeln sollten mehrsprachig sein und in der Ausstellung für blinde und sehbe-hinderte Menschen in Braille-Schrift.
Erläuterung:
Die im Bereich Maschinenfolge angegebenen Nummern in der Klammer sind identisch mit der lfd.-Nr. der Maschinen in der Anlage.
Innovationsgrad:
Es ist das neue, erlebnisreiche Museum, welches den touristischen Anziehungspunkt, insbesondere für den Tagestourismus, bildet.
Es unterscheidet sich von anderen Museen dadurch, daß es „lebt“. Dem Besucher wird unter Einbeziehung der Präsentationstechnik Geschichte vermittelt.
Im Textilmuseum sind Elemente der gesamten Region integriert. Es nimmt auch überregionalen Bezug auf die Sächsische Textilstraße und den Historischen Textillehrpfad.
Es ist ein Museum mit Erlebnischarakter, welches den heutigen Bedürfnissen und Wünschen des „Gastes im Museum“ entgegen kommt. Selbst den bedächtigsten Museumsbesucher könnte es aus der Reserve locken.
1 Die Ziffern in den Klammern sind identisch mit der laufenden Nummer der Maschinenaufstellung in der Anlage
Projektmappe-Textilstraße IV
ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
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Eine konzeptionelle Öffentlichkeitsarbeit wird in Zukunft, insbesondere für Museen, Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Vermarktung im Tourismusbereich sein. Die Praxis zeigt, daß Markterfolge in hohem Maße vom Beitrag der Kommunikation abhängen. Die Leistung und Anerkennung eines Produktes wird vielfach vom Bild in der Öffentlichkeit bestimmt.
Die Werbung befindet sich in der heutigen Zeit in einem nie dagewesenen Umbruch. Allein is dies ist an der Breite der Medienlandschaft zu erkennen. Aufgrund der vielfältigen Erscheinungsformen und der Komplexität der Werbung seien an dieser Stelle nur wichtige Beispiele genannt:
- Faltblätter mit Lageplan
- thematische Informationsblätter zu ausgewählten Exponaten
- Museumsführer (evtl. auch auf CD-ROM und unter Einbeziehung der Textil-straße/Pfad)
- Ansichtskartenserie
- fremdspachiges Material zur Ausstellung
- Prospekte für Kinder und Jugendliche
- regelmäßige Pressemitteilungen
- Regionalfernsehen
- eigenständiger Internetauftritt; bereits vor Eröffnung als Dokumentation über das Bauvorhaben, um die Leute neugierig zu machen
- Aufstellung eines Rähmzwingers vor dem Museum und wenigstens am „Klein – Erz-gebirge als Werbeschild
Beispiel: Rähmzwinger – die Tuche wurden zum Trocknen aufgespannt
Rähmzwinger vor der Stadt vergrößerter Ausschnitt
Quelle: Chronik Sächs. Erfindergeist
Die professionelle Präsentation eines Museums sollte auch im Internet nicht vernachlässigt werden. Webseiten unterstützen die Darstellung der Einrichtung. Sie bieten ebenso für den Besucher die Möglichkeit eines leichteren Zugangs zum Museum mit seinen Exponaten. Es ist das Medium der Zukunft, und es erreicht vor allem die künftigen Museumsbesucher, nämlich Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, Besucher anzulocken, möglichst viele und das täglich.
Wichtig für eine nachhaltige Wahrnehmung des Museums ist die Einheitlichkeit im Auftreten und im Erscheinungsbild. Prospekte, Eintrittskarten, Beschriftungen im Innen- und Außen-bereich, Ausstellungshinweise usw. müssen eine gemeinsame Gestaltung aufweisen. Nur so sind sie als ein visueller Wiedererkennungseffekt von unschätzbarem Wert und deshalb ein wirksames Instrument, die Einrichtung innerhalb der gesamten Museumslandschaft hervorzuheben.
Gute interne Beziehungen haben im Rahmen der Gesamtheit der Öffentlichkeitsarbeit eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Sie können sogar zum Markenzeichen werden. Die Mitarbeiter des Hauses müssen motiviert, geschult, unterstützt und integriert werden.
Durch bessere Information ist die Zugangsmöglichkeit touristischer Angebote für Individual-reisende zu erleichtern Der Freizeitmensch von heute wird immer verschiedene Angebote an einem Ort in höchster Qualität bevorzugen. Aus diesem Grund ist ein gemeinsames Marketing für touristische und kulturelle Angebote anzustreben, um die Attraktivität der Region zu erhöhen. Damit verbunden wird die Erarbeitung eines gesonderten Marketingkonzeptes sein.
Tabelle einfügen – gespeichert unter Faden 2/Fernsehen/Tabelle Abschlußmappe
SÄCHSISCHE
TEXTILSTRASSE
ALTE TRADITIONEN
UND
MODERNER TOURISMUS
IM EINKLANG
EINLEITUNG
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Über die Anfänge des Handwerks lassen sich selten genaue Angaben machen und diese oft nur auf Umwegen. Für viele Städte gibt es keine Gründungsurkunden - keinen "Stadtbrief" - und archäologische Quellen sind rar. Viele Dokumente wurden bei den häufigen Stadtbränden vernichtet, denn auch Rat- und Zunfthäuser wurden oft ein Raub der Flammen. Einblicke in die Entwicklung der Städte sind demzufolge spärlich und Handwerk und Handwerker bleiben weitgehend im "Dunkel der Vergangenheit".
Generell muß man davon ausgehen, daß die Herstellung gewerblicher Güter, der Handel mit ihnen und der Austausch mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen von Anfang an das ökonomische Fundament der städtischen Siedlungen darstellte.
Klöster, Ministerialensitze1, die Städte und umliegende Dörfer entwickelten einen bestimmten Bedarf an gewerblichen Waren. Das erforderte vom Handwerk eine qualifizierte gewerbliche Warenerzeugung zur Selbstversorgung der Märkte bzw. der Städte.
Mit der Zunahme der Bevölkerungszahl konnten die Versorgungsaufgaben nur durch Warenaustausch realisiert werden. Folglich kam dem Geld eine wachsende Bedeutung zu. Begünstigend für die Beziehungen zwischen Produzenten und Händlern hier in der Region wirkte sich die Nähe der Freiberger Münze aus.
Im 14. Jahrhundert erstarkten die Dorfhandwerker und die städtischen Handwerker fürchteten deren Konkurrenz. Sie forderten die Bestätigung von Meilenprivilegien. Diese durfte z. B. in einem Umkreis von 10 Meilen kein anderer Handwerker stören (Bestimmung vom 14. Dezember 1357: Bleichprivileg für vier Handwerker aus Freiberg, Mittweida und Chemnitz durch die meißnischen Markgrafen Friedrich und Balthasar).
Ein Ergebnis des konsequenten Kampfes der städtischen gegen die dörflichen Handwerker war die Schaffung von handwerklichen Organisationsformen, den Zünften. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gründeten sich aus den aufgelösten Zünften die Innungen. Forderungen beim Rat einer Stadt gegen die Konkurrenz der Dorfmeister konnte nur eine soziale Gruppe stellen, denn ein solches Begehren vermochte ein Rat der Stadt nicht einfach zu übergehen.
Der Prozeß der Zunftbildung war im 14. Jahrhundert besonders intensiv. Mit der Entstehung der Zünfte entwickelten sich natürlich auch die Handwerksbräuche. Sie variierten in ihrer Ausführung bei den verschiedenen Handwerken, in ihrer Bedeutung jedoch waren sie gleich.
In allen Zünften galt es als Todsünde "aus der Schenke zu schwatzen", d. h. einen Handwerksbrauch zu verraten. Die Zeremonien während feierlicher Anlässe und Festlichkeiten durften wegen der Geheimhaltung nicht aufgeschrieben sondern nur auswendig gelernt werden.
In den Zünften galt das Prinzip "Gelernt nach Recht und Ordnung". Das bedeutete für den Lehrling, von Beginn der Lehrzeit an fest in das Reglement der Zunft des von ihm erwählten Handwerks eingebunden zu sein. Bei Meistersöhnen war die Ergreifung eines Handwerks oft vorbestimmt, da sie die Werkstatt ihrer Väter weiterführten.
1) Ministerialen (lateinisch) in fränkischer Zeit vom König, von weltlichen und geistlichen Großen zu Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst herangezogene Unfreie in gehobener Stellung, die meist mit Dienstgütern entlohnt wurden. Mit dem 11. Jahrhundert begann der Aufstieg der Ministerialen.
Die bis Anfang des 20. Jahrhunderts herrschende "Geheimniskrämerei" ist ein erhebliches Hemmnis für die heutige Brauchtumsforschung.
Handwerksbräuche, die speziell aus der textilen Fertigung entstanden sind, gibt es nicht viele. Genannt sind der Tuchmacherbrauch "Schiff- und Pflugziehen" oder die Weberbräuche "Mottenfest", "Wurmfest" oder "Fliegenfest". Eine Beschreibung derselben ist jedoch bisher nicht bekannt.
Die meisten Handwerksbräuche sind mit Essen und Trinken verbunden. Diese Vergnügungen boten doch eine willkommene Abwechslung zum tristen Arbeitsalltag.
Bräuche gab es für die verschiedensten Anlässe, wie Lehrbeginn und Gesellenmachen, Wanderschaft, Gesellenzeit und Meisterpromotion, Zusammenkünfte, Essen und Trinken, Feste und Feiern sowie Strafen und Bußen. Eine Auswahl an Bräuchen zu den genannten Anlässen ist im Anschluß an die jeweiligen Ausführungen zu finden.
BERUFE, GILDEN, ZÜNFTE
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Beruf oder Ruf bedeutete ursprünglich Berufung für ein geistliches Amt, im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich jedoch der Begriffsinhalt. Heute ist im engeren Sinn die Erwerbstätigkeit gemeint, mit der sich der Mensch seinen Lebensunterhalt verdient. Beruf steht im Gegensatz zur zufälligen Erwerbstätigkeit, die heute als Job bezeichnet wird.
Handwerksberufe wurden in den seltensten Fällen aus persönlicher Neigung ergriffen und ausgeübt, vielmehr wurden sie vom Vater auf den Sohn "vererbt". Aus Gründen des Rechtsschutzes und der gegenseitigen Unterstützung schlossen sich in den mittelalterlichen Städten einzelne Berufsgruppen zu Gilden oder Zünften zusammen.
Die Gilden (althochdeutsch gelt - Opfer, Zahlung) waren kultisch-religiöse Bruderschaften, deren Gemeinschaft durch eine strenge Ordnung geregelt wurde.
Die Zünfte (mittelhochdeutsch zumft - Regel, Schicklichkeit) waren in ähnlicher Weise organisiert. Sie waren gewerbliche Gilden, die später in Zünfte eingingen. Zu den ältesten gewerblichen Gilden gehörte die im 11. Jahrhundert entstandene Gilde der Kaufleute oder auch Hanse genannt. In diesen Gilden hatten sich die Mitglieder durch Eid gegenseitig verpflichtet und bildeten eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie entwickelten ein eigenes Recht und gingen gemeinsam auf Reisen.
Das Brauchtum der mittelalterlichen Zünfte wurde auch Amt, Zeche, Einung oder Gaffel genannt und läßt die Nähe zu den kirchlichen Bruderschaften deutlich erkennen.
Die Ordnung der Zunftgenossen war hierarchisch, sie bestand aus Meistern, Knechten (Gesellen) und Lehrlingen. Aufgenommen wurde nur, wer ehelich geboren war und einen untadeligen Lebenswandel nachweisen konnte. So trafen sich die Meister regelmäßig bei "geöffneter Zunftlade", die in Form eines Klappaltars gearbeitet war und den Namen der Zünftigen enthielt. Fahnen, Trinkgefäße, Leichentücher, Zunftwappen und andere Symbole der Gemeinschaft wurden von ihnen in hohen Ehren gehalten.
Neben diesen zünftig organisierten Handwerkern gab es auch nichtzünftige sogenannte Bönhasen, die sich ihr Brot als umherziehende Lohnhandwerker (vagabundi) verdienten. In einigen Städten gab es Freimeister, sie waren selbst nicht Mitglied einer Zunft, durften aber gegen eine Abfindung an die Zunft ihr Gewerbe - allerdings mit zahlreichen Beschränkungen - ausüben.
Im 15. Jahrhundert war das Zunftwesen in allen Städten fester Bestandteil, es waren nahezu alle Gewerbe zünftig organisiert. Sie wurden von einem kleinen privilegierten Kreis einzelner Handwerkerfamilien geführt, die den Markt beherrschten. Es gab geschenkte Zünfte und ungeschenkte Zünfte. Geschenkte Zünfte gab es in Städten mit konzentriertem Handwerk, bei diesen waren weite Wanderwege vorgeschrieben. Ungeschenkte Zünfte waren weniger geachtet. Gesellen standen während der Wanderschaft eigene Herbergen offen, wobei ihnen als Angehörige einer geschenkten Zunft ein Zehrpfennig für die Weiterreise gegeben wurde.
Aus ihren Reihen wurde der Vormeister gewählt. Die zünftigen Genossen trafen sich regelmäßig bei sogenannten Morgensprachen, um ihre Belange zu besprechen. Gesetze wurden erlassen und in Zunftrollen oder Zunftbriefen schriftlich fixiert. Es wurden die Aufnahmebedingungen, die Ausbildung von Lehrlingen und Gesellen, die Bedingungen für die Erlangung des Meisterrechts, die Arbeitszeit sowie wirtschaftliche und soziale Fragen, z. B. das standesgemäße Einkommen von Meistern und die Unterstützung von Witwen und Waisen, besprochen. Ausbildungsdauer sowie Wanderzwang und -zeit für die Gesellen waren genau vorgeschrieben, wobei Meistersöhne vor den anderen bevorzugt waren.
Für die Schlichtung von Streitigkeiten untereinander und die Wahrung der Berufs- und Standesehre waren Zunftgerichte zuständig. Durch die eigene Gerichtsbarkeit und deren Gesetzgebung hatten sie zudem gewerbepolizeiliche Befugnisse, weshalb man sie auch als Amt bezeichnete. Unter Aufsicht des Magistrats wurden strenge Gütekontrollen durchgeführt. Die Zünfte hatten auch die Aufgabe, für angemessene Preise zugunsten der Verbraucher zu sorgen.
Lehrlinge und Gesellen waren nicht Vollmitglieder der Zünfte. Ihre Lage war im Gegensatz zu den Meistern oft b
Nach der Probe- oder Mutzeit hatte der Geselle vor versammeltem Handwerk unter Vorsitz des Zunftmeisters sein Meisterstück zu machen. Wenn dieses für gut befunden wurde und eine eigene Werkstatt nachgewiesen werden konnte, wurde der neue Meister nach Ablegung seines Eides feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Seinen Mitmeistern konnte er auf eigene Kosten ein standesgemäßes Mahl auszurichten und in die Zunftkasse eine Summe (Fordergeld) einzuzahlen.
edrückend. Im 14. Jahrhundert hatten sich deshalb die Gesellen zu eigenen Bruderschaften zusammengeschlossen, um sich bei Krankheit gegenseitig zu unterstützen und ihre Belange bei den Zunftmeistern besser durchsetzen zu können.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Laden aufgehoben, das Zunftwesen verschwand allmählich mit der Einführung der Gewerbefreiheit, mit der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes 1869 wurde es ganz aufgehoben. Als neue Formen des beruflichen Zusammenschlusses entstanden die Innungen und Handwerkskammern.
HANDWERKSBRÄUCHE
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Ø Lehrlinge und Gesellen machen
Bräuche, die mit dem Lehrbeginn im Zusammenhang standen, waren in den Statuten der Zünfte verankert und von der Obrigkeit bestätigt.
Nach Abschluß der Schulzeit und vor der eigentlichen Lehrzeit war eine 3- bis 4-wöchige Probezeit beim Meister des erwählten Handwerks zu bestehen.
Die Aufnahme der Jungen in die Lehre, die sie meist mit 14 Jahren begannen, war ein feierlicher Akt.
Der neue Lehrling wurde den versammelten Meistern vor geöffneter Lade vorgestellt und es erfolgte die Erledigung der notwendigen Formalitäten. Dazu gehörte die Eintragung in das Innungsbuch mit Angabe des Lehrherrn und der voraussichtlichen Dauer der Lehrzeit. Der Lehrjunge mußte seine eheliche Geburt nachweisen und seine Eltern durften kein unehrliches Gewerbe (z. B. Schäfer, Scharfrichter, Totengräber, Nachtwächter, u. a.) ausüben. Zwei Bürgen hatten das zu bezeugen. Der Geburtsbrief (Echtheitsbrief) wurde während der gesamten Lehrzeit in der Lade verwahrt.
Von nun an war der junge Mann fest in das Reglement der jeweiligen Zunft und für die Dauer seiner Ausbildung in den Haushalt des Meisters eingebunden. Zu Beginn der Lehre war die Arbeit im Haushalt der Meisterin obligatorisch und Prügel gehörten dazu wie das Salz zur Suppe. Manche entzogen sich dieser Strafe durch Flucht. Das wurde mit dem Vermerk "Ist entlaufen" im Innungsbuch festgehalten.
Anders verlief die Lehrzeit für Meistersöhne. Sie war meist erheblich kürzer, was aber keine geringere Ausbildung bedeutete, sondern nur weniger Hilfe im Haushalt der Meisterin.
Im Leben der Lehrlinge gab es nur wenig Bräuche. Ihr Tag war angefüllt mit Arbeit und Ausgang bekamen sie kaum.
Nach Beendigung der Lehre wurde der junge Mann im Zunfthaus, wiederum vor geöffneter Lade, "zum Gesellen gemacht", "Ledig gescholten", "Losgesprochen". Dieser Vorgang war zwar in keinem Statut fixiert, aber es gab eine ganze Anzahl Bräuche und bemerkenswerte Bezeichnungen. Die feierliche Zeremonie endete mitunter in derben Späßen.
Als Aufdingen bezeichnete man die Aufnahme eines oder mehrerer Jungen in die Lehre vor der versammelten Zunft. Zu diesem Vorgang war die Lade aufgeschlagen, das „Aufdingbuch“ (Innungsbuch) lag auf dem Tisch, und es fehlte nicht an guten Ratschlägen, Ermahnungen und Warnungen. Manchmal war auch Biergeld fällig.
Biergeld war eine manchmal beim Aufdingen verlangte Gebühr, deren Höhe sich in Grenzen hielt. Es musste entweder das Biergeld für mehrere Lehrlinge gesammelt oder aus der Innungskasse etwas dazugelegt werden, um alle Meister mit Freibier versorgen zu können.
Unter Echtheitsbrief geben verstand man eine Erklärung, die zwei Zeugen - zumeist in zeremoniellen Wendungen - beim Aufdingen vor aufgeschlagener Lade und feierlich brennendem Kerzenlicht gegenüber den Zunftmeistern abzugeben hatten: Sie bürgten mit Brief und Siegel dafür, dass der zum Aufdingen bestellte Lehrjunge „echt“ sei. Das bedeutete, er sei ehelich geboren und seine Eltern übten kein unehrliches Gewerbe aus.
Unehrlich sein oder ein sogenanntes unehrliches Gewerbe ausüben. Konnte einer nicht spätestens beim Aufdingen seine eheliche und ehrliche Geburt mittels eines Echtheitsbriefes nachweisen, hatte er kaum eine Chance, einen ehrlichen Beruf zu erlernen. Angehörige folgender Berufe galten als unehrlich d. h. nicht ehrenwert: Spielleute, Weber, Schäfer, Scharfrichter, Abdecker, Büttel, Bach- und Gassenkehrer, Feldhüter, Totengräber und Nachtwächter. Außerdem galt es bereits als unehrlich, mit einem Scharfrichter oder Abdecker an einem Tisch zu sitzen. Auch nachdem schon 1731 durch einen „Reichsabschied“ alle Berufe (außer dem des Abdeckers) für ehrlich erklärt wurden, gehörte der Nachweis der Ehrlichkeit noch lange zum Ritual des Aufdingens.
Das Lossprechen war der offizielle Abschluß der Lehrlingszeit, auch als Freisprechen oder Ledigschelten bezeichnet. Es erfolgte vor offener Lade und wurde in den Akten festgehalten. Normalerweise war das Lossprechen mit einer kleinen Mahlzeit verbunden, dem sogenannten Lehrbraten, auch als Verschenken des Gesellenbratens bezeichnet.
Das Ledigschelten bedeutete eine letzte Maulschelle für den angehenden Gesellen als Symbol dafür, dass dieser nunmehr aus der Obhut des Meisters entlassen ist. Am Ledigschelten nahmen in der Regel alle Angehörigen der Werkstatt teil. Mancher Meister meldete erst dann einen ausgelernten Lehrjungen zum Lossprechen vor der Zunft an, wenn er diesen ausdrücklich ledig gescholten hatte.
Hänseln war die ursprüngliche Bezeichnung für die Prüfungsfragen, die in Verbindung mit dem Schleifen gestellt wurden und so beschaffen waren, dass der junge Geselle darauf meist nur eine unbefriedigende Antwort geben konnte. Später näherte sich Hänseln in der Bedeutung dem Schleifen an.
Schleifen bedeutete die „Erziehung“ des Ausgelernten zu einem „rechten Gesellen". Auch wenn die Lehrzeit gemäß den Statuten mit dem Lossprechen endete, galt der Losgesprochene im allgemeinen noch nicht als vollwertiger Geselle. Das wurde er erst durch das Schleifen. Für dieses Gesellenmachen gab es dutzende Varianten (z. B. Hobeln, Hänseln, Metzgersprung, Ritterschlag, Taufen, usw.). Mindestens zwei Gemeinsamkeiten hatten jedoch alle – der junge Mann musste sich unangenehmen Torturen unterziehen, und sein Selbstbewusstsein wurde durch pingelige Ermahnungen und kaum beantwortbare Fragen arg strapaziert. Die Bestimmungen für das Schleifen waren in den einzelnen Gewerken sehr unterschiedlich.
Taufe nannte man besonders bei den Tuchmachern, Schiffern und zum Teil auch bei den Buchbindern den Vorgang des Schleifens. Bereits der Name verrät, dass Flüssigkeiten hierbei eine wichtige Rolle spielen. Die Gesellen schütteten dem Täufling eiskaltes Wasser über den Kopf und zum versöhnlichen Abschluß auch ein wenig Wein.
Namen verschenken oder auch Namen kaufen. Dieser Brauch ist bis in das 14. Jahrhundert zurück nachweisbar. Am häufigsten wurde er unter den Schneidern und Tischlern praktiziert. Er bedeutete, dem jungen Mann mit seinem Eintritt in den Gesellenstand einen speziellen, gewissermaßen seine Philosophie ausdrückenden Namen zu verleihen; z. B. „Ehrlich bist“, „Frisch und frei“, „Trau auf Gott“ u. a..
Der frischgebackene Geselle musste von mehreren, auf die Tischplatte gezeichneten Kreidestrichen , einen mit der bloßen Hand völlig wegwischen. Auf der Unterseite der Platte waren den Strichen Namen zugeordnet. Das Unangenehme an der Sache war, dass seine Zunftgenossen um den Tisch herumsaßen und ihm, mit Holzlöffeln ausgerüstet, tüchtig auf die Finger klopften. Jedes Zurückziehen der Hand kostete ihn eine Runde. Zum Abschluß des Namenverschenkens war der Willkomm zu leeren.
Ø Wanderschaft
War der junge Mann zum Gesellen gemacht worden, begab er sich auf die Wanderschaft. Es bestand eine allgemeine Wanderpflicht, die wenigstens ein Jahr in der Fremde, häufig zwei und mehr vorsah. Die Anzahl der Wanderjahre war in den einzelnen Gewerken genau vorgeschrieben. Meistersöhne wurden auch dabei wieder bevorzugt.
Ohne den Nachweis der Wanderschaft konnte man nicht Meister werden.
Brauchtümliches gab es nur innerhalb der Stadtgrenzen beginnend am Stadttor und beim Gang durch die Straßen, beim Eintreffen in der Herberge und in der Werkstatt sowie für das Verhalten in der Herberge.
Einzelne Gewerke entwickelten eine große Vielfalt Bräuche für die Aufnahme der Fremden in die Gesellenrunde, welche die erfolgreiche Vorsprache bei ortsansässigen Meistern voraussetzte.
Die Zünfte hatten für ihre Gesellen eigene Herbergen, entweder ein separates Gebäude oder ein wechselndes Domizil bei einem Meister, der als Herbergsvater fungierte. Die Schlafstelle war einfach. Sie bestand aus einem Bett mit Strohsack und Decke und diente in der Regel zwei Gesellen als Nachtlager.
Der Ankömmling erhielt in der Herberge von den eilig zusammengerufenen Gesellen seines Handwerks einen Begrüßungstrunk.
Wichtigstes Anliegen war die Umschau nach Arbeit. Auf Arbeitssuche ging der Altgeselle, ein Angehöriger der lokalen Gesellschaft, der Herbergsvater, der jüngste Meister des jeweiligen Handwerks oder der einwandernde Geselle selbst.
Für Ankommende war es wichtig, Auskunft geben zu können über:
- den bisherigen Verlauf der Wanderschaft
- die Stationen
- die persönliche berufliche Entwicklung
Ab 1730 hatten wandernde Gesellen ein Zertifikat über die Wanderung bei sich zu führen, das von dem Viermeister (Obermeister) der Innung am jeweiligen Ort fortgeschrieben wurde.
Waren die Gesellen Angehörige einer geschenkten Zunft, d. h. der in den Städten konzentrierten Handwerke, bei denen weite Wanderwege vorgeschrieben waren - im Gegensatz zu den geringer geachteten ungeschenkten Zünften - bekamen sie für die Weiterreise einen Zehrpfennig geschenkt.
Die Rede zur Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses und zum Abwandern aus der Herberge war vorgeschrieben und mußte buchstäblich eingehalten werden.
Bei verschiedenen Gewerken war es Brauch, daß der abgehende Geselle nach Erhalt eines bescheidenen Zehrgeldes in der Herberge seine Quittung mit einem Sprichwort, einem Bibelzitat oder einem anderen geeigneten Text versah (Eintrag ins Herbergsbuch).
Die Gesellen hatten einen harten Arbeitsalltag. Sie verbrachten 12 Stunden und mehr in Arbeitsräumen, die häufig einer Höhle glichen. Der Ausbruch aus der erbärmlichen Fron des Alltags äußerte sich in allerlei Bräuchen, die mit Essen und Trinken zu tun hatten und ziemlich derb waren.
Seit dem 14. Jahrhundert schlossen sich die Gesellen zu eigenen Bruderschaften zusammen. Diese dienten der gegenseitigen Unterstützung bei Krankheit und der besseren Durchsetzung ihrer Forderungen gegenüber den Zunftmeistern.
Als Brüderschaft wurde die Vereinigung von Gesellen des gleichen Handwerks bezeichnet. Mitunter vereinigten sich aber auch Angehörige verwandter oder sogar unterschiedlicher Gewerke zu Brüderschaften gewährte man auch Wanderburschen die Aufnahme, setzte dies das Brüderschaftstrinken voraus.
Wanderschaft war in früheren Jahrhunderten das übliche Wandern von jüngeren, unverheirateten Handwerksgesellen über mehr oder weniger große Entfernungen. Es hatte zum Ziel, Arbeit und Brot zu finden und dabei Berufs- und Lebenserfahrung zu sammeln. Dies war meistens eine unabdingbare Voraussetzung für den Erwerb des Meistertitels. Die erste Vorschrift über das Gesellenwandern findet sich in der Satzung der Hamburger Gerber von 1375. Es war zumindest für Angehörige geschenkter Handwerke (s. Geschenk erhalten) gegen Ende des 15. Jahrhunderts zur allgemeinen Pflicht geworden. Man konnte sich aber zuweilen auch von der Wanderschaft freikaufen. Die berufliche Vervollkommnung war der Hauptzweck des Wanderns. Recht deutlich macht das folgender populärer Vers:
„Wer im Lenzen seiner Jahre
will was lernen und erfahren,
der muß in die Fremde ziehn,
der muß Wein und Jungfraun fliehn,
sonsten wird er nimmermehr
mit sich bringen Kunst und Ehr.“
Unter Gruß verstand man eine vorgeschriebene Folge von Formulierungen, die je nach Handwerksart unterschiedlich war. Mit dieser wies man sich auf der Herberge oder bereits am Stadttor (um sich das Zeichen holen zu lassen) als Angehöriger eines bestimmten Gewerkes aus. Beim Lossprechen musste der Geselle bereits hoch und heilig geloben, das Geheimnis des Grußes nicht zu offenbaren. Da es dabei nicht um ein einfaches Begrüßen sondern um die Beherrschung der gesamten Handwerkssprache ging, hatten manche Burschen ihre liebe Not, alles ordentlich vorzubringen.
Zeichen holen nannte man das Abholen eines Zeichens, mit dessen Hilfe der ankommende Wandergeselle sein Bündel durch das Stadttor bringen konnte. Er bekam dieses Zeichen in der Herberge „beim Herrn Vater“ (dem Herbergswirt), wo der Geselle folgenden Spruch vorzutragen hatte:
„Guten Tag, Glück herein, Gott ehre das Handwerk, Meister und Gesellen. Herr Vater, ich bitt, Ihr wollet mir doch ein Gesellenzeichen geben, dass ich mein Bündel kann zum Tor hineinbringen.“
Mitunter war es erforderlich, dass sich der Geselle selbst auf Umschau nach Arbeit begeben musste. Auch dazu rüstete er sich mit dem Zeichen aus.
Das Tischzeichen war ein Schild mit eingravierter Benennung des Handwerks, plastisch dargestelltem Handwerkszeug oder auch mit einer Szene aus der Arbeit des jeweiligen Gewerkes. Es hing entweder über dem Eingang zur Herberge oder über einem Herbergstisch. Es kennzeichnete so den Anlaufpunkt des Wandergesellen. Zur Erneuerung des Tischzeichens (Stubenzeichen) wurde in manchen Zünften Schildergeld erhoben. Auch Strafen konnten diesem Zweck dienen (s. Strafen an das Handwerksschild, Ladestock).
Umschau halten war die frühere Bezeichnung für Arbeitssuche. Noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein sagte kein Handwerksgeselle, er suche Arbeit, sondern er „hielt Umschau“. Das Umschauen besorgte entweder der Örtengeselle, oder der Arbeitssuchende machte sich innerhalb der Stadt selbst auf den Weg. Oft rüstete er sich zu diesem Zweck mit dem Zeichen aus.
Der Örtengeselle (auch Altführer, Altknecht oder Altgeselle) war ein vom Handwerk bestimmter Geselle, dem die Begrüßung von Neuankömmlingen oblag. Dieses ehrenvolle Amt vergab man unter Zeremonien, die von Gewerk zu Gewerk unterschiedlich waren.
Unter Abstrafen verstand man die umgangssprachliche Bezeichnung für die Vergabe des Geschenks. Mitunter kamen sich Meister und Gesellen schon gestraft vor, wenn ständig Wanderburschen bei ihnen vorsprachen. Um die Kasse vor allzu harten Strapazen zu bewahren, trafen die verschiedenen Gewerke Regelungen, wonach sich z. B. ein Fremder innerhalb von 100 Tagen nur einmal in derselben Werkstatt nach Arbeit fragen durfte.
Als Geschenk erhalten bezeichnete man zu Beginn nur das Verabreichen eines Ehrentrunks an einen fremden Gesellen in der Zunftstube. Später als eine Art Reiseunterstützung für die Wanderschaft. Dabei wurde es üblich, zwischen geschenkten und ungeschenkten Handwerken zu unterscheiden. Bei ersteren bestand eine Art Rechtsanspruch auf das Geschenk. Dagegen musste die jeweilige Zunft eines ungeschenkten Handwerks den Gesellen nicht unbedingt die Unterstützung gewähren (s. auch Abstrafen).
Binden war ein verbreitet praktizierter Brauch beim überraschenden Eintreffen eines Fremden in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Dem Ankommenden wurden beispielsweise die Beine umwickelt. Die Wollweber taten dies mit Wolle und die Zimmerleute ihre Bauschnüre. Um die Wirkung des Vorganges zu erhöhen, wurde oft noch ein Spruch vorgetragen, der davon überzeugte, dass nur ein Freikauf die Fesseln wieder lösen könne. Allerlei Torturen hatte derjenige zu befürchten, der kein Trinkgeld geben wollte oder konnte.
Feldtrunk nehmen war ein besonders im Sächsischen verbreiteter Brauch, dem wanderfertigen Gesellen einen Abschiedstrunk auszugeben. Nach dem Leeren des Kruges musste sich der Wandergeselle mit den Worten: „Dieser Trunk ist mir zwar sehr lieb, aber eine glückliche Reise noch viel lieber“ verabschieden.
Ø Meister
Nach der Wanderschaft band sich der Geselle fest in die am Ort oder in nächster Nähe bestehende Gesellenvereinigung ein. Das angesehenste Amt dort war das des "Örtengesellen" (Altgeselle). Der Neuling erhielt oft gleich eine Funktion, allerdings keine ehrenvolle, sondern eine dienende. Er hatte u. a. die Zusammenkünfte zu organisieren. Zu Meisterehren zu kommen, war nicht einfach. Entscheidenden Einfluß hatte der Besitz von Produktionsmitteln, denn er allein öffnete den Zugang zur Zunft. Jeder Bewerber mußte wiederholt um Meisterehren anhalten ("muten"), was jedes Mal mit der Zahlung einer Gebühr verbunden war. Nach der Probe- oder Mutzeit mußte der Geselle dem versammelten Handwerk unter Vorsitz des Zunftmeisters sein Meisterstück vorlegen. Wurde dies für gut befunden und konnte eine eigene Werkstatt nachgewiesen werden (bei geschlossenem Handwerk war das in der Regel nur durch Erbe, Einheirat oder eine durch den Tod eines Meisters freigewordene Stelle möglich) und nach Ablegung des Eides
- das Handwerk zu stärken
- sich den Zunftregeln zu unterwerfen
- dem Wohl der Stadt zu dienen
wurde der neue Meister feierlich in die Gemeinschaft der Zunftgenossen aufgenommen. In diesem Zusammenhang hatte er seinen Mitmeistern auf eigene Kosten ein standesgemäßes Mahl auszurichten und in die Zunftkasse eine Summe (Fordergeld) einzuzahlen. Dieses üppige Festmahl war oft reichlicher als bei einer Hochzeit oder Kindstaufe. Auch beim Erlangen der Meisterehre hatten Meistersöhne erhebliche Vorteile, wie die folgende Gegenüberstellung verdeutlichen soll:
Meistersöhne
- bekamen in Statuten besondere Rechte eingeräumt
- mußten förmlich und wiederholt um Meisterehren ersuchen (muten), ihnen war das aber in kürzeren Abständen als sonst üblich erlaubt
- brauchten nur ein kleines oder überhaupt kein Meisterstück zu fertigen
"normale" Gesellen
- hatten es schwer und viele nicht die Spur einer Chance, über den Gesellenstand hinauszukommen
- konnten am sichersten zur Selbständigkeit gelangen, wenn sie eine Meisterwitwe ehelichten
Anforderungen an einen angehenden Meister am Beispiel der Chemnitzer Tuchmacher von 1470:
- Kennen der Handwerksartikel
- Nachweis seiner und seines Weibes Ehrlichkeit und Redlichkeit
- 2 Jahre Lehrzeit und 2 Jahre Arbeit auf Knappschaft (als Geselle)
Zahlung von 3 Gulden für die Walkmühle
- Zahlung von Groschenbeträgen für die Bestätigung und Einschreibung
- Spende von 2-4 Pfund Wachs für Handwerkskerzen
Im 16. Jahrhundert kam das Meisterstück als Prüfungsakt hinzu. Die Mutungsgebühren waren so hoch, daß sie als Abschreckung dienten. Erschwerend war auch der Umstand, daß die Anzahl der Zulassungen zum Meister von den Zünften willkürlich festgelegt wurde, um die Konkurrenz möglichst gering zu halten. Meistersöhne und Einheirater blieben von den finanziellen Aufwendungen ganz oder teilweise verschont.
Vom 15. - 18. Jahrhundert war das Meisterwerden schwerer, aufwendiger und zeitraubender geworden. Vorteile hatten wiederum die Meistersöhne und Einheirater. Es blieb aber auch Spielraum für Zugänge aus anderen gewerblichen, sozialen und geographischen Regionen.
Muten war der anfängliche Ausdruck für „um etwas förmlich anhalten“. Im Handwerk wurde es allmählich Brauch, auch um Meisterehren anzuhalten. Die Zunft legte eine bestimmte Mutzeit fest. Für den Bewerber bedeutete das, innerhalb der gesetzten Frist in der Regel dreimal vor den versammelten Meistern zu erscheinen und dabei Mutgeld zu zahlen. Mit der Einführung der Mutzeit wollten die Zünfte den Zugang zum Handwerk erschweren. Außerdem nutzte man die Frist dazu, Hinweise über die Fähigkeiten und Charaktereigenschaften des sich um Meisterehren Bewerbenden zu beschaffen.
Mit Meisterpromotion wurde der Vorgang des Meisterwerdens bezeichnet. Nach dreimaligem Muten, der Vorlage und Bewertung des Meisterstücks sowie der Entrichtung einer Gebühr erfolgte der Eintrag in das Meisterbuch. Den offiziellen Abschluß des feierlichen Aktes beschlossen ein Trunk aus dem Willkomm-Pokal „auf die ehrbaren und rechtschaffenen Meister nach Handwerksbrauch und Gewohnheit“ und das Meisteressen. Bisweilen folgte auch noch der Gebrauch des Ladestocks. Mit diesem erhielt der neu ernannte Meister fünf symbolische Schläge: erstens im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, nächstens „für seine Gnaden, den König“, für den Herrn Vater, für die Frau Mutter und zuletzt für Recht und Ordnung.
Meisteressen nannte man die abschließende Zeremonie des Meisterwerdens. Anfänglich verlief das Meisteressen in recht bescheidenem Rahmen. Der Neuaufgenommene wollte damit den älteren Meistern seine Reverenz erweisen. Für dieses Gastmahl nahmen aber bereits im 16. Jahrhundert die Aufwendungen enorm zu. Der Rat Berlins z. B. erließ 1565 die einschränkende (!) Anweisung, jedem Meister „nur“ vier Pfund Fleisch, ein Huhn und eine Schüssel gekochten Essens vorzusetzen – die Getränkemenge wurde offenbar nicht eingeschränkt. Im 17. Jahrhundert uferten die Essen derart aus, dass der junge Meister seine Werkstatt oft mit einer großen Schuldenlast übernehmen musste, denn er hatte ja bereits im Verlauf des Mutens und der Meisterpromotion beträchtliche Gebühren entrichten müssen (siehe auch Strafbüchse füllen).
Strafbüchse füllen wurde das Kassieren von Strafgeldern genannt, meistens wegen ungebührlichen Benehmens. Die Strafbüchse war meist eine zinnerne Dose und wurde in der Lade aufbewahrt. Da mitunter auch Arme und Waisen Unterstützungen daraus erhielten, ließ man sie gern bei Meisteressen nachfüllen.
Ø Versammlungen und Zusammenkünfte
Sie waren fester Bestandteil im Alltag der Meister als auch der Gesellen – Alltagsereignisse im Sinne der Fortsetzung der Alltagspflichten. Es wurden amtliche Vorgänge erledigt. Am „Blauen Montag“ besprach man Angelegenheiten, die die Brüderschaft bewegten – es war kein Tag zum Ausruhen und Fröhlichsein.
Für das Verhalten in der Runde galt ein strenges Reglement in zahlreichen Variationen.
Der Lade (heute Truhe) kam dabei besondere Bedeutung zu:
- von ihr ging eine zeremonielle Gewalt aus
- sie war das Instrument, mit dem Beginn und Ende des offiziellen Teils angezeigt wurde
Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltungen liefen nach bestimmten Vorschriften ab, z. B. formelles Einladen der Handwerker zur Versammlung, Begrüßung eines zugewanderten Gesellen, Entrichten von Geldbeträgen, usw..
Ein Handwerk machen lassen hieß: die Handwerker zu einer Zusammenkunft bitten. Meist brachte ein Bote die Nachricht von Werkstatt zu Werkstatt. Dabei führte er auch den bei Meisterpromotionen verwendeten Ladestock („Einladestock“, „Ordonanzstab“) mit.
Die Morgensprache war eine ursprünglich nur am frühen Morgen stattfindende Zusammenkunft der Zunftmeister. Die später so bezeichneten Versammlungen fanden anfangs nur zwei- bis höchstens sechsmal jährlich statt und dienten vordringlich zur Klärung von Zunftangelegenheiten. Eindeutig geregelt war das Verhalten in der Versammlung. In den „Privilegien“ der Tuchmacher zu Köpenick heißt es 1644: „Soll Niemandt mit tötlicher gewehr zuer Morgensprache kommen, auch Keinen hader anfangen oder ohne Verlaubniß der Zunftmeister etwas reden. Wer darwider handelt, soll die Thonne füllen...“
Darauf, dass der Umtrunk nicht zu kurz kam, deutet die erwähnte Tonne, eine große Schenkkanne, hin. Im Laufe der Zeit traf man sich nur noch aus Tradition zum Gespräch und zur angenehmen Runde (siehe auch Quartalstag).
Ladestock war die Bezeichnung für einen kunstvoll gearbeiteten Stab aus Holz, gelegentlich auch aus Zinn, den der Bote bei der Einladung der Meister mit sich führte. Dieser Bote (jüngster Meister oder Örtengeselle) tat, während er von Werkstatt zu Werkstatt ging, Tag und Uhrzeit der Morgensprache kund. Besaß die Zunft keine eigene Herberge, so hing der Ladestock oft im Versammlungsraum über dem Tisch und kennzeichnete als Tischzeichen das Domizil der Meister.
Auflage bezeichneten die Handwerksgesellen ihre Zusammenkunft. Sie trafen sich im Unterschied zur Morgensprache der Meister ausschließlich am Abend. Mit einem kräftigen Schluck wollten sie die Last des Tages vergessen. Während bestimmter abendlicher Auflagen war eine Art Mitgliedsbeitrag zu entrichten (auf den Tisch zu legen). Das mag für die Zusammenkunft namensgebend gewesen sein.
Quartalstage waren regelmäßige Zusammenkünfte aller Meister (gelegentlich war auch den Gesellen die Teilnahme erlaubt) zu fest vereinbarten Terminen. Häufige Versammlungstage waren der dritte Osterfeiertag, der Johannistag (24.6.), der Michaelistag (29.9.) und der dritte Weihnachtsfeiertag. Zeremonieller Mittelpunkt dieser Tage war das Öffnen und Schließen der Lade.
Der Blaue Montag war früher in zahlreichen Gewerken ein üblicher Ruhe- und Feiertag der Handwerker. Sie bummelten aber keineswegs, denn eine feiertagslose Woche hatte achtzig Arbeitsstunden. Das Streben der Gesellen nach einem freien Tag („Guter Montag“, „Krugtag“, „Bierschicht“) ist daher verständlich. Man vergnügte sich in geselliger Runde und besprach dabei auch manche Probleme. Nach und nach versuchte die Obrigkeit die blauen Montage einzuschränken bzw. ganz abzuschaffen. Anfangs war der blaue Montag nur in Wochen ohne Feiertag erlaubt. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Blaumachen generell verboten und auch streng bestraft – zuweilen schon bei einmaliger Verfehlung mit acht Tagen Arrest.
Mit besetztem Tisch bezeichnete man den Sondertisch in der Zunftversammlung für besonders bevorzugte Zunftgenossen. Normalerweise durften sich dort nur jene niederlassen, die ein bestimmtes Amt begleiteten (Obermeister oder Gesellenschreiber). Dieses Vorzugsrecht war üblicherweise mit dem Recht auf Freibier gekoppelt.
Hammergebot nannte sich das vom Obermeister oder Örtengesellen mit Hammerschlag erlassene Ruhegebot, worauf die Lade herbeigeholt oder ihr Deckel geöffnet wurde. Das als Hammer geformte Gerät war aus Holz oder Metall, manchmal sogar aus Silber, hergestellt. Es wurde sowohl vom Meister als auch von den Gesellen benutzt.
Die Lade war meist ein sehr kunstvoll gefertigtes Behältnis zur Aufbewahrung wichtiger Dokumente (Handwerksstatut, Lehrjungen-, Gesellen- und Meisterbuch) der jeweiligen Zunft. Jeder offizielle Akt begann mit dem feierlichen Öffnen der Lade. Ihr Deckel wurde vom berechtigten Meister aufgeklappt und blieb für die Dauer des Vorgangs geöffnet. Während dieser Zeit geführte Gespräche hatten besonderes Gewicht und erlangten durch die geöffnete Lade Gültigkeit. Wurden Angelegenheiten schriftlich festgehalten, dann erscheint fast immer der Vermerk, das Problem sei vor offener Lade besprochen und beschlossen worden.
Lage war die ursprüngliche Bezeichnung für Pflichtbeiträge, die die Meister zu den Quartalstagen zu entrichten hatten. Der gemeinsam festgelegte Betrag der Lage diente zur Unterstützung Kranker, zur Erhaltung der Herberge, zur Sicherung des Geschenks und nicht zuletzt für Bier und Wein. Aus letzterem entwickelte sich der heute gebräuchliche und weit verbreitete Begriff „eine Lage geben“ – freiwilliges oder pflichtgemäßes Spendieren von Getränken.
Lade schließen bedeutete allgemein die Beendigung eines offiziellen Vorgangs (siehe Lade). Ein verbreiteter Brauch war es, die Lade während einer noch anhaltenden Debatte vorzeitig zu schließen, um diesem oder jenem mehr Redefreiheit zu schaffen. War einer eben dabei, seinen Unmut laut kund zu tun, konnte ein besorgter Freund einfach den Deckel zustoßen. Das war zwar ebenfalls strafbar, aber harmloser als die Äußerung böser Worte vor geöffneter Lade. In solchen Fällen ist von den Webern, besonders aus dem Böhmischen, folgendes bekannt. Sie signalisierten dem Örtengesellen durch Einwerfen eines Geldstücks in die Lade oder auch durch Überwerfen eines Kleidungsstücks, er möge rasch den Deckel schließen.
Ø Essen und Trinken
Im 18. Jahrhundert trank man bei den Zusammenkünften der Handwerker gelegentlich aus sogenannten Gestaltgefäßen, d. h. die Trinkgefäße hatten die Form eines für das jeweilige Handwerk typischen Erzeugnisses oder Handwerkszeug, z. B. ein Stiefel für die Zunft der Schuster.
Es galten strenge Trinkordnungen - dem "voll saufen" wirkte man mit ziemlich drastischen Trinkstrafen entgegen.
Die Zeremonien richteten sich nach der Art der Zusammenkünfte. Zum fröhlichen Beisammensein gehörte dieser oder jener Schabernack dazu.
Bei organisierten Zusammenkünften herrschte Zucht und Ordnung, besonders beim Trinken aus dem Willkommpokal. Gemeinsame Essen verliefen ähnlich streng.
Die Trinkordnung war eine spezifische Vorschrift für geselliges Trinken. Fast jedes Gewerke hatte eine Trinkordnung, in der festgelegt war, ob ein Trinkgefäß mit der linken oder rechten Hand, mit oder ohne Tuch, barhäuptig oder mit Kopfbedeckung anzufassen ist, ob zuerst der Deckel zu heben und dann der Krug aufzunehmen ist oder umgekehrt, wann sich die Runde zum Trunk zu erheben hat usw.. Eine allgemeine Bestimmung lautete, dass keiner von seinem Getränk mehr vergießen durfte, als er mit der Hand oder dem Fuß verdecken konnte. Diese Vorschrift gehört zu den ältesten überhaupt (schon 1235 in der Bruderschaftsordnung der Bäcker Rigas). Es war streng verboten, den Finger in das Trinkgefäß zu tauchen (das beschwörte Not herauf) oder ein noch nicht geleertes Gefäß nachzufüllen (es bringt dem Trinkenden die Gicht).
Als Zutrinken wurde eine zum Trinken nötigende Art des Zuprostens bezeichnet.
Gesundheitstrinken war eine auf den hygienischen Schutz des Trinkenden bedachte Art des Zutrinkens. Wenn man sich gegenseitig gute Gesundheit zutrinken wollte, schrieb ein alter Brauch vor, Krüge mit Deckel zu verwenden. Ein Chronist kommentierte im 18. Jahrhundert den Brauch folgendermaßen: die Handwerker sähen ihn als vornehm an, weil es "große Herren" auch so machten - aber es geschähe bei den Herren nur, damit keiner etwas Giftiges in das Getränk werfe.
Der Willkomm war ein Pokal aus Zinn, manchmal auch aus Silber, der mit einem Deckel versehen war. Man benutzte ihn als traditionelles Zunftgerät für viele mit dem Trinken verbundene offizielle Gelegenheiten, z. B. zur Begrüßung eines neuen Gesellen, aber auch beim Gesellenmachen. Dabei mußte der mit Pfeffer oder anderen Gewürzen versetzte Inhalt (Bier, Wein, manchmal auch Branntwein) "auf drei schmale Schluck" ausgetrunken werden (siehe auch Reihekanne machen).
Reihekanne machen nannte man das dreimalige Herumreichen eines zuvor voll gefüllten Willkomms in der Runde. Das Maß war dabei so zu trinken, daß der Inhalt bis zum Letzten reichte.
Unter Tischordnung versteht man eine Verhaltensvorschrift bei Tisch anläßlich besonderer Zusammenkünfte. Verboten war, mit Würfeln herumzuwerfen, Zinnteller abzuschaben und zu durchstechen, Messer und Gabeln zu stehlen, sich in die Haarlocken des Nachbarn zu schneuzen, auf den Tisch zu übergeben, den Wirt zu mißhandeln oder jemand zu erstechen.
Ø Feste und Feiern
Über Jahrhunderte war es im Handwerk üblich, die Feste zu feiern wie sie fielen. Anlässe wurden gefunden, um sich bei Speise und Trank zusammenzufinden und die Gemeinschaft zu festigen. Gründe zum Feiern gab es viele. Manchen Handwerker bewogen die Sorgen und die Kargheit des Alltags zur Flucht in traditionelle Vergnügungen. In der lauten Geselligkeit entluden sich Spannungen und Ärger. Tradition hatten z. B. jene Feste, die sich im Jahreslauf regelmäßig wiederholten (Fastnachtsumzug, Pfingstaufzug oder auch der Tag im Herbst, an dem künstliches Licht zum Arbeiten notwendig wurde) und überraschende Ereignisse (Ankunft in einer Herberge). Zu den Festen, die auf längere Sicht planbar waren, gehörten das Gesellen- und Meisterwerden, Hochzeiten und Taufen. Aber auch traurige Anlässe wie Begräbnisse wurden in der Zunft gemeinsam begangen. Desweiteren gab es Feierlichkeiten mit Festumzug, bei denen Sinnbilder und Erzeugnisse des Handwerks mitgeführt wurden. Man stellte den Berufsstolz in der Öffentlichkeit zur Schau.
Scheibenschießen war gewöhnlich eine zu Schützenfesten veranstaltete Übung für den Gebrauch von Schusswaffen, denn es war häufige Pflicht der zunftangehörigen Handwerker, an der Verteidigung ihres Arbeits- und Wohnortes teilzunehmen. Später entwickelte sich das Scheibenschießen zu einem Volksfest und der Verteidigungscharakter stand nicht mehr im Vordergrund. Sach- oder Geldpreise waren der Lohn für die besten Schützen.
Mit Lichtbraten oder auch Lichtgans bezeichnete man eine kleine Feier anlässlich des Beginns der Arbeit bei künstlichem Licht (meist an Michaelis, dem 29. September). Da es sich meist um einen kleinen Schluck Bier bzw. Wein handelte, versprachen die Bezeichnungen mehr als die Feier hielt. Gäste wurden dazu nicht geladen.
Herberge verlegen wurde eine Festlichkeit anlässlich des „Umzugs“ einer Herberge in ein anderes Gebäude genannt. Dafür veranstaltete man meist einen feierlichen prozessionsartigen Umzug, dem man die Lade, den Willkomm und die Tischzeichen vorantrug. Die Zeichen wurden dann von den Gesellen „unter Trompetenschall“ in der neuen Herberge aufgehängt.
Der Fastnachtsumzug ist noch heute ein bekannter karnevalistischer Brauch. Die Teilnahme am Umzug war für die Handwerkszünfte ein ungeschriebenes Gesetz.
Badegang nannte man den gemeinsamen frohgemuten Zug der Gesellen eines Gewerkes zu besonderen Anlässen, z. B. in der Fastnachtszeit am Aschermittwoch, in die öffentliche und dafür vorbereitete Badestube. Getränke wurden mitgebracht und für das Essen sorgte der Bader. Manchmal soll auch der Meister den Gesellen dafür nach altem Brauch „Küchlein und sulzen“, also Speisen mitgegeben haben. Zuweilen wurde die Zeche auch durch die Zahlung eines wöchentlichen Badegeldes finanziert.
Als Beisetzung bezeichnete man eine feierliche Trauerzeremonie anlässlich des Ablebens eines Zunftgenossen. Zur selbstverständlichen Pflicht aller betreffenden Handwerker gehörte es, für die Aufbahrung zu sorgen und am Begräbnis teilzunehmen. Die feierliche Aufbahrung fand in der Kirche statt, wo der Katafalk und auch der Sarg mit einem zunfteigenen Sargtuch abgedeckt waren. Konnte man sich kein eigenes Sargtuch leisten, wurden wenigstens besondere Zeichen (ähnlich der Tischzeichen) aufgestellt. Auch Sargschilde aus Holz, Metall oder sogar Textilien mit aufgetragenen Sinnbildern der Zunft fanden Verwendung. Mitunter war es Brauch, auf den Sarg eine Totenkrone zu setzen. Sie war aus Draht kegelförmig aufgebaut und mit Papierblumen und anderem Zierrat geschmückt.
Die Totenschau war ein Aufgabe, die in vielen Städten vom Sargschreiner wahrgenommen wurde. Vor der Beerdigung hatte er sich davon zu überzeugen, dass der Verstorbene wirklich tot war. Zu diesem Zweck musste er den Bauch der Leiche befühlen um feststellen zu können, ob dieser tatsächlich kalt ist, als untrügliches Zeichen für das unwiederbringliche Leben.
Ø Strafen und Bußen
Im Falle eines Vergehens schenkten Handwerker einander nichts. Anlässe waren echte Vergehen und Strafverfahren mit Augenzwinkern. Es dominierten die Bräuche bei echten Vergehen. Die Nichteinhaltung des Mutungstermines z. B. zog eine Geldstrafe nach sich. Ihre Höhe konnte bis zu 1/10 eines Meisteressens betragen. Man unterschied Strafen und Bußen für Meister oder Gesellen bzw. Meister und Gesellen.
Brauchtümliche Strafen für Lehrlinge sind kaum bekannt. Sie erhielten einfach eine Tracht Prügel. Erst in Verbindung mit dem Lossprechen traten sie in Erscheinung, z. B. "Strafen an das Handwerksschild" oder "Vertragsbier".
Unter Schelten ist eine Beschuldigung gegenüber demjenigen zu verstehen, der gegen Handwerksbrauch und –gewohnheit verstoßen hat. In allen Gewerken wurde dieser Ausdruck mit dieser Bedeutung benutzt.
Pfändung war ein manchen Zünften zugestandenes Recht, einem Meister gegenüber nicht nur eine Strafe auszusprechen, sondern bei Nichteinhaltung dieser, auch ein Pfand einzuholen. Nach und nach entwickelte sich der Brauch, dass der Schuldner beim Pfänden mit einer tüchtigen Dosis Bier büßen musste. Für das Pfändungsrecht hatten die Zünfte beim Stadtgericht jährlich eine bestimmte Gebühr, den Panpfennig, zu entrichten.
Im Vergleich zum Schelten war das Legen des Handwerks für den Meister eine viel empfindlichere Strafe. Ein gescholtener Meister durfte einen fremden Gesellen noch für zwei Wochen beschäftigen. Dabei musste der Geselle nicht unbedingt etwas von der Schelte erfahren. Beim Legen des Handwerks jedoch durfte der Meister selbst nicht mehr tätig sein.
Als Auftreiben wurde die vorgesehene Bestrafung eines Meisters oder Gesellen wegen eines Vergehens gegen das Handwerk bezeichnet. Der Umgang mit dem betreffenden Gesellen war fortan verpönt, die Umschau nach Arbeit verlief erfolglos und der Sünder wurde ausgehauen. Ein aufgetriebener Meister wurde nicht zu den Zusammenkünften eingeladen und bei ihm ließen sich keine Gesellen einstellen. Mit Geld konnte man sich bei der Zunft abfinden und nach verbüßter Strafe, oft in Form von Speise und Trank, alles vergessen machen.
Aushauen bedeutete einen möglichen Verweis des Gesellen aus der Stadt, nachdem das Auftreiben beschlossen und der Geselle als Schwarz erklärt worden war. Verhindern konnte der Betreffende sein Aushauen durch Abbitte und Buße. Ein schnellstens aufgesetzter Auftreibebrief, der die entsprechende Kunde verbreitete, verfolgte den ausgehauenen Gesellen.
Schwarz war die schlimmste Strafe für Gesellen (Tadel war die geringste). Auf eine schwarze Tafel wurde der Taufname, oder der durch das Namenverschenken erworbene, geschrieben und bei jeder Auflage verlesen. Zuvor hatte man beschlossen, den betreffenden Gesellen auszuhauen (siehe auch Schwarzes Buch).
Im Schwarzes Buch standen die Namen der Gesellen, die als Schwarz gekennzeichnet waren (Variante der Eintragung auf der schwarzen Tafel). Während der Auflage wurde das Schwarze Buch hervorgeholt und verlesen. Bei den Schlossergesellen hieß es z. B.: “Zum neunten soll das Schwarze Buch verlesen werden. Ist einer von den Gesellen und Jüngern darin begriffen, der stecke den Kopf zum Fenster hinaus, die Füße unter den Tisch, bis das Schwarze vorüber ist; vielleicht kann man ihm von dem Schwarzen auf’s Weiße helfen, wenn er Geld oder Geldwert hat.“
Als Schnupfen ist in manchen süddeutschen Städten die öffentliche Bestrafung der Bäcker bekannt, z. B. für Vergehen gegen Gewicht oder Preis einer Ware. Zu diesem Zweck wurde der Sünder in einen Käfig gesperrt, um danach in das Wasser eines Brunnens oder Flusses getaucht zu werden. Da dies nicht nur im Sommer geschah, konnte man sich schon einen Schnupfen holen.
Strafen an das Handwerksschild war eine Art der Geldbuße für einen ehemaligen Zimmermannslehrling. Nach dem Lossprechen wurde er vom Örtengeselle gefragt, ob er während der Lehrzeit Strafbares begangen habe. Bei positiver Beantwortung konnte das fällige Bußgeld auch an das „Handwerksschild“, d. h. für die Erneuerung des Tischzeichens, entrichtet werden.
Vertragsbier nannte man die Geldbuße für einen ehemaligen Zimmermannslehrling. Bei Bekanntwerden eines Vergehens hatte die beim Lossprechen allgemein übliche Frage nach eventuellen Sünden während der Lehrzeit, eine Geldstrafe zur Folge. Je nach Abkommen war dieses Vertragsbier „an die Lade“, an das „Handwerksschild“ (siehe Tischzeichen) oder an den „Willkomm“ zu entrichten.
STATIONEN DER MEISTERREISE
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Lernen Sie Vergangenheit und Gegenwart der Textil- und Kulturregion entlang der "Sächsischen Textilstraße" kennen.
Die ausgewählten Stationen
Marienberg
Zschopau
Oederan
Frankenberg
Mittweida und
Hainichen
bieten dem Touristen vielseitige Angebote, sich über die Geschichte der Textil-industrie zu informieren und gleichzeitig Kultur und Schönheiten der Städte und der Natur zu erleben. Der Verlauf der Stationen in der genannten Reihenfolge gibt darüber hinaus noch einen Überblick in Form eines überregionalen "Historischen Textillehrpfades" über verschiedenen Textiltechnologien von der Fadenherstellung bis zur Konfektion.
Nachfolgende Ausführungen sollen das Anliegen näher erläutern.
Marienberg - eine Bergstadt im Herzen des mittleren Erzgebirges
Schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts bildete sich das Posamenten-handwerk heraus. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte es sich stark ab und prägte die textilgeschichtliche Entwicklung für den erzgebirgischen Raum.
Als erste Station des "Historischen Textillehrpfades" könnte im Museum "Zschopauer Tor" eine gesonderte Dauerausstellung zum jahrhunderte-lang vertretenen Handwerk der Posamentenherstellung attraktiv gestaltet werden.
Im Faltblatt sind noch weitere touristische Attraktionen der Stadt und der näheren Umgebung aufgezeigt, die den Touristen zum Verweilen einladen sollen.
Zschopau - eine Große Kreisstadt im Mittleren Erzgebirge
Bereits im 15. Jahrhundert waren die Leineweberei und Tuchmacherei bedeutende Erwerbszweige in der Stadt. Die Baumwollspinnerei entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert zum führenden Zweig der Textilindustrie und machte Zschopau über Sachsen hinaus bekannt. Johann Jacob Bodemer als Begründer der größten Zschopauer Spinnerei, sein Sohn Jacob Georg Bodemer und Enkel Johann Georg Bodemer, die die Fabrik weiter ausbauen ließen, haben hierfür Bedeutendes geleistet.
Mit der Konzipierung und Schaffung der "Sächsischen Textilstraße" ergibt sich für die Stadt Zschopau nicht nur Gelegenheit, sondern auch Verpflichtung, die Industriegeschichte anspruchsvoll aufzuarbeiten und weitere touristische Angebote, besonders für den Bildungs- und Wirtschaftstourismus, zu schaffen.
Zschopau bietet seinen Besuchern neben der reizvollen Landschaft zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Im Faltblatt sind Stationen, die dazu zählen, angesprochen.
Oederan – eine reizvolle Kleinstadt am Fuße des Erzgebirges
Der Stadt Oederan kommt eine bedeutende Stellung als Textilstandort an der Sächsischen Textilstraße zu. Die Geschichte der Stadt ist seit altersher mit der Textilindustrie verbunden. Von den Band- und Borten-wirkern des Mittelalters, von den Tuchmacher- und Weberzünften, von den selbständigen Heimwebern und den abhängigen Heimarbeitern bis hin zu den großbetrieblichen Formen der Spinnerei-, Weberei- und Nähfadenindustrie ist die Herstellung von Textilien zu einen Hauptzweig der gewerblichen Tätigkeit geworden und prägte Menschen und Landschaft.
Die Weberei hat für Oederan eine besondere historische Bedeutung. Sowohl die traditionelle Handweberei als auch Sachzeugen aus der Zeit der Industrialisierung sollen für die Nachwelt erhalten und gepflegt werden. Durch das Webereimuseum wird "Geschichte zum Anfassen" vermittelt. Es wird mit seiner innovativen Gestaltung zu einem entscheidenden Leistungsbestandteil touristischer Angebote werden.
Eingebettet in einem Tal, von Hügeln und Wäldern umgeben, bietet die ca. 800 Jahre alte Kleinstadt attraktive Angebote, die Erholung, Entspannung, Erlebnismöglichkeiten sowie Kunst und Kultur bieten. Das Faltblatt informiert über einige Stationen.
Frankenberg – die Stadt am Fuße des Erzgebirges
Ihre Entstehungsgeschichte ist eng mit den Anfängen des Erzbergbaus in der unmittelbaren Umgebung sowie mit der Gründung der Stadt Freiberg im Jahre 1186 zu sehen. Zu beiden Seiten des Zschopautales zwischen Frankenberg und Mittweida waren die Silber- und Erzfunde so ergiebig, daß sich der Ort bald vom Dorf zur Stadt entwickelte.
Mit dem Rückgang der Funde waren die Menschen gezwungen, sich einem anderen Erwerbszweig zuzuwenden – es entwickelte sich die Weberei. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt immer mehr zu einem wichtigen Standort der Textilindustrie.
Letztendlich durchgesetzt, und bis zur heutigen Zeit erhalten, hat sich in Frankenberg die Kunst der Textilveredlung. Es bietet sich deshalb an, eine Station des "Historischen Textillehrpfades" für diesen Technologiebereich mit den Branchen Appretur, Bleicherei, Färberei und Druckerei hier entstehen zu lassen. Für touristische Attraktionen sollten die produzierenden Unternehmen als "besucheroffene Firmen" gewonnen werden.
Einige Sehenswürdigkeiten der Stadt und der näheren Umgebung sind im Faltblatt beschrieben.
Mittweida – eine Stadt am Nordrand des Erzgebirgsvorlandes
Mittweida, inmitten des reizvollen und romantischen Zschopautales gelegen, stand von jeher in gutem Ruf als Weber- und Tuchmacherstadt. Aus kleinen industriellen Anfängen heraus entwickelte sie sich zu einer Stadt der Textilindustrie. Neben Weberei und Spinnerei hatte sie auch ihre Bekanntheit in der Wäschefabrikation (Konfektion).
Mittweida als Textillehrpfadstation für den Technologiezweig Konfektion auszuwählen, begründet sich in der Tatsache, daß sie neben der Weberei zahlenmäßig zu anderen Branchen überwiegt. Es würde sich das Museum "Alte Pfarrhäuser Mittweida" eignen, die textile Geschichte in die Stadtgeschichte einzubinden.
Die Spuren der Vergangenheit, vor allem die interessanten Bürger-häuser und die Häuser der Leineweber und Tuchmacher, befinden sich im denkmalgeschützten Stadtkern. Darüber hinaus hat Mittweida eine Vielzahl anderer Sehenswürdigkeiten, einige davon sind im Faltblatt erwähnt.
Hainichen – eine Stadt am Fuße des reizvollen Erzgebirgsvorlandes
Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Hainichen von einem einreihigen Waldhufendorf zu einer städtischen Siedlung. Im Städtchen ließen sich verschiedene Handwerker nieder. Wie in vielen Orten des Vorerzge-birgslandes hatte zuerst die Tuchmacherei in Hainichen ihren Sitz aufgeschlagen und ist seit dem 15. Jahrhundert hier heimisch. Sie bildete neben der Leineweberei über Jahrhunderte den Haupterwerbszweig. Für dieses Gewerbe boten sich günstige Bedingungen wie ausreichend gutes Wasser durch die kleine Striegis und genügend Platz für die auf hölzerne Rahmen gespannten Waren an den sonnigen Hängen des Striegistales.
Im denkmalgeschützten Tuchmacherhaus befindet sich heute eine Schauwerkstatt. Als Ergänzung der darin gezeigten Dokumentationen zur Geschichte der Tuchmacherei in Hainichen wird die Anbindung des
"Historischen Textillehrpfades" mit der Technologie des Tuchmachens vorgeschlagen.
Im "Landschaftsschutzgebiet Striegistäler" kann der Erholungs-suchende Natur pur genießen. Aber auch für Kultur, Sport und Freizeit bieten sich in Hainichen zahlreiche Möglichkeiten. Das Falblatt informiert über einige Sehenswürdigkeiten.
STATIONEN DES „HISTORISCHEN
TEXTILLEHRPFADES“
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Der überregionale "Historische Textillehrpfad" ist so zu verstehen, daß die Technologien von der Fadenherstellung bis zur Konfektion einzeln vorgestellt werden. Dabei erfolgt die Anbindung an jeweils einen ausgewählten Ort der "Sächsischen Textilstraße", an dem dieses Verfahren angewendet wurde, aber nicht unbedingt dominierte.
Die nachfolgend aufgeführten einzelnen Technologien sind in ausführlicher Form im Dokument "Historischer Textillehrpfad" beschrieben.
- Augustusburg und Umgebung, = Spinnerei
(ebenfalls sehr ausgeprägt in Zschopau, Flöha, Venusberg, Mittweida)
- Sachsenburg bei Frankenberg = Zwirnerei
- Oederan = Weberei (Leineweberei, Band- und Bortenweberei)
- Hainichen = Weberei (speziell Tuchmacherhandwerk)
- Frankenberg = Textilveredlung (besonders Appretur, Färberei und Stoffdruckerei)
- Mittweida = Konfektion
- Herold = Rohstoffgewinnung (Flachsbe- und verarbeitung), Wirkerei, Strickerei
- Marienberg = Posamentenherstellung
Handweberei auf Schloß-Scharfenstein
Textilmuseum Hohenstein-Ernstthal
Bei unserer Tätigkeit zur Pflege der historischen Textilindustrie Sachsens entstanden einige Videos. Weitere Filme erhielten wir von Peter Hegewald aus Auerbach/E.
Das Medium "Video" war noch nicht allgemein üblich. Deshalb absolvierten wir einen Lehrgang in Chemnitz, um die Handhabung der Technik und die Gestaltung für unsere Videobeträge zu verbessern.
So Klingt's in Auerbach/E.
Auerbach/E. - ohne Ton!
Posamenten - Schloß Schlettau
Im Industriemuseum-Chemnitz entstanden die Nachfolgenden Videos zu mehreren Textilmaschinen.
Unbürokratisch und Dankenswert unterstüzten uns die Mitarbeiter mit den Vorführungen und sachkundigen Erläuterungen.
Dosenspinnmaschine
Spindeln
Stickmaschine
Wirkmaschine
Halbselfaktor
Einfädelmaschine
Lochband
Rundstrickmaschine
Ringspinnmaschine
Flechtmaschine
Jacquardwebstuhl
Doppelmoketwebstuhl
Gewichtswebstuhl